KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

Sense und verspricht sich heute eine grosse Ernte. Ein Lorbeerkranz schmückt sein Haupt, seinen Körper umhüllt ein Leichentuch. Dar­unter zwei kleinere Rundbildchen. Links eilt der Tod mit gezogenem Schwert den Soldaten als Fahnenträger voran. Vor ihm explodiert eine Bombe, welche ihm aber nichts schadet. Zu seinen Füssen liegen zwei Krieger. Rechts klopft der Tod an eine Tür und begehrt Einlass. Feld­flasche und Wanderstab sind seine Merkmale. Der weite Mantel des germanischen „Wanderer­Todes" verbirgt seine dürren Glieder. Im Hin­tergrund liegt auf der Strasse ein Toter, den der Tod getötet hat und der mörderische Rachegeist eilt selber in das Haus der Verwandten, um die Trauerbotschaft des plötzlichen Todes zu überbringen. Barth ist in der Erfindung von neuen Todesarten unermüdlich. Er schreibt die Mordtat nicht immer der personifizierten Todes­gestalt zu. Manchmal lässt er den Tod ruhig zusehen, wie sein Opfer auf irgendeine natür­liche Weise zugrunde geht. In einigen Fällen deutet die Skelettgestalt nur für den Zuschauer eine Lebensgefahr an, welche den betreffenden Standesvertreter durch einen tückischen Zufall auch verderben könnte. Der Tod liebkost nur das Kind und der Meister will Uns damit nur soviel andeuten, dass der Tod den Menschen von frühester Kindheit an durchs ganze Leben begleitet, bis er dann einmal unerwartet los­schlägt und seinen bisherigen Schützling ins Verderben stösst. Dem Mädchen ercheint er in der Gestalt eines toten Bräutigams, der soeben aus dem Sarge stieg. Es ist ein wundervoller Kunstgenuss, zu beobachten, wie Barth den ihm zur Verfügung stehenden Raum in den schwarz konturierten Rundbildchen so restlos ausbeuten kann 1 Die gespreizte Bewegung des schönen Mädchenkörpers und das Wollüstige in der Skelettgestalt, sind ebenso tiefe Totentanzstim­mungen, wie die stille Resignation des Alten, den sein Arzt, „Dr. Hein", nach vielen qualvol­len Leiden endlich heilen will. Der Wanderer geht im Sturm an einem Baume vorüber und der Tod lauert auf, denn im nächsten Moment soll der Blitz in den Baum einschlagen und den Vorübereilenden töten. Dem Lokomo'ivfüh­rer erlahmt auf die einzige Berührung des To­des die Hand. Was nachher geschehen soll, lässt uns der Meister nur ahnen. Schicksalsschwere Notwendigkeit herrscht in diesen Bildern über Zufälligkeiten des irdischen Lebens und verlangt von jedem Menschen bedingungslose Todes­bereitschaft (Tafel XXXV). Nachts steht das To­desskelett hinter dem Ofen und belauscht den ahnungslosen Schläfer, ob ihn das Kohlengas schon seines Bewusstseines beraubt hat. Dem Reiter geht die Todesgestalt der Volkssagen in der Form eines Irrlichtes voran und lockt ihn auf Seitenwege, wo seiner das sichere Verder­ben harrt. Und ist der Tod nicht eine „Aus­wanderung" ? Auf dem Todesschiffe steht der Tod, ein elegant gekleideter Offiziant der Aus­wanderergesellschaft und ladet mit einer ver­dächtig freundlichen Miene das Pärchen auf eine „Lustreise" ein. Lebensgefahren, wie das fortwährende und übertriebene Rauchen, das Bergsteigen, die kühle Luft nach einem heissen Tanz . . . sind des Todes Köder, mit deren Hilfe er sich des Einzelnen bemächtigt (Tafel XXXVI). Auch die Glücksfälle des Lebens hält der Tod in seinen Händen. Dem verzweifelten Hasardeur gerät durch seine Einflüsterungen die Pistole in die Hand und das Unglück bei einer Bauarbeit hat er schon längst vorausgesehen 1 Im Bier haust auch seine Macht und die Säufer sind seine willigen Knechte. Dem Gerichtsvollstrecker eilt er ins Gefängnis voran und befreit den Ver­urteilten aus den Händen der irdischen Justiz. Den Selbstmord nimmt er mit Unwillen zur Kenntnis, denn dieser „moderne Tod" ist ein sehr bequemer Kerl. Er eilt nicht gern herbei, wenn er vom Menschen eigenmächtig gerufen wird. Die schönste Szene ist jene mit dem al­ten Eremiten. Sie erinnert an diejenige im To­tentanz der Brüder Meyer. Die stille Ruhe, mit welcher der Betende in die Betrachtung der lustig lebenden Natur versinkt, während ihm die koboldartige, winzige Gestalt des Skelettes durch die Töne der kleinen Glocke am Glockenstuhl der Klause den Tod verkündet, ist eine wahr­lich idyllische Stimmung, welche am Schluss des Totentanzes harmonisch wirkt. Die Totentanzbilder nähern sich gegen Mitte des XIX. Jahrhunderts in ihrer Auffassung vom wahren Kunstprinzip einer Art Schöngeisterei und stehen unter dem Einfluss des lieblich zär­telnden Stils der Illustrationen von Volksmär­chen- und Sagen Daher war der grosse Dilet­tant in einem höheren Sinne, der Sohn des Obersthofmeisters der Königin Therese, Schüler Stiglmayers und Schlottheuers, selbstZeremonien­meister und Hofmusikintendant am bayerischen Hofe und zugleich auch Maler, Lithograph, Ra­dierer, Zeichner für Holzschnitt, Dichter und Komponist, Franz Graf von Pocci, 1 nicht nur ein Neubegründer des Kinder- und Volksbuches, son­dern auch ein selbständiger und eigenartiger Meister von Totentanzdarstellungen, die zu den ähnlichen Erzeugnissen der altdeutschen Graphik in einem näheren Verwandtschaftsverhältnisse stehen, u. zw. in der Bestrebung, die Stilreinheit der deutschen Altmeister zu verwircklichen. Er hatte unter seinen Zeitgenossen einen Mitarbeiter, den Maler, Radierer und Illustrator, Adrian Lud­wig Richter, z der durch Chodowiecki angeregt auch in seinen Holzschnitten und Radierungen den Stoff mit lebendiger Phantasie behandelt. Beide Meister illustrieren das Gedicht und Mär­chen Bechsteins vom „Gevatter Tod". 3 Beide stecken den Tod, diesen „Erzschelm", aus ei­ner alttraditionellen Ironie ausgehend in ein „geistliches Gewand". In der Figurenzeichnung 1 geb. 1807 zu München und gest. 1876 ebenda. Nä­heres vgl. im Künstlerlex. Thieme-Becker, der mir zu die­sem Abschnitt wute Dienste leistete. 2 geb. 1803 in Dresden und gest. ebenda 1884. 3 vgl. Tafel XXXV1I1. Fig. 2-3.

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