TÓTH ENDRE: POROLISSUM . DAS CASTELLUM IN MOIGRAD . AUSGRABUNGEN VON A. RADNÓTI, 1943 / Régészeti Füzetek II/19. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 1978)

Stempel der Auxiliartruppen

600 m entfernt gelegene numerus castellum (und seine ausgedehnten anschließenden Teile?) haben während der Bauzeit auch die gemeinsamen Stationierungen an Ort und Stelle ermöglicht. Im nördlichen Grenzgebiet von Dacia Porolissensis liegen die mili­tärischen Lager auch sehr dicht und die Einheiten konnten zu einer größeren Arbeit leicht zusammengezogen werden. Falls es einen Stempel mit vexillatione s tre s gibt, 4 ^ so wäre die Existenz der gestempelten Ziegel der cohortes tres, die zu speziellen Auf­gaben zusammengezogen wurden, waren, ohne weiteres möglich. Der aus dem von oben gerechneten zweiten Fußbodenniveau des SO-Turmes der Porta decumana zum Vorschein gekommene Stempel (Nr. 333) hilft bei der Datierung nicht viel. Er ist sekundär zu den primären Ziegeln mit CVL-Stempeln geraten. Die Auswertung des Stempels erfolgt mit den CVL-Stempeln gemeinsam. STEMPEL CVL (Abb. 20). Eigentlich kann hier gar nicht von einem Stempel die Rede sein, sondern nur von einem mit dem Finger gezogenen Zeichen. Da aber sehr viele solche Ziegel auf dem Gelände des Lagers zum Vorschein gekommen sind (69 St.), hat das Zeichen die Rolle eines Ziegelstempels gespielt. Der letzte Buchstabe ist nur selten ein kapitales, sondern im allgemeinen ein an das retrograde S erinnerndes, kursives L. Die mit lauter Kapitalen geschriebene Variante kennt auch J. Szilágyi aus Porolissum (bei ihm Typ 243) und ver­bindet sie wie auch ich mit der cohors V Lingonum. Es ist jener gekennzeichnete Ziegel, von dem die meisten aus einer Schicht ans Tages­licht gekommen sind. Im SO-Turm der porta decumana wurden zusammen mit der Münze Philippus pater (Münzenkatalog Nr. 21) 1 St. Dachziegel und zwei andere Fragmente zu­tage gefördert. Aus dem obersten Fußboden kamen 4 St. Dach- und 4 St. Mauerziegel sowie ein Fragment hervor. In dem von oben gerechneten zweiten Fußbodenniveau waren die Fragmente von 5 St. Mauer- und 3 St. Dachziegeln mit diesem Zeichen versehen. Die mit diesem Zeichen versehenen Ziegel kamen im wesentlichen nur im Gebiet der Porta decumana zum Vorschein; an anderen Stellen wurde nur je ein Stück davon gefun­den. Meiner Meinung nach gehören die Ziegel mit dem Zeichen CVL, die sich auf den Namen der im 3. Jh. in Porolissum stationierenden Truppe der cohors V Lingonum auflösen las­sen, zur letzten Bautätigkeit im Lager. Die Stempel dieser Einheit kamen jedoch nur auf dem Gelände der Porta decumana massenhaft zum Vorschein, was für uns ein wesent­licher Befund ist. Er kann uns bei der Bestimmung der chronologischen Folge der Stem­pel CH III und CVL behilflich sein. Aus den Ausgrabungsbeobachtungen ist uns bekannt, daß beide oberen Fußböden des SO­Turmes der Porta decumana aus den Zeiten nac h dem gro3en Umbau des Jahre 213 stam­men. Man mußte nämlich gerade diesen Turm später, im Laufe des 3.Jhs - entweder infolge einer Kriegsbeschädigung oder als Folge des schlechten Baues - innen mit einem Mauermantel erstärken. Im Zuge des Umbaues wurde im Turminneren das Fußbodenniveau der Caracalla-Zeit abgerissen; im Inneren hat man die Mauern verstärkt. Zu dieser Zeit entstand das Fußbodenniveau Nr. 2. des Turmes, aus dem in größerer Zahl Ziegel mit dem Zeichen CVL zum Vorschein gekommen sind. So wäre es noch vorstellbar, daß die CVL-Ziegel, Reste eines früheren Baues (eventuell der Caracalla-Zeit) sind, die man dann nach dem Umbau sekundär als Fußbodenbelag verwendet hat. Der CVL-Stempel kommt in größerer Zahl jedoch nur im Gebiet der Porta decumana vor, gerade bei dem Tor, in dessen einem Turm ein im Castellum nach dem Bau der hufeisenförmigen Türme alleinstehender größerer Umbau stattgefunden hat. Der auf mehr als der Hälfte des Ma­terials vorkommende Stempel CH III kommt hingegen im ganzen Lagergebiet allgemein vor. So kann dieser letztere Stempel mit jener Bautätigkeit verknüpft werden, als deren Ergebnis die hufeisenförmigen Türme im Jahre 213 zustande gekommen sind. Als der 52

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