GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003
IV. Die historische Auswertung der Erdwälle (S. Soproni)
kerung, die den Wall durchbricht und an der Theiss nach Süden zieht, wo sie den ebengenannten verwandte Gräberfelder eröffnen. 4 1 Den Zusammenbruch nach 375 zeigt der Fund von Hajdúnánás-Tedej in der Nähe (2 km) des Wallsystems, in dem sich ausser Eisengeräten 705 römische Bronzemünzen (von Constans II. bis Valentinian) befanden. 4 2 Bemerkungen zur Datierungsfrage des Schanzensystems Zwar hat es in den vergangenen zwanzig Jahren viele neue Ergebnisse zum Schanzensystem gegeben (s. z. B. das Gräberfeld von Mezöszemere-Kismarkifenék), doch ist die Datierungsfrage immer noch offen. Zwei markante Ansichten widersprechen sich, vertreten durch András Mócsy und Sándor Soproni. Sándor Soproni datierte das Mauersystem in mehreren Studien bzw. in seiner Monographie in die Zeit zwischen der 2. Hälfte des 3. und dem 11. Jahrhundert. Seiner Meinung nach wurde es nach der Aufgabe Daziens - im gemeinsamen römisch-sarmatischen Interesse - gleichsam als ein Vor-Limes errichtet. Den äusseren Wall datiert er auf nach 322 und die Linie an der Kőrös in die Jahre nach 358. 4 3 Bei den Bauten nach 322 erwog er als Möglichkeit, dass sie als Teil des konstantinischen Daphne-Plans betrachtet werden könnten, der den Schutz der Provinzen an der mittleren Donau neuorganisierte. 4 4 Soproni fand für seine Datierung mehrere Anhänger, 4 5 aber dasselbe trifft auch auf die Datierungsmöglichkeit von András Mócsy zu. 4 6 Im Gegensatz zu Sopronis schon früher publizierter Vorstellung 4 7 warf Mócsy auf, der Bau des Csörsz-Grabens könne mit der neuen Verteidigungspolitik unter Diokletian in Beziehung gebracht werden, selbst wenn zur Zeit der Tetrarchie sieben grosse kaiserliche Expeditionen gegen die Sarmaten unternommen wurden. So sei es nach dem Sieg über die Sarmaten 294 zu dem Ausbau gekommen, 4 8 als in den Gebieten vor Aquincum und Sirmium Römerlager und später auch linksseitig der Donau kleine befestigte Schiffsländen erbaut wurden. 4 9 Sie hatten die Aufgabe, die Transporte ins Sarmatengebiet zu schützen. Um die Bewegungen der von ihren Nachbarn bedrängten Sarmaten zu verhindern und sie nicht ins Reich einlassen zu müssen, sei ein Bündnis entstanden, in dem das Römische Reich die Sicherheit der Sarmaten garantierte. Mit diesem neuen Verteidigungssystem brachte Mócsy den Bau des Csörsz-Grabens in Zusammenhang, der das Siedlungsgebiet der Sarmaten umgab. 5 0 Selbst wenn es auch zu kleineren Einfällen kam, wird er aber bis zum grossen Sarmatenangriff in 322 - bis zur Erstürmung Camponas (Nagytétény) - gut funktioniert haben. 5 1 Nach dem römischen Gegenangriff - dem Feldzug Konstantins I. - wird es aber zu einer Erneuerung des Vertragsverhältnisses gekommen sein, wie auch das römische bewaffnete Eingreifen beim Angriff der Goten in 332 zeigt. Die erneute Regelung der sarmatischen Verhältnisse mag nach dem grossen Feldzug von Constans II. in die Tiefebene stattgefunden haben. Mócsy gab später ausser 294 auch das Jahr oder die Jahre nach den Ereignissen von 322 als Bauzeit an, schloss aber die 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts aus, weil man die Walllinie damals wegen des zunehmenden Vordringens der Germanen im Sarmatengebiet anderswo hätte ziehen müssen bzw. der Bau nicht mehr viel Sinn gemacht hätte. 5 2 Mit der Geschichte der Quaden und Sarmaten im 4. Jahrhundert hat sich - vor allem aufgrund des Werkes von Ammianus Marcellinus - Ursula-Barbara Dittrich in ihrer Dissertation beschäftigt. Ihre Feststellungen über das Wallsystem sind, selbst wenn sie die Monographie nicht, sondern nur die früheren Studien der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft verwenden konnte, wichtig und sollen deshalb wörtlich zitiert werden: "Zum anderen sind sie, was die Forschung auch zugibt, nirgends in den schriftlichen Quellen der damaligen Zeit erwähnt, obgleich der Ausbau eines derartigen Wallsystems - der wegen seiner Dreigliedrigkeit wohl nur sukzessive erfolgen konnte — enorm 4 1 Bona 1986/b. 205 4 2 Mesterházy 1990, 62; Kiss 1999. 61 4 3 Soproni 1969, 45-51 und s. die Studie von Sándor Soproni in diesem Band bzw. Soproni 1985. 13-17. 4 4 Siehe darüber Patsch 1928,21-22 4 5 Siehe z. B. Kolnik 1999, 175-176; Istvánovits 1998, 43 4 6 Siehe z. B. Bona 1986/b, 60; Vaday 1989, 208-209 4 7 Soproni 1969 4 8 Mócsy 1990/b. 1 08. Auf diesen Zeitpunkt folgert man aus der Eintragung zum Jahr 294 in den Fasti von Hydatius (Chron. Min. I, 230), als in Sarmatien zwei Festungen gebaut wurden: his coss. castra facta in Sarmatia contra Acinco et Bononia. Aufgrund neuer Untersuchungen bezieht sich die Angabe von Hydatius auf 293, s. Kovács 2001, 142-145. 4 9 Siehe z. B. die von Nógrádverőce: MRT 9,"239-240,1-0 20/3 5 0 Mócsy 1974/c, 101 5 1 Patsch 1928. 16-17; Mócsy 1972, 86; Mócsy 1990/a. 46M7 5 2 Mócsy 1990/a, 47 83