GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003
IV. Die historische Auswertung der Erdwälle (S. Soproni)
begrenzten Limesstrecke vor und deshalb muss ihre Errichtung mit dem Schanzensystem um Zusammenhang gestanden haben: im Notfalle erleichterten sie den verbündeten römischen Truppen den Flussübergang. Sie wurden wahrscheinlich im Sinne des mit Zizais geschlossenen Vertrags gebaut. Unter den archäologischen Beweisen halten wir das in ungefähr 3 km Entfernung von der Donau am nördlichen Ausgangspunkt der Schanzen bereits auf dem Gebiete des Barbaricum aufgefundene spätrömische Militärlager für besonders wichtig, da es die Errichtung und das Bestehen des Schanzensystems im 4. Jahrhundert bezeugt. Der Name des Lagers wurde uns durch die Notitia Dignitatum als Contra Tautantum bzw. als Contra Tantantum überliefert. 16 9 Es ist uns gelungen, diese zweifellos verstümmelte Namensform auf Contra Constantiam zu emendieren. 17 0 Auch am anderen, südlichen Ende des Schanzensystems finden wir eine Gegenfestung, die einen Ähnlichen Namen trägt, das zur Zeit Konstantius II. erbaute Militärlager: Constantia an der Stelle des heutigen Kevevára (Kovin). 1 7' Im Sinne des Vorstehenden zog sich also das Schanzensystem von Castra Constantia (Szentendre) bzw. von Contra Constantiam (Göd) bis Constantia (Kovin)! In der Linie des Schanzensystems wurde in Gombospuszta, bei Hatvan die Übergangsstelle des Flusses Zagyva durch eine Militärstation aus der Zeit des Valentinianus gesichert, die wir zum grossen Teil aufdecken konnten. 17 2 Wir halten es nicht für ausgeschlossen, dass am Schanzensystem auf dem Gebiete der Tiefebene noch weitere spätrömische militärische Wachtstationen zum Vorschein kommen.' 7 3 Von einigen konkreten Daten abgesehen sind wir, was den römischen Schutz des Schanzensystems betrifft, nur auf Hypothesen angewiesen. Die nördliche Strecke dürfte sicherlich unter der Kontrolle der Legion von Aquincum, der legio II adiutrix gestanden haben. Je eine Abteilung dieser legion war in der Brückenkopffestung am rechten Donauufer, der Versorgungsbasis des Schanzensystems, dem Lager Cirpi (Dunabogdány) und in der Ausgangsstation am linken Ufer, dem Lager Contra Constantiam (Göd) stationiert 17 4 und die Ziegelstempel der gleichen legion fand man auch in der Militärstation von HatvanGombospuszta. 1 7- Es ist sehr wahrscheinlich, dass die in den Lagern des pannonischen, besonders aber des Limes von Valeria stationierten berittenen Einheiten ausser der unmittelbaren Verteidigung des Limes als schnell bewegliche Truppen im Notfall auch die Verteidigung des Schanzensystems und vielleicht auch einen Wachtdienst versahen. 17 6 Aufgrund der bereits zitierten Mitteilung von Ammianus Marcellinus 17 7 ist anzunehmen, dass die unmittelbare Verteidung des Erdwallsystem unter der Leitung eines römischen militärischen Befehlshabers, eines Präfekten, von einzelnen Gruppen der Sarmaten versehen wurde. Um auf die Geschichte des Erdwallsystems der Tiefebene zurückzukommen: es wurde bereits erwähnt, dass es in den 370-er Jahren seine Bedeutung bzw. seine Rolle einbüsste. Zur Vergeltung des quadisch-sarmatischen Einfalls vom Jahre 374 - seine Ursache war der Meuchelmord an dem Quadenkönig - kam der Kaiser Valentinianus sofort nach Pannonién und führte einen erfolgreichen Straffeldzug gegen die Quaden, 17 8 allen Anzeichen nach im Börzsöny-Gebirge, also auf quadischem Gebiet ausserhalb des angenommenen Schanzensystems aus der Römerzeit. Während der auf den Feldzug folgenden Friedensverhandlungen starb Valentinianus im Jahre 375 in Brigetio. 17 9 Nach seinem Tode trat infolge der Niederlage von Hadrianopole im Jahre 378 - die der römische Geschichtsschreiber mit der Niederlage von Cannae vergleicht 18 0 - in der römischen Aussenpolitik 16 9 Notitia Dignitatum occ. XXXIII 55. 17 0 Soproni 1974/b 66; RLU 126-127 (Soproni).; Ders. 1978 79-21 und 171-172. 17 1 Soproni 1978 124-125. Die äussere Linie der Erdwalle im Banat zieht sich ganz bis zur Burg von Kevevára (Kovin) "zu der von den ungarischen Königen gestalteten Burg" hin. Vgl. Téglás 1904 38. 17 2 Soproni 1974/a 197-203; RLU 127 (Soproni).; Ders. 1978 81-86. I 7"' Die Annahme eines "limes" längs des Flusses Maros zur Zeit des Diokletian und Konstantins (Petolescu 1 977) müssen wir natürlich ablehnen. Einige von den Wachstationen, die an der von Contra Florentiam ausgehenden und die Tirfebene durchquerenden Strasse in Szeged (RLU 127. Gabler, mit ausführlicher Literatur) und längs der Maros aufgefunden wurden (zuletzt Märghitan 1978) haben vielleicht auch in der Spätzeit existiert. Über den Strassenabschnitt zwischen Donau und Theiss: Patay-Soproni 1 979 283; Patay 1980 247; Soproni 1984. 17 4 Notitia Dignitatum occ. XXXIII 56 (Cirpi) und XXXIII 56 ( Contra Constantiam). Vgl. noch: Soproni 1978 165. 17 5 Soproni 1 947/a 198-199 Abb. 48 1-3 und Abb. 49 13-14; Ders. 1978 Taf. 86 1-3 und Taf. 87 2-3. 17 6 Soproni 1974/b 61; Ders. 1978 158 und 204. 17 7 Ammianus Marcellinus XVII 13, 19. 178 Ammianus Marcellinus XXX 5, 13-14; A. Alföldi 1942 685-686. Inzwischen wurde nachgewiesen, das die Pfosten der angenommenen Pontonbrücke von Nógrádveröce (heute Verőce) zum Hafen der Brückenkopffestung gehörte (Mócsy 1958 97-98). Der Schauplatz des Feldzuges war aber nach der Beschreibeng des Ammianus ohne Zweifel das Börzsöny-Gebirge. 17 9 Ammianus Marcellinus XXX 7, 10. 18 0 Ammianus Marcellinus XXXI 13. 19. Über die Schlacht: Jones 1974 1/153-154. 64