Szabó József: Früh- und Mittelbronzezeitliche Gräberfelder von Battonya. (Inventaria Praehistorica Hungariae 8; Budapest, 2000)

László Bartosiewicz-István Takács: Tierknochenfunde aus den früh- und mittelbronzezeitlichen Gräberfeldern von Battonya

vertreten, die in der weiteren Ausnutzung und Verme­hrung teilnahmen. Am beliebtesten sind die fast völlig entwickelten Individuen, deren Körpergewicht mit dem von den älteren fast gleich ist, die aber noch nicht zu melken und nicht zu vermehren waren. Das Schlachten von subadulten Individuen in großer An­zahl konnte auch eine selektive Wirkung haben. Das Bild ist auch im Falle der Schweine ähnlich. Die Ferkel sind mit 16,6%, die Tiere im subadulten Alter mit 83,3% vertreten. Individuen im adulten Al­ter, die in der Vermehrung teilnemen konnten, sind im Material der Gräberfelder nicht vorhanden. Unter den Schafen gab es kein Individuum im juvenilen Alter. Die proportionale Verteilung zwischen den Individuen im subadulten und adulten Alter ist 60%, bzw. 40%. Die nicht sehr große Abweichung zwischen den zwei Altersgruppen kann auf die Art der Nutzanwendung zunickgeführt werden. Obwohl die Knochen schlecht oder mittelmäßig er­halten geblieben sind, gelang uns doch Spuren von menschlichen Einmischungen — Brennungen und Schnitte — in 6 Fällen zu entdecken. Gut erkennbare Schnittspuren sind nur auf der plantaren Fläche des distalen Endes eines Humeri von einem Rind (Grab 37). In viel mehreren Fällen konnten wir auf den Kno­chen Brandspuren beobachten: auf der lateralen Seite der proximalen Epiphyse, der Diaphyse und der di­stalen Epiphyse eines Humeri von einem Rind (Grab 35), auf der lateralen Seite der proximalen Epiphyse eines Humeri von einem Rind (Grab 37), auf dem distalen Ende eines Humeri von einem Rind (Grab 8), auf der lateralen Seite der proximalen Epiphyse eines Humeri von einem Rind und ein wenig auf der lateralen Seite des distalen Endes desselben Knochens (Grab 51), kaum bemerkbar auf der distalen Epiphysei eines Humeri von einem Rind (Grab 54), am proxi­malen und am distalen Ende eines Humeri von einem Rind (Grab 59). Aufgrund der Schnitt- und Brand­spuren können wir darauf folgern, daß die in den Grä­bern gefundenen Knochen von den Extremitäten ab­getrennt wurden. Die auf diese Weise frei gewordenen Enden wurden infolge des Bratens ein bisschen ge­brannt. Wir können also vermuten, daß die „Reise­proviante" der Toten nicht in rauhem, sondern in zubereitetem Zustand in die Gräber eingelegt wurden. Bestattungsritus Eine besondere Bedeutung gilt der Frage des strengen Ritus, der systematischen Wiederholung der Fleisch­beigaben in den Gräberfeldern. Abgesehen von eini­gen Ausnahmen (Grab 45, Grab II im Graben 1) gab es in den Gräbern an Fleisch reiche Humeri. Diese stammten in erster Linie von Rindern (14 linkssei­tig und 26 rechtsseitig), aber auch von Schweinen (2 linksseitig und 8 rechtsseitig) und von Schafen (4 linksseitig 4 rechtsseitig). Eine annähernd ähnliche Erscheinung kennen wir vom Ende der Völkerwan­derungszeit, bzw, aus der Zeit der ungarischen Land­nahme, hier wiederholen sich die Knochen aus den gleichen Körperteilen, zwar nach den einzelnen Grä­berfeldern verschieden, aber innerhalb eines Gräber­feldes immer folgerichtig. Im awarischen Gräberfeld von Sopronkőhida 21 kamen Calvaria von Rindern mit Hörnern, im awarischen Gräberfeld von Gyenesdiás 22 Femora von Rindern, im awarischen Gräberfeld von Solymár 23 Astragali von Rindern regelmäßig vor. Es ist allgemein bekannt, daß die landnahmezeitlichen Bestattungen mit „Pfredefell" im allgemeinen Schädel und die Knochen von Autopodien beinhalten. Die Humeri von Tieren in den Gräberfeldern von Battonya können als Reste von wertvollen, an Fleisch reichen Nahrungsbeigaben betrachtet werden. 24 Die am meisten messbaren Durchmesser dieser Knochen (KD, DT) zeichnen noch aus den Beigaben der Gräber die für die Tierzucht im allgemeinen kennzeichnende Struktur des Bestandes aus (Abb. 2), obwohl es sich um irdische Reste von Tieren handelt, die natürlich in verschiedenen Zeitpunkten als Opfer geschlachtet wurden. Dieses Bild zeichnet sich aufgrund der großen Zahlen aus. Die Punktgruppen der Abb. 2 (von links nach rechts) zeigen neben zwei kleinen Indi­viduen eine größere Gruppe von subadulten Rindern und weisen auf die Anwesenheit von entwickelten Kühen von drei größeren Individuen (wahrscheinlich von Stieren, Gräber 59, 91 und 122) hin. Wenn wir die Verteilung der Humeri von Rindern nach Geschlechtem und Seiten betrachten, kann ein statistisch signifikanter Zusammenhang festgestellt werden: in größter Anzahl (18 St.=45%) kommen rechte Humeri von subadulten Individuen vor und der Wert der gerechneten Chi-Quadrat-Masszahl beläuft sich auf 132,6. Dieses formale Ergebnis zeigt, daß man zwischen dem Lebensalter und der gewählten Seite einen Zusammenhang vermuten kann (p < 0,001). 25 Auf fachlichem Grund können wir ein­sehen, daß diese Regelmäßigkeit nicht sehr streng genommen wurde. Auf die zufällige Wahl des Leben­salters kann die erwähnte Zusamensetzung der Abb. 2 deuten. Linke Humeri kommen in den Gräbern in 21 BÖKÖNYI 1973. 22 MATOLCSI 1969. 23 TAKÁCS 1994. 24 UERPMANN 1973. 25 WELKOWITZ-EWEN-COHEN 1971.

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