Lovag Zsuzsa: Mittelalterliche Bronzgegenstände des Ungarischen Nationalmuseum, (Catalogi Musei Nationalis Hungarici. Seria Archeologica 3; Budapest, 1999)
Katalog - Vortragekreuze und Korpusse
ähnlich primitiv gezeichnet nur auf einem weiteren unserer heimischen Kreuze vor (Miskolc, Museum Hermann Otto). Das Kreuz wurde unter der Vermittlung von Flóris Romer vom Veszprémer Domherrn István Pribék dem Museum geschenkt. Eine Aufzeichnung von Frau Magda Bárány-Oberschall besagt, daß es in Csajág (Kom. Veszprém) aus der Erde zum Vorschein gekommen ist. GEREVICH 1938,200,Taf. CCXXXI. 1 ; LOVAG 1994, II-21. 58. VORTRAGEKREUZ Abb. 58 a-b Ungarisch, letztes Drittel des 13. Jh. Kupfer, getrieben, graviert, vergoldet, einst mit Schmucksteinverzierung. H: 43,5 cm, B: 25 cm Inv. Nr. 57.25.B. Mit auf einen Holzkern genieteten Kupferplatten bedecktes Krückenkreuz, an der Schnittstelle der Balken quadratische Ausweitung mit ausgeschnittenen Ecken. Auf beiden Seiten ist der Belag mit einer in Zickzacklinie gravierten, blättrigen Ranke verziert, in den viereckigen Feldern am Balkenende vor eine Raute gezeichnete vierblättrige Rosette. Der Hintergrund ist mit dicht gravierten Zickzacklinien ausgefüllt. Die Seitcnplatten sind undekoriert. Am Ende des linken Querbalkens in einer Fassung mit vier Krallen ein weißlicher, geäderter Stern. Auf der Rückseite fehlt der Belag des oberen Balkens, an den Platten deuten mehrere Nagellöcher darauf hin, daß beim Aufnageln an einen neuen Holzkcm die Belagplatten deformiert wurden. Auf Photoaufnahmen aus dem vorigen Jahrhundert kann man am oberen Balken die Heiligenfigur der Katalognummer 58/a erkennen. Der Korpus ist aus Blech ausgeschnitten und aufgetieft. Es nimmt frontale Haltung ein, auf dem Haupte eine Krone mit Giebelaufsatz. Die Augen sind offen, die Pupille ist durch Wölbung, Haare und Schnurrbart durch gravierte Linien angedeutet, ein Bart fehlt. Die etwas gekrümmten Arme stehen nach unten, beide Hände sind ersetzt. Die Brust ist glatt, auf dem Lendentuch ein glatter Gürtel, vom eme tiefe, senkrechte Falte, auf den Schenkeln schräge, gewölbte Falten. Die Beine sind eng geschlossen, die Füße nach außen gedreht, darunter ein Suppedaneum, ans Kreuz mit dem zwischen den Fersen befindlichen Nagel befestigt. Das Rankenmuster des Kreuzes und die Formung des Korpus hatte die Kreuze von Limoges zum Vorbild. Die Herkunft des Kreuzes ist unbekannt, in den 1870er Jahren gelangte es durch Ankauf in den Besitz des Museums. Nach den Notizen von Magda Bárány-Oberschall wurde es im Museum noch in den 1930er Jahren uninventarisiert aufbewahrt. 58/a. HEILIGENFIGUR Abb. 58 c Ungarisch, letztes Drittel des 13. Jh. Kupfer, gegossen, graviert, getrieben, vergoldet. H: 9,7 cm, B: 2,2 cm Inv.Nr. 55.101.B. Der kleine, grob bearbeitete Kopf ist massiver Guß, hinten mit einem Nietnagel befestigte Glorie aus Blech. Den Rumpf bildet eine dicke, gewölbte Platte, die unten schräg abgeschnitten ist. Die ganze Oberfläche ist mit gravierten, senkrechten Zickzacklinien bedeckt. In der Mitte des langen Körpers ein - zur Befestigung dienendes Nagel loch. Die Figur ist mit dem vorstehenden Kreuz zusammen ins Museum gelangt. In der ersten Mitteilung vom Jahre 1883 wurde sie ans Kreuz genagelt dargestellt, und dort wurde auch mitgeteilt, daß sie 1871 durch Kauf ins Museum gelangt sei. Romanisches Kreuz in der Sammlung des Ungarischen Nationalmuseums (anonym) Egyházművészeti Lap (Blatt für Kirchenkunst) IV (1883) 2527, Abb. 2-3; CZOBOR-SZALAY 1897, 65-66, Abb. 83; CZOBOR 1898, 28; KOVÁCS 1961, 166, Abb. 10; KOVÁCS 1962, 102; KOVÁCS 1968, Nr. 12-13. 59. VORTRAGEKREUZ Abb. 59 Ungarisch, zweite Hälfte des 13. Jh. Kupfer, gehämmert, graviert, vergoldet. H: 30 cm, B: 20 cm Inv.Nr. 1949.5. Die geraden Balken des aus Blech ausgeschnittenen Kreuzes enden in vierbogigen Figuren, unten ein flacher Stieldom. In der Mitte der Bogen je ein Loch (Edelsteinverziemng?), ein Ende des waagerechten Balkens ist brüchig, am unteren Balkenende mittelalterliche Reparatur, wo der zerbrochene Balken mit zwei Nietnägeln zusammengefügt worden war. Der gravierte Rankenschmuck auf beiden Seiten des Kreuzes trägt Limoges-Charakter. Der Korpus ist ebenfalls aus Blech geformt. Auf dem gerade gehaltenen Kopf eine hohe, kreuzförmige Krone mit Lilien und gravierter Verzierung. Die Augen sind