GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003

IV. Die historische Auswertung der Erdwälle (S. Soproni)

ebenfalls von der Donau - und vermutlich ebenfalls ­bis zur Donau ziehenden Linie das Vorland der Pro­vinzen Dacia ripensis und Schytia gegen Angriffe aus dem Norden schützte. Die rumänische Forschung ver­legt den Bau dieses Schanzensystems im Allgemeinen auf die Regierungszeit des Kaisers Konstantin. 13 8 Die konstantinische Aussenpolitik kam natürlich auch in der Befestigung der römischen Grenze, des Limes zum Ausdruck; in Pannonién knüpft sich der Umbau und die Modernisierung der Militärlager und der Aus­bau der Binnenfestungen an den Namen dieses Herrschers. 13 9 Mit dem Bau der äusseren Verteidi­gungslinie, der Längswälle, des Donau-Limes und der Reihe der Binnenfestungen schützte die in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts am meisten gefährdete Donaugrenze ein dreifacher Verteidigungsgürtel ge­gen die Einfalle der Barbaren. Für die sarmatisch-römischen Beziehungen ist bis zu den siebziger Jahren des 4. Jahrhundert allge­mein das friedliche Nebeneinanderleben bezeichnend. Die sarmatischen Angriffe, die das Reich zwischen 322-374 trafen, waren im Wesentlichen Aktionen der ausserhalb des Erdwallsystems lebenden bzw. dorthin angesiedelten Sarmaten. So brachen 332 die Goten in Pannonién ein und mit ihnen jene Sarmaten (arcara­gantes oder sarmatae liberi), die die Römer wegen in­nerer Zwistigkeiten ausserhalb des Schanzensystems, bei den Victovalen angesiedelt hatten. Im Jahre 356 fielen mit denselben Sarmaten die Quaden ein, während die 358 Moesien verwüstenden Sarmaten von den Römern wieder Ausserhalb der Schanzen, wahrscheinlich am Oberlauf der Theiss angesiedelt wurden. 14 0 Die Forschung nimmt an, dass in der Zwischenzeit auf dem Gebiet der Tiefebene, innerhalb des Erdwallsystems gewisse ethnische Änderungen vor sich gingen. In erster Linie ist damit zu rechnen, dass im zweiten Drittel des 4. Jahrhunderts 14 1 sich eine grössere Anzahl Gepiden ansiedelte und es ist möglich dass den Platz der aus dem Banat aus­gesiedelten Sarmaten die Taifalen einnahmen. 14 2 In unseren früheren Studien vertraten wir die Auffassung, dass der Längswall and der Körös zwi­schen Körösszegapáti und Szelevény zusammen mit den Ereignissen der 2. Hälfte der 350-er Jahre mit dem Sarmatenkönig Zizais geschlossenen Vertrag bzw. mit dem Umstand im Zusammenhang stand, dass durch die gepidische und ev. taifalische Besiedlung das Siedlungsgebiet der Sarmaten eingeengt worden war. Wir erklärten den Ursprung dieser Schanzeinlinie vor allem durch Rückschluss aus einer später Angabe von Iordanes. 14 3 Wir meinten, dass der Erdwall die Grenze zwischen dem Sarmatenstaat des Zizais und den Gepiden gebildet habe. Aufgrund neuerer Forschun­gen müssen wir, wie schon erwähnt, diese Hypothese fallen lassen. Diese Linie an den Körös-Flüssen stammt zusammen mit der an sie anschliessenden Donau-Theiss-Linie aus einer Zeit nach der Er­richtung unserer Längswälle. 14 4 Es ist noch nicht gelungen, ihre Bauzeit zu klären: wir nehmen ledig­lich an, dass sie wahrscheinlich nach dem 4. Jahrhun­dert errichtet wurde. Nach den Völkerbewegungen der 350-er Jahre hören wir erst in der Mitte der 370-er Jahre von quadisch-sarmatischen Einfällen in Pannonién. Das ist aber der Zeitpunkt, nach dem das Schanzensystem vor allem infolge der nach der Niederlage bei Hadria­nopole im Jahre 378 veränderten Machtverhältnisse seine frühere Rolle und Bedeutung verlor. 14 5 Das bisherige enge Bündnis zwischen Sarmaten und Römern zerfiel und die letzteren verloren infolge der schweren Niederlage endgültig ihre Kontrolle über Gebiete ausserhalb ihres Reiches. 14 6 Die Untersuchung der sarmatisch-römischen Beziehungen im 4. Jahrhundert hat gezeigt, dass zwi­schen 322-374, mehr als ein halbes Jahrhundert lang Pannonién bzw. die angrenzenden Gebiete von den in­nerhalb der Schanzen wohnenden und als Bundes­genossen geltenden Sarmaten nicht angegriffen wurde. Kam es aber zu einem solchen Angriff, so wurden die einfallenden Gruppen von der römischen Regierung zur Strafe ausserhalb des Erdwallsystems angesiedelt. Zur Bestimmung des Alters des Erwallsystems stellen die historischen Quellen aus der Römerzeit nur indirekte Daten zur Verfügung. So erfahren wir aus 13 8 Über ausführliche Literatur: lloredt 1974. 212. Anm. 10, und Soproni 1978 133 Anm. 34. - Neuere Literatur: Vulpe 1974 267-270: Vlädescu-Stoica-Moghior 1978 153-164. - Im Gegensatz zur beinahe einstimmigen Datierung auf die Zeit Konstantins durch die rumänische Forschung, erwähnt K. lloredt allein (1974 212-214) die Möglichkeit der Datierung auf das 1. Jahrhundert mit der Begründung, dass die Römer die Brazda zum Schutze gegen die Daker errichtet haben könnten (über die Frage siehe vor­stehend). 119 ' Soproni 1978 195-196. Uber die Binnenfestungen Vgl. noch Soproni 1984. 14 0 Soproni 1978 117. 14 1 Bóna 1974 25. 14 3 Mócsy 1974/a 279; Ders. 1974/c 110: Soproni 1978 118. 1 4' lordanes, Getica 22. 113. 14 4 Patay 1972 312: Soproni 1978 118. 14 5 Soproni 1978 126-127; Ders. 1984. 14 6 Jones 1964 1/154-164; Stallknecht 1969 86-87. 61

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