Kovács Tibor (szerk.): Neuere Daten zur Siedlungsgeschichte und Chronologie der Kupferzeit des Karpatenbeckens (Inventaria Praehistorica Hungariae 7; Budapest, 1995)
Nándor Kalicz: Die Balaton-Lasinja-Kultur in der Kupferzeit Südost- und Mitteleuropas
Flachbeil mit symmetrischem Querschnitt die Frühphase vertreten, also den Zeitabschnitt Balaton-Lasinja und Bodrogkeresztúr A. 61 Die Goldscheiben vom Typ Csáford-Stollhof können aufgrund zahlreicher Zusammenhänge mit den großen Goldanhängern der Phase A der Bodrogkeresztür-Kultur chronologisch parallelisiert werden (Abb. 4). Früher standen für diese Datierung nur indirekte, aber zuverlässige Angaben zur Verfügung. 62 Nicht lange zuvor ist in der Siedlung der Balaton-Lasinja-Kultur in Zalavár auch eine Kupferscheibe zum Vorschein gekommen, die zwar in mehreren Zügen von den großen Goldscheiben abweicht, ihnen aber doch ähnlich ist. 63 Das ist ein weiterer Grund, die großen Goldscheiben vom Typ Csáford-Stollhof in den Kreis der Balaton-LasinjaKultur einzureihen, und nicht in den sog. Scheibenhenkelhorizont (Furchenstichkeramik), der andere Metallerzeugnisse führt. Ähnlich ist auch die neuerdings in Südwestdeutschland am Bodensee (HornstaadHörnle I) gefundene große Metallscheibe zu datieren. 64 Metallscheiben sind zwar auch in der Phase der Scheibenhenkel (Furchenstichkeramik) benutzt worden, wie die Kupferscheiben von Hlinsko (Mähren) beweisen. 65 Die Begleitfunde machen aber eine wenig jüngere Datierung als Balaton-Lasinja höchstwahrscheinlich. In der Form steht die Scheibe von Hornstaad-Hörnle I zu Hlinsko zwar nahe, hinsichtlich ihrer Abmessung und chronologischen Stellung ist sie aber in die Zeit der vorausgehenden Balaton-Lasinja-Kultur datierbar. Das bezeugen auch ihre absolutchronologischen Daten. Hornstaad-Hörnle IA laut dendrochronologischer Bestimmung: das beginnende 4. Jahrtausend v. Chr., 66 Nagykanizsa-Sánc (Balaton-Lasinja): Bin1206: 4940 BP, BLN-1207: 4990 BP, kalibriert: ca. 3750 v. Chr. 67 Der neueste große Depotfund ist auf dem Gebiete der rumänischen Moldau am Fundort Brad aus einer geschlossenen Schicht der Cucuteni-Kultur zum Vorschein gekommen, und wurde von dem Entdecker an die Grenze zwischen Cucuteni A 4 und AB datiert. 68 Der größte Schatzfund, der in Rumänien bisher gemacht wurde, enthielt unter anderem einen Kupferpickel (Varna-Variante, Vorläufer von Erősd, Jászladány), massive Armreifen aus Kupfer, Gold-, Kupferund Tonscheiben, Kupfer-, Marmor- und Glas-(?) perlen und durchbohrte Hirschzähne in Massen, in einem askosartigen Gefäß. Es überrascht, daß die Metallscheiben auf dem Ostbalkan 69 und in der Moldau ans Tageslicht gekommen sind, 70 während sie im Kreis der Bodrogkeresztür-Kultur bisher unbekannt M Virág (1986) Abb. 2. l.Abb. 3; Kahcz ( 1 991a) Abb. 10. 2. 1,2 Makkay (1976) 286-290; Kahcz (199 la) 361-362. " 3 Virág ( 1986) Abb. 4.1, Abb. 5; Kahcz ( 1991 a) Abb. 10. 1. 64 Dieckmann ( 1987) 28-37; Parzinger ( 1992) 241-250. ft1 Pavelcik (1979) 319-339; Kahcz (1991a) 361-362: Kahcz (1992) 333. 66 Strahin (1987) 4-10; Dieckmann ( 1 987) 37. Die Daten verdanke ich Herrn H. Quitta. " 8 Ursaehi( 1991) 335-386. 69 Varna: Fol-Lichardus (1988) Abb. 2. Abb. 20. Abb. 29, Abb. 30. Abb. 32. Abb. 34. Abb. 73. alle ohne Numnierierung; Drama: Fol-Lichardus (1988) Abb. 210. Tonseheibe. 70 Häbäsesti: Dumitrescu(1954) Abb. 41. 1. Taf. 124. 