Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Keramik

entwickelt. Er gelangte vermutlich vom Gebiet der Ferigile-Kultur in die Tiefebene. 849 2. Schüssel mit einziehendem Rand und innerer kannelierter Verzierung. Ein derartiges Exemplar stellt die im Grab 48 des Gräberfeldes Csanytelek ­Ujhalastó gefundene Schüssel dar. 850 Schüsseln mit innerer kannelierter Verziemng in Kreuzform kommen in der Tiefebene auch unter den Keramikfunden der spätbronzezeitlichen Gáva-Kultur vor. 851 Auf Grund dessen konnte man in der Skythen­zeit Schüsseln mit dieser Verzierung auch nach örtlichem spätbronzezeitlichem Vorbild angefertigt haben. Aber ähnliche Schüsseln sind auch in dem mit der Skythenzeit in der Tiefebene gleichalterigen Fund­material anderer Gebiete zu finden. Eines davon ist das in Gräberfeld von Ferigile, wo auch einige in die­ser Art verzierte Schüsseln zum Vorschein gekommen sind. 852 Genauso zum Verbreitungsgebiet der Kultur der kannelierten Keramik der mittleren Eisenzeit ge­hörten im südlichen Teil der Tiefebene das Banat, die südliche Batschka, sowie Syrmien zwischen der Donau und der Save. Unter den Funden dieser Syr­mien-Gruppe gibt es gleichfalls Schüsseln mit innerer kannelierter Verziemng in Kreuzform. 853 3. Eine Schüssel mit kannelierter Verzierung auf dem ausladenden Rand kommt im Fundgut des Gräberfeldes von Tápiószele vor (Grab 7: Taf. 82, 1). Dieses Fundstück hat innen eine derartige kannelierte Verziemng, die für die Keramik der Ferigile-Kultur am Südlauf der Donau im 7.-6. Jh. v. Chr. typisch war. 854 Die kannelierten Tongefäße im Fundmaterial der skythenzeitlichen Alföld-Gruppe spiegeln die Merk­male verschiedener Kulturen wider. Zum Nachlass der örtlichen spätbronzezeitlichen - früheisenzeitlichen Töpferkunst gehören die Schüssel mit schräger Tur­banverzierung am Rand, das zylinderförmige Gefäß, das bauchige Töpfchen und das Gefäß in Wasserkrug­form, während die Schüsseln, die innen mit Kan­nelierung verziert sind, die Wirkung der eisenzeit­lichen kannelierten Keramik von Syrmien zeigen. Es gibt mehrere Gefäße im erörterten Fundmaterial, wel­che zu den von der Töpferkunst der frühskythischen Kultur des Waldsteppengebietes übernommenen Keramiktypen gezählt werden können. Dazu gehört ein Teil der Tassen mit Scheiben-, Knopfhenkel. Zwar befinden sich mit Kannelierung verzierte Gefäße auch im frühskythischen Fundmaterial des Waldsteppenge­bietes, aber dort kann dieser Keramiktyp auf die ört­liche spätbronzezeitliche Töpferkunst zurückgeführt werden. 855 Die Schulter der Tassen mit Scheiben-, Knopfhenkel wurde mit kannelierter Verziemng zu­erst von der frühskythenzeitlichen Töpferkunst der Tiefebene versehen. Die Herstellung diesen Keramik­typs wurde erst später, von der Periode HA D2 an auch im Gebiet der ostalpin-mitteldonauländischen Hallstattkultur verbreitet. Die im Fundmaterial befind­lichen, mit Gittermuster und mit tiefer Kannelierung verzierten Gefäße zeigen die Wirkung des letzteren Kulturkreises auf die Alföld-Gruppe. Die kannelierte Keramik ist also auf diese Weise ein Zeuge, ein Beweis für die weitreichenden Beziehungen des Volkes der Alföld-Gruppe. Dr eh Scheibenkeramik Urnenförmige Gefäße 1. Urnen mit ausladendem Rand, mit geschwun­genem Hals, gewölbtem Oberteil (z.B. Békéscsaba: Taf. 9, 4, Hódmezővásárhely: Taf. 19, 6, Muhi: Taf. 37, 5, usw.). In den meisten Fällen haben sie eine graue Farbe. Im Fundmaterial gibt es auch eine Urne mit langem Hals (Muhi: Taf. 43, 10). 2. Urnen in der Form wie vorher, aber der Henkel überbrückt den Hals (Csanytelek - Ujhalastó: Taf. 15, 12, Törökszentmiklós-Surján: Taf. 127, 11). Früher zählte die Forschung diese Gefäße zu jenen Keramikformen griechischen Ursprungs, die durch die Vermittlung der thrakischen Kultur der Unteren Donaugegend im Laufe des 5. Jh. v. Chr. in die Tief­ebene gelangten. Auch die scheibengedrehte Keramik von diesem Typ, die im Waldsteppengebiet östlich der Karpaten zum Vorschein kam, wurde für einen Typ desselben Ursprungs und Alters gehalten. 856 In neuerer Zeit wurden aber jene scheibengedrehten Ge­fäße ähnlicher Form, die in den im Mittleren Dnestr­bcckcn freigelegten frühskythischen Siedlungen und Gräbern gefunden wurden, in die zweite Hälfte des 7. Jh. v. Chr. datiert. Daraus kann man darauf schließen, dass die Herstellungstechnik der Drehscheibenkera­mik, bzw. die Herstellung dieser Keramikform von den nordpontischen griechischen Töpferwerkstätten zuerst ins Waldsteppengebiet, dann von dort in die Große Ungarische Tiefebene gelangten. 857 849 850 851 852 VULPE 1967, Taf. 2, 8.10. GALÁNTHA 1981,51. Abb. 11, 1. KEMENCZEI 1984a, 347. Taf. 137, 20: Köröm. VULPE 1967, Taf. 3, 3.8. MEDOVIC 1978, Taf. 114, 3^1. 854 VULPE 1967, Taf. 5, 1-2. IL'INSKAJA / MOZOLEVSKIJ/ TERENOZKIN 1980, 59. Abb. 37; SMIRNOVA 2001, 33. 856 857 DUSEK 1974,401. SMIRNOVA 1999, 47.

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