Szabó József: Früh- und Mittelbronzezeitliche Gräberfelder von Battonya. (Inventaria Praehistorica Hungariae 8; Budapest, 2000)

Ferenc Szálai: Anthropologische Untersuchung der Skelette und der Reste von Leichenbränden aus den früh- und mittelbronzezeitlichen Gräberfeldern von Battonya

der Bevölkerung. Aufgrund der Beobachtungen bei den heutigen Naturvölkern 26 passen sich auch die Knochen der unteren Extremitäten der kauernden Kör­perlage an, es entstehen persistente Änderungen auf ihnen. Die Muskelbänder im Ober- und Unterschen­kel, die sich beim Kauern teilweise stauen, teilweise spannen, gestalten mit ihrer Masse die Knochen und flachen sie ab. An ihren Ausgangspunkten, Anhaft­flächen bilden sich aber reaktive Knochenauswüchse und Aushohlungen. Es entstehen auf der Femur Platymeria (von vorne nach hinten platt gewordener Oberschenkelknochen), auf der Tibia Platyknemia (in Seitenrichtung platt gewordener Unterschenkelkno­chen) mit kräftigen Stellen für das Anhaften der Mus­kel. Auf der distalen Gelenkfläche der Tibia bildet sich dagegen eine kleine zusätzliche Gelenkfläche, sog Kauer-Fläche (squatting facette) aus. Im Falle der untersuchbaren Oberschenkelknochen bei der Popula­tion des Gräberfeldes I von Battonya konnten wir von den 10 männlichen bei 9, von den 7 weiblichen bei 6 Platymeria beobachten. Dazu kam noch eine pilaster­artige Erhebung von Linea aspera im Falle der Gräber 90 (ad. Frau), 95 (mat. Mann) 99 Guv. Mann) und 104 (mat. Mann). Sie kann auf der Tibia mit der reaktiven Ver­größerung von Linea m. solei zusammen, infolge der ziehenden Wirkung jener Muskel der unteren Extre­mitäten zustande kommen, die wegen des Kauerns­Kniens gespannt wurden. Bei den untersuchten Tibien gab es unter den 10 männlichen Exemplaren bei 5, unter den weiblichen bei 3 gut erkennbare Platyk­nemia. Das untere Gelenk-Ende der Tibia, das die „Kauern-Fläche" (squatting facette) trug, konnte wegen der schlecht erhaltenen Knochen nur in 12 Fällen untersucht werden, davon konnte das dies­bezügliche Gepräge bei 11 (6 Männer und 5 Frauen) nachgewiesen werden. Mit Hilfe von Beispielen zeigen wir die folgenden Phänomene: die pilasterar­tige Erhebung von Linea des Femurs beim Grab 104 (Abb. 5/4), Kauern-Fläche von Tibia gleichfalls beim Grab 122 (Abb. 6/1). Hier müssen wir noch den reak­tiven Knochen- auswuchs von Crista ilei erwähnen, welcher auf dem Becken-Knochen des Grabes infolge von Muskelspannung zustande gekommen sein wird (Abb. 6/2). Ausser dem Extrahieren von bleibenden Zähnen fanden wir keine andere Spuren auf den Knochen, die man als eine ärztliche Behandlung deuten könnte. In dieser Gegend wurden in der Bronzezeit auch Schä­deloperationen, Trepanationen durchgeführt, in unse­rer Serie von Battonya finden wir aber keine Spuren, die das beweisen würden. Krankheiten und Abnormitäten der Zähne Unter den Resten von 36 Skeletten fanden wir bei 27 auch Reste von Zähnen (im Falle von 10 Män­nern, 9 Frauen, 2 juvenil, 5 infans II und 1 infans I). Bei den Individuen, die älter als infans II sind (d. h. bleibende Zähne haben), können insgesamt 406 Zähne untersucht werden. Bei der Prüfung von Ansätzen im Zahnbett war die Stelle eines noch bei Lebzeiten ver­lorenen Zahnes in 5 Fällen zu beobachten (Grab 80, Mann, adult, 92, Mann, matur, 103, Frau, matur, 110, Frau, matur-senil und 131, Mann, senil), das waren in 3 Fällen erste Molar-Zähne. Angesichts anderer ar­chäologischer Epochen und der heutigen Bevölkerung ist hier ausserordentlich wenig Karies zu finden. In 7 Fällen der bleibenden Zähne (Gräber 80, 83, 86, 104, 110, 122 und 131 fanden wir Karies in erster Linie bei den älteren Individuen, meistens am Zahnhals, es gibt aber auch Karies der Verschluss­Oberfläche. In zwei Fällen (Skelette des Grabes 102 und des 117) war Karies auf dem zweiten Milch-Mo­laris zu beobachten. Insgesamt 15 Zähne hatten Kar­ies, das sind nur 3,75% der sämtlichen prüfbaren Zähne. Zahnschmelz-Hypoplasia kann sich wegen man­gelnder Einnahme von Mineralsalzen oder Störungen der Aufsaugungsprozesse als eine Teilerscheinung von Ernährungskrankheiten entwickeln. Sie trat nur in fünf Fällen und nur in der mildesten linearen Variation bei den Skeletten der Gräber 93, 110, 111, 116 und 124 auf. Auch von ihnen erreichten drei das Erwach­senalter, es ist also sicher, daß nicht eine Mangel­krankheit zu ihrem Tod führte. Andere Veränderungen und Erscheinungen auf den Zähnen - Stelle einer Knochen-Cysta mit Entzündung nach eines periapicalen Abszesses (Grab 83 und 131); - Torsio von premolaren Zähnen (Grab 105 und 106); - Bolk-Zipfel auf dem Zahn 26 im Grab 83 (wir danken Herrn Gábor Kocsis für die Bestimmung); - Mesiodens zwischen dem Zahn 11 und 21 (Grab 106); - Carabelli-Wulst am Zahn 16 und 26 (Grab 124); - in Retention gebliebene Zähne (Grab 104 und 124); - Eckzahn mit zwei Wurzeln (Grab 89 und 98). Es ist zu bemerken, daß wir Zahnwurzeln nur bei den aus der Kinnlade ausgefallenen Zähnen prüften, zu diesem Zwecke entnahmen wir keinen Zahn. WELLS 1964.

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