KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

Zwecke die gespenstisch wilde Skelettgestalt des Todes erscheinen. Wie anders drückt er dann diesen Gedanken im 9. Stück seiner zwei­ten Bilderreihe „Vom Tode" aus l 1 In Karlsru­he bei Gussow arbeitend zeichnete Max Klin­ger weitere ähnliche Bilder : Der Tod bei dem Gefangenen, Der Tod als Pflasterer (letzteres Stück auch radiert erschienen). Aber schon auf seinem Blatte „Der sterbende Wanderer" lässt er die Verderbnis durch einen Raubvogel fühl­bar machen : dem müden Wanderer entsinkt in einer felsigen Gegend der Speer und schon erscheint in den Lüften ein Geier. Wenn dann Max Klinger auch später den Tod auftreten lässt, so macht er aus ihm ein Untier oder ei­nen Greis. Am Schlussblatte der „Intermezzi" 2 verbindet er die Todesdarstellung mit den Amor­Sagen. „Amor, Tod und Jenseits", — das ist der Titel des Blattes. Auf einer schlängelnden Pappelallee galoppiert Amor an einem Teich vorüber. Es ist ein wunderliches Gefährt, ein velocipedartiges Rad, dessen Schweif die Form eines Sarges hat. Dieser stolpert auf vier höl­zernen Füssen über Stock und Stein hinter dem Gefährte Amors herbei. Hinter Amor sitzt der Tod, ein bärtiger Greis. Sein Amt ist es, das bretterne Ross mit der geschwungenen Hippe anzuspornen. Um diesen Aufzug noch phanta­stischer zu gestalten, reitet diesen beiden Ge­spenstergestalten auf einem Stier „die Poesie" nach : ein Reiter, dessen Kopf Gänsekiele um­schwirren. 3 Auch dieses phantastische Bild sym­bolisiert eigentlich das gesamte Menschenleben. Einen ganz originellen Weg hat Max Klin­ger mit seiner wundervollen Bilderreihe „Eine Liebe" (Opus X. 10.) eingeschlagen. Diesen Zyklus, den er 1880 gezeichnet und 1887 veröffent­licht hat, widmete er Böcklin, da er selbst füh­len musste, wie nahe dieses Werk zur Böcklin' sehen Kunst steht. Zwar ist darin der Berliner Realismus fast mit gleicher Intensivität vertreten. Die Liebesgeschichte eines vornehmen Mäd­chens erzählt uns hier Klinger. Das Mädchen wurde bei einer Spazierfahrt von einem hüb­schen Jüngling gesehen. Sie verlieben sich. Der Jüngling erscheint erst nur am Parktor, wird dann aber bald am Balkon und endlich auch im Mädchenzimmer empfangen. In einer heis­sen Liebesnacht erleben dann die beiden im Traume die Geschichte der Sünde von Adam und Eva, bis zu dem „Sold der Sünde", bis an das Tor des Todes. Der Zyklus endet mit der furchtbar-grossartigen Darstellung der Unglück­lichen. Sie flüchtet sich in ihrer Schande vor der spöttischen Kritik ihrer vornehmen Genos­sinnen in die Verlassenheit, schenkt einem Kin­de das kurze Leben, muss aber selber den Tod erleiden. Der Tod, seinen Schlapphut auf den Schädel gepresst, steht vor der regungslos da­hingestreckten Mädchenleiche, hält das neuge­1 vgl. Tafel LXI. Fig. 3. 2 1879 entworfen, 1880 als Opus IV radie-t. 3 vgl. F. M. Kurth : Reigen der Totentänze. Berlin, 1900. S. 15 ff. borene Kind in den Armen und ist noch immet nicht mit diesen beiden Opfern zufrieden. Er winkt mit der Hand auch dem Jüngling, der herbeistürzend sein Haupt voll Entsetzen auf das starre Gesicht der einstigen Geliebten drückt. Seine Verzweiflung scheint dem Tod einen neu­en Sieg zu versprechen. 4 Dieser Zyklus ist aber schon eigentlich ein „Totentanz" im modernsten Sinne, denn der Grundgedanke, „der Tod : der Sünde Sold", steht auf den Grundlagen des Hol­bein-Totentanzes. 5 Die zehn Darstellungen der Bilderreihe „Vom Tode /" 6 bringen ausser dem mittleren Bilde auch noch im Rahmenstreifen eine sym­bolische Darstellung, deren Inhalt mit dem mitt­leren Bilde im Zusammenhange steht. Max Klin­ger hat diesen Zyklus zur Zeit seiner näheren Freundschaft mit Böcklin in den achtziger Jah­ren begonnen und in Rom 1889 beendigt Wie einst Holbein, Burgkmair, Dürer, so will uns hier auch Klinger zeigen,, wie der Tod die Stän­devertreter gerade dann wegrafft, wenn sie es am wenigsten ahnen. Aber die Reihe der Bil­der ist keine „Einzelbilderreihe", denn die ein­zelnen Darstellungen ergeben in ihrem Zusam­menhange kein einheitliches und fortlaufendes Drama. Ein jedes Bild ist eigentlich ein allge­mein menscblich deutbares Einzelbild von sym­bolischer Bedeutung. Aber sogar dieser symbo­lische Inhalt der Bilder weist keine bestimmte innere Ordnung auf. Im ersten Stück herrscht „Stille Nacht", und der Künstler selbst sitzt träu­merisch auf einer Gartenbank. Die Szene wird zu einer beschaulich innerlichen Schilderung des menschlichen Lebens und der Seele, welche sich, in das irdische Dasein gebettet, zu den ewigen Idealen emporschwingt. Über die Gartenhecke sieht man auf die vom Mond beschienenen, müden Wellen, die sich am Meeresstrande der Dünen brechen. In der allgemeinen Dunkelheit steht vor dem still vor sich dahinbrütenden Mann in himmlischer Beleuchtung ein Lilien­stengel, um den ein Nachtschmetterling gaukelt, — das Sinnbild der vereinsamten Seele. Als einleitende Szene zu einem Zyklus „Vom To­de" also ein Bild ohne Todes- und Totenmoti­ve ! Auf dem zweiten Bilde befinden wir uns vor wasserfeuchten Felsenklippen in einer sau­senden Meeresbrandung der Südsee. Das Schiff der „Seeleute" scheiterte im Sturm an den Ko­rallenriffen. Aus den mächtigen Felsen starren die Rippen des versunkenen Bootes empor, wie ein Menschenbrustkorb. Drei Matrosen haben sich auf die Felsen gerettet. Sie sehen dem schrecklichen Hungertod entgegen, aber sie müs­sen ihr knapp gerettetes Leben noch obendrein gegen eine plötzlich erschienene Riesenschild­kröte verteidigen. Zwei Matrosen können noch von Klippe zu Klippe springen, aber das fabel­4 vgl. Tafel LX. Fig. 2. 3 vgl. Schmid : a. a. 0. S. 79. Abb. 75 und S.86­92. 8 vgl. Schmid: a. a. 0. S. 81, Abb. 77; S. 95-100; S. 82, Abb. 78.

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