Lovag Zsuzsa: Mittelalterliche Bronzgegenstände des Ungarischen Nationalmuseum, (Catalogi Musei Nationalis Hungarici. Seria Archeologica 3; Budapest, 1999)
Katalog - Leuchter und Kreuzruße
Vom Museum mit dem Nachlaß des Sammlers Antal Horváth in Pécs erstanden. Stammt vermutlich aus der Umgebung von Pécs (Kom. Baranya). Nicht publiziert. 154. LEUCHTER Abb. 154 Rheingebiet (Trier) zweite Hälfte des 12.Jh. Bronze, gegossen, graviert, vergoldet. H: 20,5 cm, L: 15 cm Inv.Nr. 1892.105. Von der Taille abwärts vogelförmige Frauenfigur, mit Menschenfüßen. Am Vogelleib gravierte Netzmusterverzierung, auf den sich nach unten stützenden Flügeln und am Schwanz das Gefieder andeutende Gravierung. Auf dem Kopfe des weiblichen Oberkörpers langes, in der Mitte gescheiteltes, durch parallele Gravierung angedeutetes Haar, die Augen sind geschlossen dargestellt. Die dünnen verkümmerten Arme sind im Ellbogen aufwärts gerichtet imd halten die beiden Enden der sich über ihre Schultern neigenden Ranken. Die Figur hat kleine Hängebrüste und plastisch geformte Rippen. Aus ihrem Hinterkopf steht der Schaft des Leuchters heraus, mit dem runden spitzenrandigen Tropfenauffangteller in einem gegossen. Über ihm ein hoher Dorn. Vom unteren Ende des Schaftes ausgehend windet sich eine Rankendekoration auf dem Rücken der Sirenenfigur, zwei Abzweigungen neigen sich über die Schultern nach vom, das Ende spaltet sich, zwischen den beiden Zweigen eine Knospe. Hinter dem Rücken der Sirene dienen zwei, zu ringen gewundene Zweige der Ranke dazu, den Kerzenhalter aufzunehmen. Unter dem linken Ann und am Rücken, sowie am Schwanzteil befinden sich aus Gußfehlern henührende Löcher. Spuren der Vergoldung sind nur an tiefer liegenden Stellen erhalten. Die nächste Parallele zu diesem Leuchter ist der kentaurförmige Leuchter im Londoner Victoria and Albert Museum (FALKE-MEYER Nr. 231, Abb. 195). Der Leuchter wurde in Hajdúhadház-Monostordülö (Kom. Hajdú-Bihar) an der Stelle emer verschwundenen Kirche aus der Arpádenzeit gefunden. Das Nationalmuseum kaufte ihn von Dr. András Jósa, Direktor des Museums in Nyíregyháza. SCHNÜTGEN 1893, 142-145; CZOBORSZALAY 1897, I. 68; GERECZE 1898, 39; VARJÚ 1929,12, Taf. VI; FALKE-MEYER 1935, Nr. 233; Abb. 197; GEREVICH 1938, 202, Taf. CCXXVI; LOVAG 1979, 17, Abb. 14. 155. KERZENLEUCHTER Abb. 155 Deutsch, Ende des 13. Jh. Bronze, gegossen, M: 10 cm, B: 8 cm Inv.Nr. 55.383.C. Auf drei schematischen Tierfüßen stehender Leuchterfuß in der Fonn eines Kugelabschnittes. Mit ihm zusammengegossener, breiter Griff mit flachem Nodus, darüber ein Ring. Der schmälere Teil des Griffes über dem Nodus weitet sich trichterartig aus und geht in den runden Tropfenfängerteller mit etwas schiefen Seiten über. Der Rand des Tropfenfängers ist brüchig, der kerzenhaltende Dom fehlt. Falke und Meyer teilen mehrere Stücke des Kerzenleuchtertyps mit (Nr. 149-160). An den sorgfältiger ausgeführten Exemplaren sind die Füße als krallige Tierfüßc ausgeführt. Das Exemplar des Nationalmuseums stimmt mit dem unter Nummer 152. mitgeteilten Berliner Kerzenleuchter überein. Herkunftsort unbekannt, aus dem alten Material des Museums neu inventarisiert. LOVAG 1979,49, Abb. 17. 156. KERZENLEUCHTER Abb. 156 Deutsch, Ende des 13. Jh. Bronze, gegossen. H: 12,5 cm, B: 6,3 cm Inv.Nr. 61.8LB. Ein ähnlicher Kerzcnleuchter wie die vorstehenden, mit dickem Dom. Das Ende des einen Fußes ist abgebrochen. Herkunftsort unbekannt, aus dem alten Material des Museums neu inventarisiert. Nicht publiziert. 157. KERZENLEUCHTER Abb. 157 Deutsch, Wende des 13.-14. Jh. Bronze, gegossen. H: 13,7 cm Inv.Nr. 1900.9. Ein den vorstehend beschriebenen ähnlicher Kerzenleuchter mit kleinerem, gegliedertem Nodus, unter und über dem letzteren Ringe. Der Griffteil über dem Nodus ist höher. Zwei Füße fehlen, der Rand des Sockelteiles, der flacher ist als bei den vorangegangenen Exemplaren, ist brüchig. Der Dom des Kerzenleuchters ist aus Eisen. Herkunftsort unbekannt, durch das Museum von einem Kunsthändler erstanden. Nicht publiziert. 158. KERZENLEUCHTERFRAGMENT Abb. 158 Ungarisch, 13. Jh. Bronze, gegossen. H: 4,7 cm, L: 6,8 cm Inv.Nr. 60.6.B.