Kalicz Nánor: Früchneolitische Siedlungsfunde aus Südwestungarn. (Inventaria Praehistorica Hungariae 4; Budapest, 1990)

EINLEITUNG - I. FORSCHUNGSGESCHICHTE DER STARCEVO-KULTUR

reichen jugoslawischen Forschungen, von denen eine 1988 abgefaßte, die serbischen Grabungen behandeln­de Zusammenfassung ein umfassendes Bilt gibt. 92 Auch im Süden Rumäniens, an in der Nähe des Eisernen Tors liegenden Fundstätten fand man die 93 Überreste der Starcevo-Kultur. Zu all dem kommen noch die Arbeiten hinzu, die die theoretischen Fragen der Starcevo-Kultur, ihre sozialen, ihre Siedlungsver­hältnisse und ihre Bestattungsweise behandeln. Da das Ausbreitungsgebiet der Starcevo-Kultur überwiegend auf Jugoslawien fällt, ist es nicht ver­wunderlich, daß auch die meiste Forschung in Jugos­lawien durchgeführt wurde und daß dort die meisten Ergebnisse erzielt wurden, die meisten Teilarbeiten und größeren Zusammenfassungen verfaßt wurden. Die Aufarbeitung mehrerer bedeutender Ausgrabun­gen läßt aber auch jetzt noch auf sich warten. Auf der Ausbreitungskarte der Starcevo-Kultur bezeichnen in Südtransdanubien derzeit Medina, Szekszárd, Dunaszekcsô und Lánycsók die östlichsten Punkte, Becsehely wiederum den westlichsten Punkt. Lánycsók und Becsehely liegen in Luftlinie etwa 150 km voneinander entfernt. Das geringe Ausmaß der Grabungen erlaubt zwar an keinem der Fundorte eine volle Bewertung des Fragenkreises der Starcevo­Kultur in Ungarn, doch bedeuten diese kleinen Er­schließungen und Sammlungen dennoch einen wichti­gen Schritt zu weiteren Erkenntnissen über das Früh­neolithikum Südwestungarns, da sie die allerersten authentischen Daten aus dieser Epoche liefern. Mit der Ausbreitung der Forschungen werden wir viel­leicht in die Lage kommen Sichereres über die Ent­wicklung der mitteleuropäischen oder transda­nubischen Linienband keramik (dunántúli vonaldíszes kerámia = DVK) in Erfahrung zu bringen. Auf jeden Fall kann man schon jetzt eine von der früheren Karte der Starcevo-Kultur wesentlich abweichende Ausbrei­tungskarte zeichnen. Da der südliche, südwestliche Teil Transdanubiens bis in die letzte Zeit auf der Karte des Frühneolithikums einen weißen Heck be­deutete, darf man selbst den authentischen Fundkom­plexen und Oberflächenfunden der Sammlungen eine größere Wichtigkeit zuerkennen als sonst üblich. Diese sind in erster Limie unentbehrliche Quellen der Siedlungsgeschichte, doch können sie auch zur typo­logischen Bewertung der authentischen Ausgrabungen beitragen. Die Fundkomplexe, Funde der Starcevo-Kultur in Südtransdanubien gruppiere ich um zwei Fundorte, wo ich 1976 kleinere Grabungen vornahm. Es handelt sich um die beiden bereits erwähnten Fundorte Lány­csók und Becsehely.

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