Korek József: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend. (Inventaria Praehistorica Hungariae 3; Budapest, 1989)

József KOREK: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend - 8. Innere Entwicklung, Fragen und Chronologie

Ausguß vertreten. Wesentlich ist die Häufigkeit der schwarzen Bemalung bzw. der von J. Csalog erwähnte Harz- (richtiger: Bitumen-) Einzug. 208 In der Siedlungs­form erschien der Teil und innerhalb dieses sind das Haus mit Pfostenkonstruktion, ferner die einzelnen Objekte, wie z.B. die Feuerstellen, ihre Bedeckung mit einem auf Pfosten stehenden Dach. Es gibt Unterschiede im Hinlegen von Beigaben anläßlich der Bestattungen: vor allem das Steingerät ist charakteristisch, hingegen gibt es wenige Schmuckgegenstände. Die im Gange be­findliche Bearbeitung der Siedlung von Vésztő und Öcsöd sonderte innerhalb dieses großen Horizontes mehrere Schichten und zusammenlebende Phasen ab, die in das Zeitalter der entwickelten Theiß-Kultur hin­überführen. Der Reichtum der Keramik, die Vervielfäl­tigung der eingeritzten Verzierungen und die große Variation der Formen widerspiegeln ebenfalls die hohe Stufe dieser Kultur. In entschiedener Weise differen­zierte sich weiter die Keramikverzierung und es scheint sich der eigenartige Form- und Motivschatz je einer Siedlung herauszubüden, die aus den örtlichen Töpfer­zentren hervorgehen. In der Siedlungsform dominieren die Häuser mit aufgehendem Mauerwerk, sie erscheinen gassenartig angeordnet, es scheint sogar stets klarer zu sein, daß die Siedlungen mit Gräben befestigt wurden. F. Horváth konnte dies in Gorzsa nachweisen. 209 In einzelnen Siedlungen sind die zum Teil in die Erde ein­getieften Bauten auch vorhanden. Die Wand der Häuser mit aufgehendem Mauerwerk ist aus Lehm bzw. Flecht­werk gebaut und es herrscht das mehrteilige Haus vor. Meiner Beurteilung nach blieb auf der einsichtigen, flachen Siedlung auch weiterhin die eingetiefte Hütte allgemein, im Laufe der inneren Entwicklung nimmt aber die Tiefe der Eingrabung ab. Unter den Beigaben der Bestattungen erscheint — zwar ziemlich bescheiden — (Lebő B, Kökénydomb, Gorzsa, Öcsöd) die Keramik,, hingegen wüd der Gebrauch des Holzsarges allgemein. 210 Es erscheinen die Schmuckgegenstände aus Kalkstein, Muschel, sogar in der Form von Perlen und Armringe aus Kupfer. Die Metallurgie schritt also beträchtlich vor­wärts und wurde Begründer der kupferzeitlichen Ent­wicklung. 211 Die Ausgrabungen von Gorzsa haben er­wiesen, daß es nicht mehr begründet ist, die früher die dritte Entwicklungsstufe der Theiß-Kultur vertretende Gruppe im Sinne der früheren Vorstellungen aufrechtzu­erhalten. F. Horváth fand anläßlich seiner viele Jahre lang anhaltenden Grabungskampagne kein einziges solches Siedlungsgebiet, wo die von Gy. Gazdapusztai Kleinbuckelkeramik genannte Form selbständig ohne Theiß-Scherben nicht zum Vorschein gekommen wäre. In der 2 m dicken Schicht wurde die Kleinbuckelkera­mik in allen Schichten zutage gefördert, von den unteren Niveaus an sogar mit bemalten Scherben von HerpäTy­Typ gemeinsam. 