KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

szene ist erstaunlicherweise wieder eine alte barocke Symbolenspielerei : Der Tod kehrt allen irdischen Tand in eine Pfütze. Die Umgebung: Kirchhofsdenkmäler, Säulenhalle, Zypressen, Trauerweiden. Dieser Stilrichtung, in welcher sich Klassi­zismus und Barockgeist zu einer seltsamen Mi­schung vermengt, gehört auch noch ein anderer grosser Meister deutscher Illustrationskunst in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts an : Wilhelm von Kaulbach. 1 Fast durch das ganze Leben trug er den grossen Plan einer modernen Totentanzreihe mit sich, vollendete aber nur einige Blätter, während die meisten Entwürfe nur als Skizzen auf uns geblieben sind. Die er­sten Totentanzskizzen entwarf er unter Rethel'­schem Einfluss 1850 und die letzten 1870. Der Meister, der immer jenen Stoff am liebsten be­arbeitete, in dessen Rahmen sich seinen satiri­schen Neigungen ein freier Spielraum bot, hat auch auf der für den Grafen Raczynski 1834/37 geschaffenen mächtigen Komposition von der „Hunnenschlacht" die geisterhafte Erscheinung der Seelen von Römern und Hunnen, welche in der Luft den Kampf fortsetzen, mit Vorliebe gemalt. In seinen Totentanzszenen lässt sich ein Drang nach einer historischen Realisierung des Totentanzmotivs merken. Seine Todes­gestalt begegnet Ludwig XVIII und Napoleon I., sie besucht den Vatikan i. J. 1868, sie erscheint vor Napoleon III. und Eugenie und ist auch bei Humboldt ein zwar unwillkommener, aber mit ewig menschlicher Ergebung aufgenomme­ner Gast. Sein erstes Totentanzbild „1848" 2 ist die übliche Darstellung der Revolution nach Rethel'schem Muster. Auf den Barrikaden steht der Anführer der Revolution und in seinem Hals sitzt der Tod mit Fahne in der Hand und schenkt dem Anführer in das hochgehobene Glas ein. Oben auf einer Schriftrolle steht : Bar­rikaden, Privilegium, Robert Blum. Ringsumher jubelt der Pöbel. In mehreren Skelettgestalten tritt der Tod in derselben Szene auf, wenn er in der Spielhölle 3 hier und dort, neben und hin­ter den Spielern steht und ihnen vor dem Rou­lettentisch das Böse zuflüstert. Rechts reicht der Tod einem Unglücklichen den Revolver. Dann aber verkleidet Kaulbach den Tod als eine Kammerzofe, 4 welche einem Mädchen die Schnur der Schnürbrust immer fester und fester zusam­menzieht, damit es ersticken soll. Im Rahmen einer lieblichen, aber steifen Kinderszene tritt der Tod auch im Kreise eines Kinderballs auf. 5 Er steht unter dem grossen Lüster und wäh­rend im Hintergrund die Eltern begeistert zu­sehen, spielt der Todes-Tanzmeister den tan­1 geb. 1805 Arolsen und gest. 1874 in München; vgl. das Werk über Wilhelm Kaulbach. Von Fritz von Ostini. Bielefeld und Leipzig. Velhagen & Kissing 1906. Künst­ler-Monographien. Hg. von H. Knackfuss. LXXX1V. Wei­ter F. M. Kurth : a. a. 0. S. 14 ff. 2 ca. 1850 gezeichnet; vgl. Ostini: a. a. 0. S. 35. Abb. 35; S. 110. 3 ca. 1855 ; Ostini : a. a. 0. S. 49. Abb. 55. 4 um 1855; Ostini: S. 50. Abb. 56. 5 ca. 1855; Ostini: S. ,51- Abb. 57. zenden Kindern immer wildere Weisen auf, damit sie erschöpft hinfallen sollen. Ludwig dem XVIII. hilft der Tod, damit er sich leichter in seinen eigenen Sarg legen kann. 6 Die Hofleute weichen voll Verachtung aus. Für den Sterben­den fühlen sie keinen Respekt mehr. Auf dem­selben Blatte hat Kaulbach auch die Sterbe­szene der Königin skizziert. In diesen und der­artigen Bildern 7 zeigte Kaulbach, wie tief erden Sinn der Totentanzart seiner Zeit erfasst hat. Leider blieben seine Vorstellungen ohne Ein­fluss auf die Zeitgenossen. Mittlerweilen ergab sich die gesamte To­tentanzkunst der Zeit dem Symbolismus. Der Radierer und Illustrator, Joseph Sattler, 8 bietet uns auf diesem Gebiete eine völlig neue Welt. Mit den wundervoll gezeichneten Einfällen seines „Modernen Totentanzes" 9 bereichert er die Tech­nik der Darstellungskunst ähnlicher Art. Erst lässt er denTod auf der Illustration zum Vorwort dem Künstler selbst erscheinen. Dann zeigt er uns, wie in den Büchern der Wurmstich ent­steht : die Löcher schneidet der Stelzfuss des über die Blätter wankenden Todesskelettes. Und wenn der kalte Wind im ungeheizten Ofen des Verzweifelten sein verführerisches Lied summt, so ist das die Stimme des Todes, der dem Verlassenen durch den Schornstein die Gedanken der Verzweiflung einflüstert. Der Tod wird ganz mit den Naturvorgängen identisch : im Sturmwind, der den Brand nur noch furcht­barer anfacht, erscheint, nur aus einer grossen Entfernung sichtbar, der Schädel des Todes. Die latente Todesgefahr, welche sich dem Eisen­bahnzug in der Nacht in den Weg legt, veran­schaulicht unser Meister auf eine ganz drollige Art. Aus dem Brustkorb des Skeletts macht er den dunklen Stahlbogen der Eisenbahnbrücke, welche über einen reissenden Fluss führt. In einigen Zügen wird uns eine dem Alltag ent­nommene Tragödie entfaltet : Das verführte Mädchen schreitet mit seinem unehelichen Kinde in Gedanken versunken in der finsteren Nacht. Hinter ihrem Haupte erscheint der Todesschä­del und gibt ihr mörderische Gedanken ein. Dann trifft die Dirne zufällig den Mann der sie geschändet und verlassen dann liegt ein totes Kind und ein ermordeter Mann am Pflaster des verlassenen Gässchens der Vor­stadt ! Die Menge, welche der Tod im Interesse der Revolution zu den Kämpfen auf den Barri­kaden antreibt, sieht nicht, dass unter dem Ne­bel und Dunst, der vor ihren Augen den Boden verdeckt, die furchtbar entstellten Leichen ihrer Kameraden liegen. 1 0 Der Symbolismus, der die drei furchtbarsten Krankheiten aus einem himm­lischen Horn auf die Erde rollen lässt, und zwar 6 ca. 1860 ; Ostini : S. 57. Abb. 63. 7 Der Geizhals: um 1860; Napoleon I. : um I860; Das Ende Robert Blums: ebenfalls 1860; und weitere To­tentanzskizzen vgl. Ostini: a. a. O. Abb. 64, 70, 71, 106, 107. 108, 109, 132, 134 usw. 8 geb. 1867 in Schrobenhausen, Obenbayern und gest. 1931 in München. 9 vgl. Tafel XL1II. und XLIV, Fig. 1-9, 1 0 Tafel XL1II,

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