Szabó József: Früh- und Mittelbronzezeitliche Gräberfelder von Battonya. (Inventaria Praehistorica Hungariae 8; Budapest, 2000)

László Bartosiewicz-István Takács: Tierknochenfunde aus den früh- und mittelbronzezeitlichen Gräberfeldern von Battonya

Geschlechtsdimorchismus 9 gegenüber anderen Ske­letteilen, die sich viel früher verknöchern. 10 Die Pro­portionen des Oberarmbeines an sich sind für das Geschlecht des Individuums leider kaum kennzeich­nend. Von diesen vierzig Armknochen, wegen ihres schlechten Zustandes, war die größte Länge nur in sie­ben Fällen zu messen (Tabelle 1). Die Schätzung der Widerristhöhe versuchten wir mit Hilfe der kleinsten Breite, bzw. Tiefe von Dia­physen. Als Grundlage dazu diente das Prinzip, daß der Durchmesser der Röhrenknochen notwendiger­weise durch die Tragfähigkeit, d. h. indirekt durch die Körperhöhe des Individuums proportionell bestimmt wird. Zu diesem Zweck wandten wir die Maßen der­jenigen 92 Skelette von Rindern an, an denen die Zusammenhänge der Röhrenknochen von Extre­mitäten schon untersucht wurden. 11 Aufgrund einer Analyse des geschlechtlich und genetisch ver­schiedenen Materials konnten wir den folgenden linearen Zusammenhang zwischen der größten Länge (GL) des Oberarmbeines und der Widerristhöhe (WH) feststellen: WH = 3,544 GL + 224,2 (Gleichung I) Die Korrelation dieser zwei Maßen ist auch in einem solchen Muster eng, das nicht nach Ge­schlechtern gesondert ist (r=0,971; P < 0,001). Die kleinste Breite (KD) und die kleinste Tiefe (KT) der Humeri waren in allen 40 Fällen zu messen. Den kleinsten Durchmesser, der die Tragkraft der Diaphyse bestimmt, haben wir mit Hilfe des Produktes dieser beiden Angaben genähert. In dieser Rechnung wollten wir die Widerristhöhe mit einer Dimension nach der Größe einer Fläche mit zwei Dimensionen zu bestim­men. Auf diese Weise ändert sich das Verhältnis zwi­schen den beiden Quantitäten nicht linear. Die Quer­maße der als Vergleichsmaterial dienenden Diaphysen und die Widerristhöhe weisen einen Zusammenhang auf, der mit der folgenden exponenziellen Gleichung zu beschreiben ist: WH - 161,065 (KD • KT) 0,280 (Gleichung II) Die für die regressive Gleichung kennzeichnende Reziprozität ist auch noch in diesem Fall sehr eng (r=0,890; P < 0,001), obzwar sie vom für die größte Länge charakteristischen Korrelationskoeffizient weg­bleibt. Wenn wir die uns verfügbaren Maßen der Armkno­chen in diese zwei Gleichung substituieren, bekom­men wir ein verhältnismäßig zuversichtliches Bild über die Widerristhöhe der Rinder, die in der Bron­zezeit auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Bat­tonya gelebt hatten. Auch diese geschätzten Werte führten wir in der Tabelle 1 auf. In Kenntnis des späteren Verwachsens der Armknochen vermuten wir, abgesehen von Resten eines Kuhkalbes, daß diese Knochen von jungen entwickelten Tieren stammen. Eindeutig zu erwachsenen Individuen gehörten sieben Armknochen. Der Mittelwert, der aus ihren größten Längen errechnet wurde, ist aufgrund der Gleichung I 1200 ± 121 mm. Mit Hilfe der Gleichung II können wir bei 19 Individuen aus den Maßen der Diaphyse als Mittelwert für die Widerristhöhe 1168 ± 267 mm be­kommen, (wenn wir den Wert der Streuung mit dem Standardfehler des Mittels ausdrücken). Es ist zu ver­muten, daß man bei der Analyse der Maßen von 19 In­dividuen mit der Anwesenheit von mehreren nicht völlig erwachsenen Tieren rechnen muß (z. B. die Gräber 44, 71 und 130). Das verminderte nicht nur den Mittelwert des größeren Musters, sondern steigerte auch die Grenzen der Variationsgröße. Deshalb ist die Schätzung, die auf den sieben intakt gebliebenen Knochen basiert, zu­verlässiger (Tabelle 2). Trotzdem müssen wir anmer­ken, daß der ca. 3 cm Unterschied zwischen den mit drei verschiedenen Methoden gewonnenen Werten für Widerristhöhen aus formalem Gesichtspunkt auf einem Wahrscheinlichkeitsniveau P < 0,05 nicht signi­fikant ist (A bb. 1). Die morphologische Prüfung und biometrische Bewertung der vierzig, in den Gräbern gefundenen Armknochen von Rindern weisen darauf hin, daß man bei den Bestattungen in die Gräber im allgemei­nen Armteile von entwickelten, bzw. subadulten Rindern eingelegt hatte. Aufgrund der Tierknochen­reste könnte die Widerristhöhe der geschlachteten Tiere 115-120 cm sein. Obwohl eine größere Ab­nahme der Körperhöhe bei dieser Tierart eben vor der Bronzezeit auf dem Gebiet des heutigen Ungarns er­folgte, 12 ist dieser Wert doch ziemlich niedrig. Wir dürfen diese Werte nicht für den ganzen Bestand von Rindern kennzeichnend halten. Die Tierknochen, die als Folge eines Bestattungsritus er­halten geblieben sind, können Teile von Individuen sein, die nach besonderen Gesichtspunkten ausge­wählt wurden. Die möglichen Fehler der Verallgemei­nerung können in diesem Fall viel größer sein, als bei der Analyse eines reichlichen Siedlungsmaterials. 9 BARTOSIEWICZ 1984b. 10 BARTOSIEWICZ 1984a; BARTOSIEWICZ 1986. 11 BARTOSIEWICZ 1985, 53. I2 BÖKÖNYI 1974.

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