1: Kupfer. Abb. 45. 1-13: Ton; Karbuna: Sergeev (1963) 135-151; Masson-Meipeit sind. Gleichzeitig, oder mit einer geringen Verspätung wurden im Balaton-Lasinja-Kreis nur Scheiben verwendet. 71 Scheiben sind auch in den Norden gelangt. 72 Diesen Scheiben steht auch der Fund von Hornstaad-Hörnle I typologisch nahe. Hlinsko dürfte unter ihnen der jüngste Fund sein, da er bereits in die Zeit datierbar ist, die auf die Balaton-Lasinja-Kultur folgte. Auch die absoluten Daten von Hlinsko sind jünger, als Balaton-Lasinja, Bodrogkeresztúr A, Cucuteni A 4-AB, Brzesc Kujawski und Hornstaad-Hörnle I. 73 Vorläufig kann man mit Ausnahme von Hlinsko an eine Parallele denken, die im Wesentlichen gleichzeitig ist, bei der aber, was Anfang und Ende betrifft. Abweichungen möglich sind. Als wesentlich ist zu beurteilen, daß sich in der Herstellung der Kupfer- und Goldscheiben sowie der Goldanhänger inhaltlich wahrscheinlich verwandte (überregionale), typologisch aber sich scharf voneinander unterscheidende Kreise bildeten: (1) die Balaton-Lasinja-Kultur und die sich an sie gegen Norden, Nordwesten und Westen anschließenden Gebiete, (2) die Bodrogkeresztúr-Kultur, und (3) der Varna-Cucuteni-Kreis (Gumelnita-Kodzadermen-Karanovo VT und die Cucuteni-Tripolje-Kultur). Darin zeigt sich ein Widerspruch zu dem überregionalen, auch typologisch zu einer Einheit zusammenfaßbaren großen südöstlichen und mitteleuropäischen Kreis der kreuzschneidigen Äxte und Hackenäxte. Ein Problem bedeutet auch die Verwendung von Graphit auf der feinen Keramik der Balaton-LasinjaKultur. Es ist allgemein bekannt, daß im 5. Jahrtausend nahezu das ganze Balkangebiet von der allgemeinen Verwendung der Graphitmalerei umfaßt wird. 74 Ich denke, daß die mit Graphit überzogene Keramik der Balaton-Lasinja-Kultur das letzte Ausklingen der Graphitverwendung auf dem Balkan gewesen sei. 75 Das aber scheint nicht unzweifelhaft zu sein, weil ja auch allgemein bekannt ist, daß das Gebiet von Mähren-Niederösterreich das Zentrum der ausgiebigen Verwendung von Graphit in der neolithischen Linienbandkeramik war. Der in Mähren und Niederösterreich vorkommende Graphitrohstoff wurde sowohl in das Keramikmaterial gemischt, als auch als Überzug verwendet. 76 Aus neueren Angaben geht auch hervor, daß in Mähren - allerdings sehr selten - aus der Zeit, die der klassischen und der jüngeren Lengyel-Kultur entspricht, an einzelnen Fundorten Graphitbröckchen gefunden wurden, 77 ja es wird auch Graphitüberzug auf Keramikoberflächen erwähnt. 78 Das gibt zu einem gewissen Grade zu Zweifeln über den balkanischen ( 1982) Taf. 58. 32-33. Kupfer: Brad: Ursachi ( 1991 ) Taf. 2. 1-2. Taf. 3. 1-2: Gold. Tal". 4. 1: Ton, Taf. 14. 1-3. Taf. 15. 1-3: Kupfer. 71 Typ Csáford-Stollhof: Makkay (1976) 286-290: Makkay (1985) 525; Virág ( 1986) Abb. 4. 1. Abb. 5; Kalicz ( 1991 a) Abb. 10. 1. 72 Stramberk: Jisl (1967) 14-36; Hlinsko: Pavelcik (1979) 319-339; Brzesc Kujawski: Jazdzewski (1973) 343-349. 73 Nemejcová-Pavúková ( 1981 ) 286. 74 Todorova (1978) 72. Karte 9: das Areal der Kulturen mit Graphit bemahmg ist nut starker Lune lunnsseu. Ruttkav (1976) 294. 298: Graphitieruug und südliche Beziehung erwähnt; Ruttkay (1991) 170; Gardner (1979) 18-23. 75 Kahcz ( 1991 a) 355. 361 ; Kahcz ( 1992) 324, 330-331. 76 Kahcz(1991b) 22-23. rl Kovámík (1982) 281; Kovárnik ( 1991 ) 157. Abb. 3. 17. Kosiunk (1986) 238.