KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

Mühlenbrücke in Luzern entstand. Die lange Reihe von 67 dreieckigen Bildern 1 begann der Schüler Jacob Wyls, Kaspar Meglinger 2 dem Auftrage des Stadtrats von Luzern folgend i J. 1626 und beendete seine Arbeit 1632. 3 Meglin­ger hat auf diesen Totentanzbildern holbeinar­tige Szenen eingerichtet, in denen er sehr häufig Motive der deutschen Totensagen mit den alten Motiven der mittelalterlichen Totentänze ver­mengt. Sehr viel Phantasie und Poesie mischt sich in diese Szenen, welche zugleich auch Porträtbilder der Stifter und Donatoren zu sein scheinen. Auf der Schlussdarstellung des „ewi­gen Gerichtes" hatte übrigens Meglinger nicht nur sein eigenes Bildnis, sondern auch diejeni­gen seiner Mitarbeiter angebracht : Hans Claus, Leonhard Haas, Fridolin Meyer, Hans Ulrich und Viktor Wägmann. 1862 ergänzte Erni Weg­mann die Reihe mit zwei oder drei Bildern, 1727 kam dann noch eine Darstellung von Hans Jörg Hunkeler dazu. Gelegentlich der Restaura­tionen 1705, 1718, 1727—28, 1747 wurden die Wappenbilder jener Personen und Familien auf den Bildern angebracht, die sie restaurieren Hessen. 1780 wurde ein Teil der Brücke abge­tragen und 27 Stück von den 71 Bildern sind als überflüssige entfernt worden. Die letzte Re­stauration i. J. 1925 ist die Arbeit des Kunst­malers Kaspar Hermann. In der Ausgabe von Hilber 4 begleiten die Bilder je vierzeilige Stro­phen, von denen zwei Zeilen paarweise reimen. Bald spricht in diesem einfachen Text der Tod, bald der Lebende. Aber hie und da findet sich auch ein kurzgefasster Dialog. Die von uns hier mitgeteilten Bilder der mächtigen Totentanzreihe sind bald dramatisch lebhafte Szenen aus dem Leben der Standesvertreter, bald aber liebliche Genrebilder. Das erste Bild des Totentanzes, der Triumph des Todes, dargestellt von einer Gruppe acht musizierender Totengestalten, wel­che auch mit Sensen und Schaufeln bewaffnet in einem Kreise tanzend erscheinen, sieht eher dem bekannten Bilde in der Schedel'schen Welt­chronik ähnlich, als der einleitenden Szene in Basel oder bei Holbein. Kulturhistorisch sehr wertvoll sind z. B. die Bilder des Papstes, Kai­sers, der Königin, des Bischofs. Die Gräfin fährt z. B mit ihrer ganzen Familie auf einem gros­sen Reisewagen über Land. Hinter ihr versteckt sich ein Skelett und hält über sie einen Son­nenschirm. Den Wagen begleitet ein Lands­knecht mit Lanze und Jagdhunden. Auf dem einen Pferde des Wagens sitzt ein Skelett-Kut­1 vgl. Tafel VII—VIII. ! geb. 1595 in Luzern und gest. 1670 ebenda. 3 vgl. Der Todtentanz. Gemälde auf der Mühlen­brücke in Luzern, ausgeführt von Caspar Meglinger Pictor, getreu nach den Originalien lithogr. und hg. von Gebr. Eglin. Mit einleitendem Text von J. Schneller. Luzern, 1867; weiter „Der Totentanz auf der Spreuerbrücke in Luzern 1927, Räber et Cie. Verlagsbuchhandlung Luzern. Hg. von Dr. P. Hilber. 4 vgl. auch die Reproduktion im Lichtdruck von Synnberg & Rüttger in Luzern als Nachdruck der Litho­graphie von A. Eglin i. J. 1889. scher, der die Pferde mit einer Peitsche zu der rasend verderblichen Fahrt antreibt. Auf dem von uns hier veröffentlichten Bilde des Ritters werfen diesen drei Skelette zu Boden. Sie sind als Türken verkleidet. Auch den alten Begleiter des Ritters ergreift ein Skelett, indem es ihm ein Stundenglas an den Kopf schleudert. Im Hintergrund steht eine romantische Burg. Links unten der Zweikampf eines reitenden Kämpfers mit einem ebenfalls berittenen Skelett. Wahrlich idyllische Stimmungen schildert der Meister in den Szenen des Fischers, des Bauern, der Jung frau und des Müllers. Meglinger verfuhr, wie es auch Holbein tat. Er zeichnete zwei Fischer­buben, dann den Bauernknecht, weiter zwei fahrende Sänger und Possenreisser, sowie den Kavalier in Skelettgestalt und machte auf diese Weise aus einfachen Genrebildern Totentanz­szenen. Der Wunderarzt und Marktschreier rühmt sich, dass er alle Würmer austreibt. Aber in der Reihe der erstaunt Zuhörenden erscheint der Tod mit Sense und in phantastischer Kleidung, und ermahnt den Marktschreier, selbst die Me­dizin einzunehmen, sonst werden ihm die Wür­mer das Fleisch bis auf die Knochen zernagen. Eine ganz interessante Auffassung des Sujets bietet uns das Schlussbild von der Vision des Ezechiel. Ein wahrlich herrlicher Übergang von den Skelettgestalten zu den wunderschönen Aktbildern und zugleich ein Stück wundersamer Gegensätze I 5 Die imposante Szenereihe des Buchtoten­zes in Kupferstichen, von den beiden Züricher Malern, Rudolf Meyer 6 und Conrad Meyer 1 ver­fertigt, ist schon ein Stück echter Barockkunst (i.J. 1650). Wir waren bestrebt, die möglich interes­santesten und schönsten Szenen dieses mäch­tigen Kupferstichwerkes in Auswahl zu geben. 8 Der ältere Bruder, Rudolf, begann dieses Werk in den dreissiger Jahren des XVII. Jahrhunderts, wurde aber durch seinen jähen Tod an der Vollendung verhindert. Als der ältere.. Bruder, der einstige Schüler bei M. Merian d. Ä., schon längst nicht mehr lebte, nahm die Arbeit der zweite Bruder, Conrad, auf. 9 Unter den Kupfern befindet sich jedesmal eine vierzeilige deutsche Strophe und auf der linken Seite gehören zu ei­ner jeden Szene längere, ebenfalls deutsche Ver­se. Schon das Titelblatt bringt das Todesmotiv mit einem barocken Pathos. Der mit Schlangen bedeckte Tod hält das Titelblatt, über ihm ein Engel des Jüngsten Gerichtes und in der weiten Ferne tun sich Himmel und Hölle auf. Dann bringen wir die Szene ausser dem Para­dies, um zu zeigen, dass hier Adam ebenso die „Erde bawgt", wie er es auch bei Holbein tut. 5 vgl. Ellen Breede : a. a. O., S. 92 ff. 6 geb. 1605 in Zürich und gest. 1638 daselbst. 7 geb. 1618 in Zürich und gest. 1689 ebenda. 8 vgl. Tafel IX—XII. 9 Eine weitere Auflage unter dem Titel „Erbaulicher Sterb-Spiegel . .erschien 1704 in Augsburg, dann eine im Jahre 1759 in Hamburg ; vgl. Ellen Breede : a. a. 0. S. 95 ff. Ich benützte ein Exemplar der Originalausgabe aus der Preuss. Staatsbibl. in Berlin.

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