212 Es ist als sicher anzunehmen, daß in der sog. klassischen Phase der Theiß-Kultur, wo die großen künst­lerischen Schöpfungen erschienen sind, hörten die Sied­lungen nicht auf einmal auf. Die Bestimmung der kleine­ren Abweichungen ist vorläufig solange nur ein Versuch, bis uns die ausfährliche Publikation der bereits erschlos­senen Siedlungen nicht zur Vefügung steht. In Ermange­lung dieser halten wir weiterhin den Teü mit Gruben der Siedlung Lebői? für den jüngsten Abschnitt, der der Aus­gestaltung der frühkupferzeitlichen Gruppe von Deszk vorausgeht. 213 Neuerdings stieß F. Horváth auf das Fundmaterial der jüngsten Phase auf den Fundorten von Deszk-Ordos und Deszk-Vénó. 214 Dies vertritt schon die früheste Phase der Kupferzeit. 215 Auch in der Mittleren und Nördlichen Theißgegend müssen wir mit zwei großen Horizonten rechnen, obwohl es nur in Kisköre eine Stratigraphie mit solchem Charak­ter gibt, wo die Gräber in die schon verlassenen Sied­lungsobjekte eingegraben wurden. Dies beweisen die Gräber 7 und 8, in die „Hausgrube" eingegraben, jedoch ihre Beigaben und ihr Ritus stimmt mit den übrigen überein. Die Siedlung gehört nicht zu den ältesten, jedoch der innere chronologische Unterschied dürfte nicht bedeutend gewesen sein. Aufgrund der Siedlungsform und vor ahem der Keramik können wir behaupten, daß in Nordungarn die Siedlung von Szerencs-Taktaföldvár die älteste ist. In ihrer Keramik gibt es ziemlich viele Einstiche, was als ein südlicher Einfluß zu betrachten ist (Vinca, Tordos) (Taf. 18: 2-3). Es sind auffallend viele eckige Gefäße und Be­malungen, in der die breite, dunkle Streifenbemalung unter dem Rand dominiert, jedoch auch die senkrechten Streifen kommen häufig vor. Ein früher Zug ist die Kom­bination der geritzten Mäanderverzierung mit einer Bemalung bzw. die Spiralverzierung (Taf. 16:13), die noch ausgesprochen auf linienverzierte Vorgänger zu­rückgeführt werden kann. Zweifelsohne gehört die Siedlung von Tiszaluc-Vályogos in die Frühphase. Die Bemalung kommt nicht so häufig vor, jedoch die Formen - vor allem die kugeligen Gefäße — sind ein Beweis hier­für. Verhältnismäßig selten ist noch die Blumentopfform anzutreffen. Die Keramik bewahrt als Reminiszenz die Anwendung der Lochreihe unter dem Rand. Dies er­scheint noch als Einfluß der Bükk- bzw. Szakálhát-Kultur (Taf. 19:2). Aus den kleinen Siedlungsdetaüs können wir nur schwer ahgemeine Schlüsse ziehen, jedoch aus dem vorhandenen Fundmaterial kann ihre frühe Ent­stehungszeit mit Sicherheit nachgewiesen werden. Außerdem sprechen hierfür auch die Hockerbestattungen von Szerencs-Taktaföldvár. Auch die Gräber der das Ge­biet früher beherrschenden Alföld-Linearkeramik sind in überwiegender Mehrheit beigabenlos, oder im besten Fall mit Steinklinge, Steinaxt, seltener mit Gefäß versehen. Beigabenlos waren die Gräber von Szümeg sowie auch die in die Siedlung von Meggy aszó-Csákó eingegrabenen, schwer bestimmbaren Gräber. 216 Im einen Grab von Hortobágy-Árkus fanden wir eine Steinaxt. 217 Viel schwerer ist die Lage in der Beurteilung der Siedlung von Kisköre. Mehr als die Hälfte der Siedlung wurde durch die früheren Erdarbeiten abgetragen. So gelang nur ein größeres, zusammenhängendes Gebiet bis zu den Flächen 5—55 freizulegen, die sich wahrschein­lich unter dem Wege fortsetzten, jedoch die wir in die­sem Teil völlig erschließen konnten. Eine Stratigraphie ist nicht vorhanden, höchstens nur soviel, daß die obere Schicht von der verstreuten Siedlung der Kisrétpart-

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