KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
Anhang I
- 224 — 1. Der Tod steigt mit einer Sense bewaffnet und in ein Leichentuch gehüllt aus seinem Grabe. Er ist der germanische Tod. in dessen Gestalt sich die Begriffe des Todes und des Toten vereinigen. Er findet, dass das heutige Zeitalter für ihn eine reiche Ernte bietet, denn .Justitia wurde von ihren Feinden gebunden und ihres Schwertes beraubt. „Hinterlist" schenkt dem Tod das Schwert der Justitia und „die Lüge" überhändigt ihm die Waage der Wahrheit. Die „Eitelkeit" hält dem Tod einen grossen Spiegel vor und drückt ihm einen grossen Hut in seine Knochenhand. Der „Blödsinn", die „Dummheit" bieten dem aus dem Grabe steigenden „Rachegeist" das Ross und der „Blutdurst" die Sense der Justitia an. Die „Justitia" sitzt im Hintergrund mit zugebundenen Augen und gefesselt, und das Mauerwerk des Gebäudes unter ihr ist im Einstürzen. In dem 13. Gedicht Bechsteins bilden auch die Rache, der Zorn, die Lüge usw. das Gefolge des Todes. 2. So ausgerüstet beginnt der Tod seine mörderische Arbeit auf dem Lande. Die Bauernweiber flüchten sich aber vor ihm. 3. Der Tod erreicht die Stadt und predigt in den äusseren Stadtteilen dem verarmten Volke die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Das Volk freut sich und betrachtet es mit grossem Beifall, dass die Königskrone auf der Todeswaage mit der Pfeife eines Arbeiters in Gleichgewicht steht. Der listige Tod hält nämlich die Waage beim Zünglein. Nur eine alte blinde Frau verlässt mit verächtlichen Mienen den Betrüger des Volkes, denn sie, die Blinde, sieht das grosse Unglück voraus. 4. Der Tod wird vom Volk zum Führer der Revolution ausgerufen und er überlässt das Schwert der „Volksjusliz" den niedrigsten Volksschichten. Betrachten wir die energischen Linien der Holzschnitte. Mit wenig Figuren suggeriert der Meister eine grosse Menschenmenge. 5. Auch auf den Barrikaden führt der Tod das kämpfende Volk an. Seine Maske fällt und das verführte Volk erkennt ihn erst jetzt enttäuscht. Der Tod hat sein Versprechen gehalten, durch ihn sind alle Menschen im Sterben frei, gleich und brüderlich miteinander vereinigt worden. 6. Ohne sein wahres Ich zu verbergen zieht der Tod, „der Herr der Revolution", siegesbewusst durch die Stadt. Auf den Strassen liegen die Toten links und rechts in grossen Haufen. (Vgl. Tafel XXXI. Fig. 1-6.) Zur Zeit der französischen Revolution wurde "die Revolution" vielmals im Todesskelett personifiziert. Im Münchener Rosenthal-Antiquarium waren im Jahre 1926 drei zeitgenössische Darstellungen der Revolution ausgestellt. 1. Von einem unbekannten Zeichner: Zwei französische Revolutionäre, vielleicht Danton und Robespierre, halten Gericht. Hinter diesen sitzenden Gestalten steht der Tod mit Sense. In der Ferne werden Menschen vor einer Guillotine hingerichtet. 2. J. Gillray. Starcke 1802. Ein Staatsmann in England will Frieden. .Er liegt im Bett und schläft. Das Bild ist seine Vision. Über ihm fliegt ein Geier mit der Aufschrift : Peace 1 Neben dem Bett erscheinen Enthauptete und bitten um Rache. Die weiteren Mitglieder des Parlaments. als Mäuse gezeichnet, überfallen eine Kiste (Treasury Candle Ends) und zernagen kleine Papiere mit den Aufschriften : Office, Place. Auf einem anderen Teller werden weitere Zettel mit der Aufschrift : Pension, den Mäusen vorgelegt. Unter den Mäusen sitzt Justitia traurig und gefesselt mit zerbrochenem Schwert und Waage. Am Fusse des Bettes steht der Tod, der Herrscher der Revolution, rot bestrichen, zwei Spiesse als Stelzen benützend, mit roter Kappe, auf Infulen, Königskronen und auf Geld tretend und alles zerstörend. Der Teufel spielt Gitarre: „C.aira 1 C.aira I C.aira !" Zwei Staatsmänner schreiben einen Friedensvertrag mit der Aufschrift : Death Warrant Peace . . .. während der junge Napoleon auf eine Guillotine und auf eine brennende Stadt zeigt und die Justitia fesselt. Weitere Aufschriften : Political-Dreamings 1 Visions of Peace ! Perspective Horrors ! 