Korek József: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend. (Inventaria Praehistorica Hungariae 3; Budapest, 1989)

József KOREK: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend - 6. Wirtschaftsgeschichte

6. WIRTSCHAFTSGESCHICHTE A ufsa mm lu ngs tat ig keit In der Ernährung sämtlicher neoÜthischer Volks­gruppen fällt dem Einsammeln von Nahrungsmitteln eine wichtige Rolle zu. Eine jede Siedlung der Theiß-Kultur enthält reichlich Unio-Muscheln, die die Bevölkerung in einem Wassermilieu als ergänzende Nahrung massenhaft gesammelt hat. In Kökénydomb kamen aufgrund der Untersuchung von K. Czogler Unio crassus Rete, U. pic­torum L. und U. tumidus zum Vorschein. Unter diesen U. pictorum in größter Zahl, als eine in fließenden Ge­wässern lebende Art. 168 Die Schalen lagen paarlos, auf­gebrochen, was auf den Genuß der Muscheln schließen läßt. In größter Menge wurden sie auf der Siedlung von Kisköre wahrgenommen. In Zusammenhang mit diesen Muscheln tauchte auch der Gedanke auf, daß sie wegen ihrem Kalkgehalt gesammelt wurden und bei der Gefäß­herstellung als Magerungsmittel, eventuell als Inkrusta­tion benutzt wurden. 169 Diese Vorstellung kann bei der Keramik der Theiß-Kultur nicht akzeptiert werden, 170 die Muschel diente zweifelsohne Ernährungszwecken. Fischfang Das auf uns gebliebene Quellenmaterial setzt sich vor allem aus Fischbeinen, Schuppen bzw. Werkzeugen, wie aus Harpunen, Wurfpfeilen und Fischnetzgewichten zusammen. Fischbeine wurden in allen Siedlungen reich­lich gefunden, unter diesen kamen am häufigsten der Wels und der Karpfen vor, jedoch wurden vereinzelt auch Reste von anderen Arten angetroffen. 171 Die reichsten Fundstehen sind die Siedlungen im südlichen Alföld: Kökénydomb, Szegvár-Tűzköves, Csóka, wo auch die Knochenharpunen in größter Zahl vorhanden sind. Auf diesen Siedlungen wurden in dicker Schicht Fischschuppen gefunden, was auf die wichtige Rohe der Fische in der Nahrung hinweist. Auf den ähnliche Gege­benheiten zeigenden Fundorten Lebő B und Gorzsa — die aus der umgrenzenden Wasserwelt als Insel hervor­traten - fiel dem Fischfang keine so große Rohe mehr zu, die Harpune ist nur mehr von einigen Exemplaren vertreten, es fehlt die dicke Fischschuppenschicht. Das­selbe steht auch für die Siedlungen der Mittleren und Oberen Theißgegend, wo der Fisch viel seltener konsu­miert wurde. Der Grund hierfür liegt in der Verschieden­heit der Wirtschaft, denn die den Viehbestand betreu­ende männhche Bevölkerung konnte sich in keine zu größeren Fischfängen geeigneten Gruppen zusammen­rotten. I. Vörös, der die Tierknochen der Siedlung von Szerencs-Taktaföldvár bearbeitete, 172 fand 15 Fisch­reste, was — in Anbetracht der 379 domestizierten und 159 wüd lebenden Säugetiere — höchstens 3% ausmacht. In Kisköre-Damm waren noch wenigere Fische vertreten, denn sie kamen von den eingesammelten 613 Knochen­funden insgesamt nur in 9 Exemplaren vor. In Tiszaluc­Väyogos waren aus 85 Knochenfunden Fischbeine von 2 Exemplaren, in Bodrogkeresztur-Kutyasor von 24 Knochenfunden Fischbeine von 7 Exemplaren vertreten. Von den für Werkzeuge gehaltenen Gegenständen kamen in größter Zahl die Tonpyramiden zum Vor­schein. Unter den Formen waren die konischen, birnför­migen, flachen, pyramidenförmigen und zylindrischen Exemplare vertreten. Auf den Siedlungen der Mittleren und Oberen Theiß erscheinen überall die flachen For­men. Dieser Typ ist für die Szakálhát-Gruppe charakte­ristisch und bildet zugleich die Grundform in der Kultur der Alföld-Linienbandkeramik. 173 Auf den Fischfang mit der Angel weist der Kno­chenhaken hin, von dem je ein Exemplar aus Szegvár, Kisköre und Csóka bekannt ist. Aus den einigen Stücken geht hervor, daß sie nicht allgemein gebraucht wurden. Eine ähnliche Lage ist mit dem Wurfpfeil, der nur in einigen Exemplaren aus der Siedlung Lebő B und Gorzsa vorliegt. 174 Jagd Ihre Bedeutung war in der Nahrungsverschaffung viel größer als dies die Menge der archäologischen Be­weise widerspiegelt. Dies zeigt die Untersuchung der Tierknochen von S. Bökönyi, durch die er drei Varianten festgestellt hat. 175 1. Der Prozentsatz der wilden und der domestizierten Tiere ist auf mehreren Siedlungen an­nähernd gleich: Szegvár, Lebő A, B, Gorzsa. Aufgrund der Bestimmung von I. Gaál gehört hierher auch Kökény­domb, da die Haus- und Wildtiere hier in gleicher Menge vertreten sind. 176 2. Anderenorts waren die Wildtiere in Übergewicht, so vor allem auf den Siedlungen von Herpály-Csőszhalom-Kultur. 3. Auf den Siedlungen der transdanubischen Linearkeramik dominieren die dome­stizierten Tiere und die Rohe der Schafhaltung nimmt zu. Dem Anschein nach steht auch die Siedlung von Kis­köre dieser Lebensführung nahe, auch hier war die Jagd bedeutend. Ackerbau, Viehhaltung Der Ackerbau spielte in der Theiß-Kultur eine wichtige Rohe, seine Spuren konnten aber in der Gegend der Mittleren und Oberen Theiß bisher kaum gefunden

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