GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003
IV. Die historische Auswertung der Erdwälle (S. Soproni)
bundenen Vasallenstaates ," 6 0 Die Konzentration der Solidi im 4. Jahrhundert ist nicht nur an der oberen Theiss, sondern auch im Banat zu beobachten. 6 1 Im NO-Teil des Karpatenbeckens sind neben den Streufunden zwei Funde aus Goldmünzen bzw. Medaillen aus Ormód/Brestov und Szilágysomlyó bekannt. 6 2 Im 1797 entdeckten Fund I von Szilágysomlyó befanden sich neben den Goldgegenständen 15 St. Münzen, darunter 12 Reichsmedaillen bzw. 2 Nachahmungen und ein Aureus. Die erste Tetrarchie (290-295) ist mit 2 St., die Konstantindynastie (330-361) mit 3 St. und die Valentiniandynastie (364-378) mit 10 St. im Fund vertreten, 6 3 dessen Bedeutung die spezielle Rolle der Medaillen gut zeigt. Diese Münzen mit Öse und Rahmen verschenkte der Kaiserhof bei ausserordentlichen Anlässen. 6 4 Der andere wichtige Fund fand sich 1891 in Ormód/Brestov an der oberen Theiss, in ihm befanden sich ausser den Goldgegenständen auch 25 St. Münzen. 6 5 Ausser 2 Goldmünzen aus dem 2. Jahrhundert ist die Tetrarchie mit 5, die Konstantindynastie mit 14 und die Valentiniandynastie mit 4 Münzen vertreten. 6 6 Rechnet man die beiden frühen Goldmünzen ab, finden sich im Fund von der Diokletianszeit gleichmässig und kontinuierlich bis zu Valentinian Prägungen fast aller Kaiser. Das Auftauchen der Münzen steht mit der neuen Aussenpolitik der Tetrarchie in Zusammenhang. Der die Krisen im 3. Jahrhundert meisternde Diokletian war nicht nur um die Ordnung der inneren Verhältnisse, sondern auch um die Behandlung der aussenpolitischen Probleme bemüht. Die lange Grenzlinie im Donaubecken wartete auf eine Lösung, und man bemühte sich, diese teils durch Festungsbauten und teils durch eine neue aussenpolitische Doktrin, durch politisches Eingreifen in die Verhältnisse der Völker jenseits der Grenzen zu finden. 6 7 Eine Äusserung dessen war der geschickte politische Schritt von Diokletians Mitkaiser Maximian, die Gepiden und Wandalen zu einem Angriff auf die Goten zu ermuntern. Der Krieg fand vor 290 statt und schloss mit dem Sieg der Goten, der wahre Sieger war aber, wie eine 291 verfasste Festrede berichtet, das Reich, das auf diese Weise seine germanischen Feinde geschwächt hatte. 68 Von diesem vorzüglichen taktischen Schritt des Maximian zeugen ausser den Quellen auch seine im Karpatenbecken gefundenen Aurei (z. B. im Fund I von Szilágysomlyó oder von Ormód). 6 9 Die Goldmünzen des Schatzes I von Szilágysomlyó und von Ormód sind Beweise für die politischen Beziehungen der Gepiden im NO-Teil des sarmatischen Wallsystems zu den Römern 7 0 In ihnen kommen die Münzen der Tetrarchie aber noch erst in kleiner Anzahl vor, ihr sprunghaftes Ansteigen lässt sich dann erst wieder -mit dem sonstigen Münzenmaterial seit Konstantin I. beobachten. B. Stallknecht argumentiert, Konstantin habe eine neuartige Aussenpolitik verfolgt, die sich von der des Diokletian grundsätzlich unterscheidet, weil sie viel aggressiver und zweckvoller war. 7 1 Diese offen6 0 Gabler 1975, 103; Soproni 1985, 15, Anm. 13, wo er davon ausgehend darauf hinweist, daß die Römer den Barbaren im Vorraum der Wälle Zahlungen leisteten, aber auf dessen Hintergrund nicht detailliert eingeht. 6 1 Gabler 1975, 98. Abb. 5. Die Aufteilung auf die einzelnen Herrscher s. 102. Tabelle III. vgl. Bolin 1929. 121-122 und die Aufzählung eines Teils von ihnen: Knapke 1941, 92, 94. Die Mehrheit der Goldstücke besteht aus konstantinzeitlichen Münzen und solchen aus der folgenden Periode. 6 2 Über beide Schatzfunde schreibt Bolin 1929, 122: "Die Reihe der Einzelfimde reicht ohne große Lücken von etwa 275 bis etwa 450; da aber die Prägungen der Kaiser, die auch in dem erwähnten Schatze vertreten sind, die größte Zahl ausmachen, darf man annehmen, daß wenigstens ein Teil dieser Münzen mit dem Schatz gleichzeitig verborgen wurde. Ein Goldschatz aus dem Nachbarland Siebenbürgen ist mit dem nordungarischen Schatz genau gleichzeitig 6 3 Die ausführliche Beschreibung der Münzen s.: Dembski 1999; Bursche 1998, 48-50, 241-247. 6 4 Bursche 1999. 45 über die Funktion der Medaillen: "Anläßlich der Auszahlungen von donativa und largitiones sowie bei anderen Gelegenheiten wurden den I ertretern germanischer Eliten, den Anführern und reges, Multipla ausgehändigt. Diese Prägungen stellten also politische Zeichen dar, die Bündnisse bestätigen und die Oberhoheit des Kaisers symbolisieren sollten ." Vgl. Bursche 1999, 31. Die Medaillen aus der östlichen Hälfte der Tiefebene s.: Bursche 1998, 229, 240, 247, 249. 6 5 Kuzsinszky 1892. 6 6 Kiss 1999.60. 6 7 Wichtig aus der Sicht des Ausbaues des Wallsystems kann eine bisher unbeachtete Angabe sein. Sie steht in einem Panegyrikus von 297 über Kaiser Constantinus Chlorus und konnte von Brockmeier 1987, 90-91 nicht erklärt werden. Folgende Dienstleistungen werden aufgezählt (Paneg. 5.3.3): "Partho quippe ultra Tigrim redacto, Dacia restituta, porrectis usque ad Danubii caput Germaniae Raetiaeque limitibus, gubernacida maiori qaerebat aueta atque augenda res publica et, qui Romanae potentiae terminos virtuteprotiderant, impériumßliopietate debebant '." Hier kann vielleicht die Hypothese gewagt werden, daß sich Dacia restituta auf die von den neuerbauten Wallen umgebenen Gebiete beziehen kann, und eben nicht auf die Provinz an der unteren Donau. 6 8 Bona 1986/a, 131. 6 9 Knapke 1941, 94. 7 0 Bona 1986/a, 132, vgl. Bursche 1999, 49, der den Schatzfund mit den Goten verband und die Münzen als Sachzeugnisse eines seit 322 bestehenden foedus betrachtet, vgl. Kiss 1999, 56. 7 1 Stallknecht 1969, 32-33. 85