3. Eine unbekannte Federzeichnung aus dem Ende des XVIII. Jahrhunderts. Der Nationalkonvent in Paris. Auf einem hohen Podium steht der Tod als ein Sansculotte verkleidet. Er ist der Anführer der Revolution mit einem Dolch in der Hand. Seine Gefährten waschen das Blut von ihren Dolchen in einer Schüssel Wasser. In den Bänken, in zwei Reihen und zwei Gruppen sitzen die Mitglieder des Konvents. Eine Gruppe mit zugebundenen Augen applaudiert und jubelt dem Tod zu und lobt seine Schreckenstaten. Aber die andere Truppe sieht alles mit grösstem Entsetzen und jubelt nicht. Aus dem Boden erhebt sich ein Mann mit Fackel und sendet Schlangen auf die blinde Truppe. Im Hintergrund brennt die Stadt. Vor einem Tisch .werden einem armen Arbeiter im reinsten Sinne des Wortes Brosamen zugeteilt, aber weder ihm, noch seiner Frau und seinen Kindern, die schon den Hungertod erlitten, ist damit geholfen. Im Vordergrund wird eine mit Knütteln bewaffnete Menge und der Anführer der Revolutionären (mit Sense) von einem Skelett empfangen und umarmt. Dieses Skelett ist auch als ein Sansculotte verkleidet. Die Darstellung zeitgenössischer Geschichte hat zur Entstehung der historischen Einzelbilderreihe viel beigetragen. Ausser dem besprochenen Rethel'schen Totentanz (hg. Wigand, 1849) ist noch ein ähnliches zeitgenössisches Werk bekannt, das anonym unter dem Titel „Noch ein Totentanz" in München bei Roller (o. J.) erschien und fälschlich Rethel zugeschrieben wird. Der Tod, ein „diplomatischer Blousenmann", reizt in der Kneipe die Proletarier zum Kampfe, als Jesuit verkleidet flüstert er dem Fürsten zu, das Volk in einem Kampfe zu vernichten : „So sät der Schalk sich reiche Saat, Durch zwiefach böse, falsche Tat." Er ist eine Weiterbildung der mittelalterlichen Mönchstod-Gestalt, die wieder auf die Märchen vom Reineke-Fuchs zurückzuführen ist. In der Schlacht kämpft er als Fahnenträger und Anführer der Soldaten mit dem Schwerte, auf dessen Klinge die Aufschrift steht : „Pro deo et patria". Nach dem beendeten Kampf sitzt er als ein König mit Lorberkranz umwunden, mit dem Reichsschwert in der Hand und mit den Insignien der Macht, mit Krone und Zepter und mahnt die Fürsten : „Zum Bundesgenossen nahmt ihr mich, Ihr Toren ! Euer Herr war Ich !" Dieser Totentanz schliesst mit einem Motiv, das an die Laura-Triumphe Petrarcas erinnert. Die Herrschaft des Todes ist doch nicht ewig und nicht unbegrenzt. Nur der Körper ist sein, die freie Seele kann er nicht erobern. Es ist ein Gedanke, den Madách in seinem grossen ungarischen Totentanz in der Apotheose Evas (in der Londoner Marktszene) zur Geltung brachte. — Im Totentanz der Revolution kniet der Tod am Schlussbild vor der sieghaften Gestalt der" Freiheit" und ergibt sich ihrer Macht, die über Kampf und Blut den Menschen das wahre Glück bringt und ihr ewiges Recht schützt : "Die Einzelnen ruf' in die Schranken, Die ganze Menschheit, sie ist mein, Lebendig, frei sind die Gedanken, Der tote Leichnahm nur ist Dein ! — sagt die „Freiheit" dem besiegten Tod. — Ein wichtiger Beitrag zur Lösung des Madách-Pro-