Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Metallgefäße

Die skythische Kunst schmückte mit Fischmotiven neben den Pferdegeschirren auch Gegenstände mit an­derer Funktion. Am weitesten im Westen befindet sich ein derartiges Exemplar im Goldfund von Vettersfelde in Niederlausitz. Es ist ein Köcherzier, und zwar ein Fisch-Relief aus Goldblech. 573 Goldschmiedearbeiten in Fischform findet man auch unter den Denkmälern der thrakischen Kunst. Im Fundstoff des thrakischen Hügelgrabes Kukuva Mogi­la, welches bei Duvanlij im mittleren Teil von Bul­garien freigelegt wurde, befinden sich u.a. drei Fischfiguren aus dünnem Goldblech. 574 Aber diese zeigen im Gegensatz zu dem Exemplar von Békés­csaba eine regelmäßige Fischform in Seitenansicht, die Schuppen wurden durch Treibarbeit nur kaum er­haben angedeutet. Darüber hinaus könnte man weitere Beispiele der Fischdarstellungen der thrakischen Kunst des 4. Jh. v. Chr. erwähnen. Auch die Zierelemente des Goldblechs von Békés­csaba entsprechen dem Stil der skythischen und thra­kischen Goldschmiedewerkstätte. Beide Kunstkreise betonten mit plastischen Zierelementen, mit konischen und runden Buckeln den Rücken phantastischer We­sen, von Pferden mit Fischkörper, und von Greifen. Wahrscheinlich stellt auch das Goldblech von Békés­csaba ein solches Wesen dar. Seine Form und Orna­mentik weisen zusammen die engste Verwandtschaft mit den Schöpfungen der späten skythischen und thrakischen Goldschmiedekunst des 5.-4. Jh. v. Chr. auf. METALLGEFÄßE Bronzehydria In der letzten Phase der Spätbronzezeit, im 10. Jh. v. Chr. befand sich eines der Zentren der europäischen Bronzegefäßherstellung im Theiß-Gebiet. Die typi­schen Produkte der Bronzewerkstätte - die Situla vom Typ Hajdúböszörmény, die Becken - gelangten ins ganz fern liegende Gebiete, wie das heutige Süd-, Norddeutschland, Ostfrankreich, Skandinavien. Auf­grund der erhalten gebliebenen - im Vergleich zur Anzahl der früheren Funde wenigeren - Fundstücken kann man feststellen, dass in der Früheisenzeit die Herstellung von Metallgefäßen nicht mehr bedeutend war (Prügy: kleiner Bronzebecken, Sarkad, Szanda: Bronzetassen, Budapest - Angyalföld: Goldtassen). 575 Auch danach, in der Skythenzeit wurden Metallgefäße in größerer Anzahl in der östlichen Hälfte des Kar­patenbeckens nicht mehr hergestellt. Aus dieser Zeit stammen insgesamt vier solche Bestattungen, in denen sich derartige Funde befanden. Am bedeutendsten ist ohne Zweifel das Fürstengrab von Ártánd. Aus diesem Grab sind sogar zwei Bronzegefäße zum Vorschein gekommen. Das eine Stück ist eines der bedeutendsten Denkmäler der Skythenzeit in der Tiefebene, eine an­tike griechische Hydria (Taf. 4. 1). János György Szilágyi stellte fest, dass die Hydria in einer Werkstatt von Sparta frühestens in den ersten Jahrzehnten des 6. Jh. v. Chr., vermutlich um 570/560 v. Chr. hergestellt worden war. 576 Aber neuerlich kam C. M. Stibbe zur Folgerung, das die Hydria von Ártánd im letzten Viertel des 7. Jh. v. Chr. hergestellt wurde. 577 In die Tiefebene dürfte dieses Bronzegefäß über den Mittel­balkan gelangt sein, wo die Wirkung von den Griechen und von der Bevölkerung der Tiefebene gleicherweise zur Geltung kam - wie die die Funde der Fürstengräber von Atenica und Pecka Banja bezeugen. Auf Grund mehrerer Fundstücke des Fürs­tengrabes von Ártánd kann es keine große Zeitspanne zwischen der Herstellungszeit der Gegenstände und der Bestattung gegeben haben, als die Beigaben unter die Erde gelangten. Bronzebecken, Tasse. Das Fürstengrab von Ártánd enthielt ein anderes Bronzegefäß, ein Bronzebecken, welches ebenfalls nicht in einer Werkstatt in der Tiefebene hergestellt wurde (Taf. 4, 3). Derartige Bronzegefäße stammen im Gebiet der südostalpinen Hallstattkultur aus den Perioden Ha C2 - Dl . 578 Auch die in Transdanubien zum Vorschein gekommenen zwei Exemplare (Re­göly, Somlószőlős) 579 stammen aus dieser Zeit. Die Hydria, mit der vergesellschaftet das Becken von Ártánd zum Vorschein kam, gibt genau an, wann auch das Becken unter die Erde gelangte. Zu dieser Zeit, in den letzten Jahrzehnten des 7. Jh. v. Chr. waren die Gebiete westlich und östlich der Donau miteinander eng verbunden. Davon zeugt u.a. auch das Becken von Ártánd. Vermutlich wurde in einer lokalen Werkstatt der Tiefebene die kleine Bronzetasse hergestellt, die aus dem Grab 27 des Gräberfeldes von Szentes-Vekerzug zum Vorschein kam. Die Tasse lag am Boden der Grabgrube mit Asche, goldenen Schmuckstücken, 573 574 575 576 FURTW ANGLER 1883. FILOV 1934, Taf. 1. KEMENCZEI 2005, 63-67. SZILÁGYI 1965. 577 578 57 l > STIBBE 2004, 38. EGG 1 ( PATAY 36, 100. Abb. 1990, 30-31. 58; TERZAN 1998, 525. Abb. 9

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