Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)
4. Das Fundmaterial - 4.3. Steinfunde
Das Fundmaterial wurde gemäß den technologischen Grundformen und innerhalb dieser nach Werkzeugtypen eingeteilt. Bei den Grundformen herrscht unabhängig vom Rohmaterial der Splitter vor: beim Silexmaterial 245 und beim Obsidian 42 St., einschließlich der klingenartigen Splitter. Ihnen folgen in beiden Gruppen die Klingen einschließlich der Klingenfragmente und Mikroklingen. Die große Zahl von Rohmaterialstücken, von Fragmenten aus den verschiedenen Phasen der Kernsteinverarbeitung, von unbearbeiteten Splittern und Abspliß läßt darauf schließen, daß die Herstellung der Vorkerne (Pränuclei) und dann des Werkzeugs am Ort, in der Siedlung stattfand. Das läßt sich vielleicht mit der relativen Nähe der Rohstofflagerstätte (Nordungarisches Mittelgebirge) erklären, weswegen es nicht notwendig war, aus Gründen der Energieersparnis nur die schon präparierten Kernsteine in die Siedlung zu transportieren. Zugleich bot dies die Möglichkeit, das hierhergebrachte Rohmaterial maximal zu verarbeiten. Natürlich war nicht jedes Bruchstück geeignet, als Werkzeug zu fungieren, aber in vielen Fällen läßt sich der gelegentliche Einsatz von serienweise ähnlichen Bruchstücken und Splittern erkennen. In der Gruppe des Silex- und Hydroquarzitwerkzeugs sind sichelglänzende Exemplare selten, sie sind für die Obsidianklingen typisch. Wahrscheinlich wurde dieses Werkzeug nicht bei Tätigkeiten der Pflanzenproduktion verwendet. Das Werkzeug wurde aus folgenden technologischen Grundformen hergestellt: Kova und Hydroquarzit St. Obsidian St. Nucleus 19 Nucleus und Knolle 11 Nucleusstück 88 Nucleusstück 2 Nucleusrest 40 Nucleusrest 8 Mikro-Nucleusrest 36 Nucleustablerte 2 Nucleustablerte 27 Nucleusrand 2 Nucleusrand 23 Splitter 36 Splitter 198 Klingenartiger Splitter 2 klingenartiger Splitter 33 Klinge 15 Klinge 86 Abspliß 9 Klüigenfragment 10 Mikroklinge 6 Abspliß 6 insgesamt 572 insgesamt 87 Hauptcharakteristiken der Technologie Mehrheitlich haben die Nuclei (Kerne) Knollenform, zum kleineren Teil Kegelform mit runder Sohle. Die Nucleusstücke sind eigentlich große, grobe Splitter mit extremem Umriß und vier- oder dreieckigem Querschnitt. Ihre Schneiden sind nur in einem oder mehreren kurzen Abschnitten retuschiert oder zeigen Spuren von gelegentlichem Gebrauch. Ihre Oberfläche ist teilweise mit Rinde bedeckt. Aus ihnen wurden am ehesten mit Kratzern kombinierte Bohrer gefertigt (Taf. 6.17). Ein Teil der Kernreste wurden als Hammerstein verwendet. Aus den prismenförmigen Stücken entstanden Kratzer oder Bohrer, aus den zylindrischen oder kegelförmigen mit runder Sohle Hobel. Unter den Mikro-Kernresten kommen Formen vor, die an transversale (mit waagerechter Längsachse) Splitter erinnern, aus denen ebenfalls ähnliches Werkzeug geschaffen wurde (Taf. 6.14-15). Die Tablettenklingen und -splitter eigneten sich vor allem zur Herstellung von Schabern und Bohrern oder ihrer Kombination. Bei ihrer Bearbeitung kommt die alterne (von unterschiedliche Seiten erfolgende) Retusche vor. Ein Teil der Splitter ist transversal (Taf. 6.10). Die Nucleusrandklingen und -splitter sind Bruchstücke mit typischem Dreiecksquerschnitt. Ihre Rückseite ist konkav oder eckig gebrochen, ihre Längsachse oft transversal. Ihre scharf abgespalteten Ränder oder Spitzen wurden als Schaber bzw. Bohrer verwendet oder ausgearbeitet (Taf. 8.7). Dekortationssplitter sind eigentlich Rindenstücke oder rindige flache, große Bruchstücke mit zumeist drei- oder viereckigem Querschnitt. Am ehesten eigneten sie sich zur Herstellung von Kratzern, Schabern oder mit ihnen kombinierten Bohrern. Auch an Exemplaren mit unbearbeiteter Schneide können Gebrauchsspuren vorkommen (Taf. 5.17-18). Die über und über mit früheren Abschlagnegativen und Rindenflächen überzogenen Auffrischungssplitter, hier und dort mit Fortsätzen, ermöglichten meistens die Herstellung von Schabern oder mit Schabern kombinierten Bohrern. Bei ihrer Bearbeitung kommt die alterne (?) Retusche vor (Taf. 7.4; Taf. 8.4).