Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

4. Das Fundmaterial - 4.2. Bein- und Geweihwerkzeug

Kupferhandwerk auch zur Zeit der Hunyadi halom­Kultur weiterexistierte. Kupfermesser hat man in den Gräberfeldern der Bodrogkeresztúr-Kultur ebenfalls in mehreren Exem­plaren gefunden, z. B. in Grab 2 von Bodrogke­resztúr, 109 Grab 28 von Pusztaistvánháza, 110 Grab 45, 52 und vermutlich auch Grab 56 von Fényeslitke 111 ­um nur die bedeutenderen zu nennen. Es gibt sie aber auch in zur Laznany-Gruppe gerechneten Gräber­feldern (áebastovce Grab 24 und 35, Barca Grab 18 und 21). 112 Während aber die vorigen alle länger als 10 cm sind, hat auch das größte der letzteren nur 9,7 cm Länge. Auch die Exemplare aus Tiszalúc sind alle unter 10 cm lang, ähneln in dieser Hinsicht also den mit ihnen zeitgleichen letzteren. Der Form nach ähnelt ihnen aber nur das Exemplar aus Segment 235, die anderen drei dagegen nicht, weil sie nicht deltoid sind, sondern der in einem Griff (vermutlich aus Holz) steckende Schaft bogig schmaler wird. Ein ähnliches, ebenfalls kürzeres und nicht deltoides Messer gibt es auch unter den Funden aus der Siedlung Pecica (Pécs­ka) der Hunyadi halom-Kultur. 113 Auch Kupferpfrieme und Nadeln gibt es unter den Funden der Siedlung von Pecica (Pécska) 114 und der Gräberfelder der Bodrogkeresztúr-Kultur. Ähnlich ge­formtes Stichwerkzeug bezeichneten wir in den früheren Veröffentlichungen aufgrund seiner wesen­tlichen Größenunterschiede unterschiedlich: das unter 10 cm lange als Nadel, das über 12 cm lange als Pfriem. Vermutlich hatte es verschiedene Funktion. Daraus läßt sich schließen, daß sich in den "Sippen­häuptling"-Gräbern 115 sowohl von Magyarhomorog­Kónyadomb (XLVI) als auch im Gräberfeld von Tiszavalk-Kenderföld (29) beide Typen befanden, und zwar dicht beieinander, mit kleineren Gegenständen zusammen, als hätten sie in irgendeinem Beutel gelegen. 116 Den Kupferdrahtstücken ist keine besondere Be­deutung beizulegen. Hier sei aber erwähnt, daß viel wichtiger als all diese ein Tiegel und die Fragmente von vier weiteren sind (Abb. 80 bzw. Taf. 51.1, 4, 5, 7), an deren Innen­seite Kupfer (oder Kupferoxid) haftet. Ihr Vorhanden­sein zeugt davon, daß man sich - was unbedingt große Bedeutung für das Kupferhandwerk der Hochkupfer­zeit besitzt - auch in einer Siedlung fern von den Kupferproduktions statten mit Kupferguß beschäftigt hat. (Ihre detailliertere Beschreibung s. S. 100). 4.1.2. Silberanhänger Von zwei unter dem Schädel des Kinderskelettes von Grab B 2 gefundenen Silberblechanhängern (Abb. 71) wurde schon in einem Beitrag detailliert berichtet. 117 Da das Grab keine anderen Beigaben hatte und es im urzeitlichen Material aus dem Karpatenbecken auch keine genauen Analogien der Anhänger gibt, schien ihre chronologische Bestimmung problematisch zu sein. Dennoch kann das Schmuckstückpaar typolo­gisch als zur Hunyadi halom-Kultur gehörig betrachtet werden. Denn sowohl ihre Form als auch die Aus­führung (die punzierte Perieméibe um den Rand) erin­nert stark an die Goldscheibenanhänger von Vaj ska und Traian 118 (d. h., wenn man sich letztere in Zwil­lingsform vorstellt). Dagegen spricht auch nicht, daß sie aus Silber bestehen, denn heute kennen wir ohne jeden Zweifel aus der Kupferzeit stammenden Sil­berschmuck aus Mitteleuropa (Kotouc u Stramberka). 119 4.2. BEIN- UND GEWEIHWERKZEUG Pfriem. Das am häufigsten vorkommende Bein­werkzeug. Insgesamt 80 St. wurden gesammelt. Sie waren aus den Langknochen von mittleren und größeren Tieren gefertigt worden, in folgender Vertei­lung 120 : Ulna Radius Tibia Fibula Metapodium Insgesamt Auerochse (Bos primigenius) 1 1 Rind (Bos taurus) 1 4 5 Hirsch (Cervus elaphus) 2 6 6 7 21 Schaf (Ovis aries) 4 2 4 10 y Nach J. Banners Zählung - BANNER 1927, 28; PATAY 1961, 10,Taf.n.6 0 HILLEBRAND 1929,23; vgl. PATAY 1975, Taf. 1.3 1 PATAY 1969, 35,37 und 39, Taf. VII.l, Taf. VIII.12 2 SISKA 1972,118,120 und 127, Abb. 35.1^1 3 ROSKA 1942,275, Abb. 3 4 ROSKA 1942,275, Abb. 2, 5, 8-10 5 PATAY 1968a, 53 6 PATAYl976a, 192-193, Abb. 27, Taf. XVI.15-16; vgl. PATAY 1975, Taf. 1.1-2 bzw. PATAY 1978a, 21, Abb. 26, Taf. LX.3-^ PATAY-SZATHMÁRI 2001. - Die Ausarbeitung der chronolo­gischen und kulturellen Zugehörigkeit von Grab B 2 ist das Verdienst von Ildikó Szathmári, mit deren Feststellungen ich vollständig übereinstimme. BRUKNER 1970, 2, Taf. B.8-9, Taf. VI, bzw. DUMITRESCU 1961, 69 ff., Abb. 1-2 JISL 1967,15,Taf.m Bestimmung von István Vörös (UNM), für die ich auch hier meinen Dank ausspreche.

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