FÜLEP FERENC: NEUERE AUSGRABUNGEN IN DER RÖMERSTADT SOPIANAE (PÉCS) / Régészeti Füzetek II/16. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 1974)

Zusammenfassung

dieser Gebäudeblock LI -förmig war und einen Hof umschloss. Im W fand dieser Hof mit dem Badetrakt seinen Abschluss. In diesem grossen Gebäudeblock mit seinem unbebaut belassenen Hof dürfen wir das einstige Gebäude des Forums vermuten. Wenn die im Ostteil 1903-1904 erschlossenen grossen Bauten erst im 4. Jahrhundert errichtet wurden, so hätten wir ihre Entstehung möglichenfalls mit dem Ver­waltungszentrum der nach 293 zum Statthalter sitz aufgestiegenen Stadt in Zusammenhang zu bringen. Im Bereich der Stadt können wir an drei Stellen Spuren von Römerstrassen nachweisen. Wie schon erwähnt, wurde ein von O nach W verlaufender Strassendamm - gebaut aus einer etwa 40 cm starken Schicht - bei den Ausgrabungen Dischka Gy. utca 6 im Garten der evangelischen Kirche an zwei Stellen durchschnitten. In nächster Nähe, im Garten des Anatomischen Instituts, zeichnete sich ein Strassen­damm von 130 cm Starke - bestehend zumindest aus zwei Aufschüttungsschichten - ab (Graben 6). Die­se Römerstrasse dürfte aufgrund des "in situ" vorgefundenen Bordsteins von N nach S verlaufen sein. Wir nehmen an, dass sie in die zuvor erwähnte Strasse (Richtung O-W) mündete. Der Eingang des im Hof der Hauptpost erschlossenen grossen Badebaus lag mutmasslich an der von N nach S verlaufenden Strasse. Ausserdem erschlossen wir auch vor dem Haus Rákóczi ut 58 einen festgestampften römi­schen Strassendamm, der wahrscheinlich von W nach O verlief. Nach den von W nach O und von-N nach S ausgerichteten Strassen zu schliessen, dürfen wir in der Stadt ein Insulasystem annehmen. Auf­grund der Streufunde an Fresken, Stuckwerk, Säulenkapitellen, Pfeilern und sonstigen Gebäude resten wie Wasserleitungen und Kanalisation, Zentralheizungen usw. aus der frühesten Phase der Stadt können wir in Sopianae das Vorhandensein der in der Römerstädten üblichen entwickelten Kultur und des Netzes an Stadtwerken nachweisen. Die Chronologie der Römerstadt lässt sich aufgrund der Forschungen im Hofe der HAUPT­POST und ihrer Umgebung wie folgt bestimmen: 1. Entstehung der Römerstadt in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Bauperi­ode I . 2. Erste Zerstörung der Stadt in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts, zur Zeit der Markomannen - und Sarmatenkriege unter Mark Aurel. 3. Teilweiser Wiederaufbau im ausgehenden 2. und beginnenden 3. Jahrhundert (Gebäude mit Strohlehm- und Lehmwänden). 4. Erneute Zerstörung der Stadt in den 260-er Jahren, mutmasslich im Zusam­menhang mit einem Roxolaneneinfall. 5. Am Ende des 3. Jahrhunderts (nach 293) wird die Stadt zum Sitz der Zivilverwal­tung in der Provinz Valeria. 6. Bauperiode II im ausgehenden 3. und angehenden 4. Jahrhundert im Zusam­menhang mit dem Aufblühen der Stadt als Folge ihrer neuen Stellung. 7. Bauperiode III in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts (Räume "G" und "K", Terrazzo III). 8. Verfall der Gebäude der Stadt nach 379, zwischen den Ruinen erscheinen Gräber. - Den Fortbestand der Bevölkerung erörtern wir andernorts im Zusammenhang mit der Abhandlung der Friedhöfe. 31

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