GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003
IV. Die historische Auswertung der Erdwälle (S. Soproni)
im Innern des Barbaricum liegen. Die beiden neu organisierten Legionen - die legio V Iovia und die legio VI Herculia - die beiden neuen Gegenfestungen am linken Ufer - Contra Acumincum 21 3 und Contra Bononiam - und die beiden neuen Lager am rechten Ufer - Ad Herculem und Castra Herculis - dienten zur direkten Verteidigung 21 4 des 293 zur kaiserlichen Residenz erhobenen Sirmium. Die Befestigung dieser Limesstrecke zur Zeit des Diokletian beweist gerade, dass das Erdwallsystem damals noch nicht bestand. Wäre es nämlich bereits fertig gewesen oder hätte man es auch nur geplant, hätte die besondere Befestigung dieser Strecke strategisch gesehen überhaupt keinen Sinn gehabt. Durch die freundliche Vermittlung des Museums in Újvidék (Novi Sad) hatte ich im Jahre 1973 Gelegenheit, das Lager Contra Bononiam zu besichtigen das in der Gemeinde Begecs (Begec) an der Donau liegt. 21 5 Das aus den umliegenden Ackerfeldern herausragende Lager dürfte, nach den an der Oberfläche befindlichen Spuren zu schliessen, runde Ecktürme gehabt haben. Ebenso ist ein runder Eckturm in dem mit Sicherheit aus der Zeit Diokletians stammenden 21 6 Lager von Cortanovce 21 7 zum Vorschein gekommen. Der wahrscheinlich runde Eckturm im Lager von Begecs (Begec) schliesst die Möglichkeit aus, das "Contra Acinco" des Hydatius gegenüber von Aquincum zu suchen. 21 8 Das dem Legionslager Aquincum gegenüberliegende Transaquincum 21 9 weicht in seinen Abmessungen und auch im Grundriss - wenigstens soweit sich das aufgrund der an der Oberfläche befindlichen Spuren festellen lässt - vom Lager bei Begecs (Begec) vollständig ab. An den Ecken des Lagers Contra Aquincum auf dem Platz des 15. März in Budapest befinden sich fächerförmige, an seinen Seiten hufeisenförmige Türme, 22 0 was aber noch wichtiger ist: das Lager hat mehrere Perioden und auf seinem Gebiete sind schon vom zweiten Jahrhundert an Funde nachweisbar. 22 1 Auf hiesige Bauarbeiten am Anfang des 3. Jahrhunderts weisen die Ziegelstempel der cohors VII Breucorum Antoniniana hin und ebenso kann man die Ziegelstempel des Exercitus Pannoniae Inferioris 22 2 auf das 3. Jahrhundert datieren. Das Lager hat also ohne Zweifel bereits in der vordiokletianischen Zeit bestanden, 222 weshalb die Angabe des Hydatius sich auf keinen Fall auf dieses Lager bezogen haben kann, da es ja 294 schon bestand. Gegen eine solche Deutung spricht auch die Grundrissform, da der Bau fächerförmiger und hufeisenförmiger Türme von der Forschung in Pannonién auf die Zeit Konstantins gesetzt wird. 224 Die Grundrissform der von A. Mócsy vermissten 225 neuen pannonischen Lagerbauten zur Zeit des Diokletian sehen wir in den Lagern mit runden Türmen. Den Umbau des Lagers am Platz des 15. März reihen wir zusammen mit den übrigen Lagern von ähnlichem Grundriss unter die Bauunternehmen zur zeit Konstantins ein. 2 1' Über Contra Acumincum (Titel) zuletzt: Mirkovic 1977 254. 21 4 Notitia Dignitatum occ. XXII 39 und 42. 21 7 Das Lager liegt in der"Acke" oder "Atske" genannten Flur. Der am Ufer ausgegrabene "Rundturm" gehört mit Sicherheit nicht zum Lager, das vom Donauufer nördlicher weg liegt. Über frühere Forschungen und die Abmessungen des Lagers: Soproni 1978 136 Anm. 127. 21 6 Soproni 1977 395; Ders. 1978 129. 21 7 Manojlovic 1962 123-124. Weitere Beispiele für runde Ecktürme vom Limes am Unteren Lauf der Donau: Ivanov 1974 239-239 (Oescus, Novae aus der Zeit nach Aurelianus.) Vgl. noch: v. Petrikovits 1971 198-199. Das 294 erbaute Vitudurum (CIL XIII 5249) hat ebenfalls runde Ecktürme (v. Petrikovits 1971 181). 21 8 .1. Fitz (1979/b 354) und T. Nagy (1976 382) erkennen die Identifizierung von Contra Acinco mit Titel nicht an, sondern beziehen die Hydatius-Angabe auch weiterhin auf das Aquincum gegenüberliegende Lager. Nach unserer Meinung liegt die Verzerrung Aquincum-Acinco ebenso im Berich des Vorstellbaren wie die Namenänderung Acumincum-Acinco. Das Gegenargument der Genannten überzeugt nicht. Vgl. die diesbezüglichen Bemerkungen von E. Tóth (1980). 21 9 RLU 120-121 (Póczy). 22 0 RLU 122-123 (Póczy). Ausführlicherer Grundriss: Gerevich 1976 7. Tafel. n I ~~ T. Nagy (1974 34) leugnet die Möglichkeit der Erbauung zur Zeit des Commodus und setzt die Bauzeit auch weiterhin auf das Jahr 294 fest (Vgl. noch Ders. 1971 148.: Ders. 1973 107.). in L. Nagy 1946 71 und 101. Die Bauten des III. Jahrhunderts möchten wir aufgrund der Antoniniana Ziegelstempel auf die Zeit des Caracal la verlegen. 22 3 Hieraufweist auch K. Póczy hin (RLU 123). und Tóth 1980 137. 22 4 Unsereseits bestreiten wir die Ansicht von H. v. Petrikovits (1971 183-184) wonach die Grundrissformen, bzw. die Turmtypen nicht als zeitbestimmend gelten und daher zur Datierung nicht herangezogen werden können. Auch A. Mócsy (1974/d 195) hält die Identifizierung der Hydatius-Angabe mit dem Lager auf dem Platze des 15. März nicht für unbedingt richtig, und zwar gerade wegen der für die Zeit des Konstantin bezeichnenden hufeisen- und fächerförmigen Türme. Vgl. noch die Beremkung von H.v. Petrikovits (1971 2/99). wo der Bau des Lagers im Jahre 294 gleichfalls in Frage gestellt wird. 22 5 Mócsy 1974/a 269; Ders. 1974/c 99.; 1974/d 195. 68