Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

4. Das Fundmaterial - 4.4. Keramik

Abb. 74 "Pantoffelgefäß". 80.11.100 Fußbecher. Der auf einem säulenartigen Sockel stehende Becher (s. S. 53-54) gilt ebenfalls als Uni­kum (Abb. 67.2). Vogelgefäß (?). Das Bruchstück eines sonderbaren Gefäßes wurde in Grube 461/A gefunden. Leider blieb nur etwa ein Drittel des gerundeten Körpers ohne Boden und Hals erhalten. Von der größten Bauchrun­dung geht ein Rohr aus, das aber ebenfalls unvoll­ständig ist. An seiner einen Seite ist eine sich kaum hervorhebende gebogene Leiste zu erkennen, an der anderen Seite nur das Ende einer ebensolchen (Taf. 32.12). Möglicherweise war es eine Tasse mit Ausguß (Bauch-Dm 9 cm), aber vorstellbar ist auch, daß es ein vogelförmiges Gefäß war. In diesem Fall war der aus der Gefäßwand herausragende Rohr­stumpf der Hals des Vogels, während die Leisten die Flügel darstellten. Stillgefäß. Aus dem oberen Wandteil des Bruch­stückes einer kleinen gerundeten Tasse mit stark eingezogenem Rand ragt ein ca. 2 cm langer brustwar­zenartiger Auswuchs hervor, durch den ein 2-3 mm breites Rohr hindurchläuft (Taf. 32.10). Ähnliche, wahrscheinlich für das Stillen bestimmte Gefäße sind zwar aus der Kupferzeit noch unbekannt, finden sich aber unter den Funden verschiedenster Perioden der Urzeit. 275 Gefäß mit durchbohrten Warzen. Zu den Besonder­heiten gehört das Bruchstück eines Gefäßes, an dessen Wand ursprünglich vier an ihrem Fuß durchbohrte, Eisenbahnpuffern ähnliche Warzen mit relativ breiter Scheibe gesessen haben (Taf. 32.14), während sich eine ebensolche auch in der Mitte des recht flachen Gefaßkörpers befand. Das Gefäß kann als Tasse be­trachtet werden, deren Bauch in eine sich etwas ver­engende Schulter übergeht und an dieser dann der ver­mutlich senkrechte oder ausladende Hals ansetzt. In diesem Fall mußte sie auf der Warze in der Mitte gestanden haben, was ein recht labiler Stand war. Doch kennen wir auch Kugelsegment-Gefäßdeckel ­einen aus Balta Säratä im Banat, einem Fundort der Hunyadi halom-Kultur, 276 einen anderen aus Grab 46 des Gräberfeldes von Ostrovul Corbului der Bodrog­keresztúr-Kultur 277 - mit ähnlichen pufferartigen Warzen. Stellt man also das Gefäß umgekehrt, mit der Öffnung nach unten hin, ist es auch als Gefäßdeckel vorstellbar. Von den erwähnten beiden Deckel unter­scheidet es sich nur darin, daß sie keinen vom Körper unterschiedenen Hals haben. 4.4.1.1.24. Spielzeuggefäße Wie in den urzeitlichen Siedlungen allgemein, fanden sich auch hier mehrere ganz winzige Gefäße, die schon von ihrer Größe her keine Alltagsgegenstände sein konnten. Zwar gibt es unter ihnen auch feiner gearbeitete (Taf. 34.9, 17), die meisten aber sind grob, manche imitieren gerade nur irgendeine Gefäßform. Zweifelsohne waren sie für Kinder verfertigtes Spielzeug. Die meisten sind einfach umgekehrt kegelstumpf­förmig (Taf. 34.8, 11, 13, 16-17), obwohl doch diese Form weder in feinerer noch in gröberer Ausführung in der Alltagskeramik häufig ist. Bei einem ist der Rand mit Fingereindrücken verziert und erinnert damit an die blumentopfförmigen Gefäße der Haushaltskeramik (Taf. 34.6), an einem anderen saß etwas Griffähnliches auf dem Rand, so daß es vielleicht ein Schöpfgefäß imitiert (Taf. 34.16). Unter dem Rand eines sehr groben, mit 5,5 cm Höhe relativ großen Gefäßes waren auch Warzen unregelmäßig verteilt (Taf. 34.1). Andere sind halb eiförmig (Taf. 34.9-10) bzw. halbkugelförmig (Taf. 34.4) 278 oder kugelsegmentförmig (Taf. 34.7), aber es gibt auch Gefäße mit flachem Boden, niedriger, steiler Wand, gedrungen (Taf. 34.12). 279 Von den beschädigten Exemplaren sind eine eiför­mige Kannenimitation (Taf. 34.5) sowie ein kleiner Becher mit Warze auf der einhenkligen (!) Schulter (Taf. 34.2) zu erwähnen. 280 Der Hals beider ist ver­stümmelt. Ergänzt werden konnte dagegen ein sehr grobes, ein Hohlfußgefäß imitierendes Stück mit rundlichem Körper, dessen Vorbild unter den Ge­brauchsgefäßen nicht gefunden wurde (Taf. 34.3). 275 PATAY 1955, 63, Taf. XIII.5 276 277 LAZAROVICI 1976, 8, Abb. 3 ROMAN-DODD-OPRITESCU 1989, Abb. 14.2 Siehe z. B. noch Inv.-Nr. 89.2.703 279 280 Siehe noch Inv.-Nr. 91.1.28 Ein normalgroßes Gefäß ähnlicher Form gibt es unter den Fundstücken nicht, weshalb die Zugehörigkeit zur Hunyadi halom-Kultur fraglich ist.

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