KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

ANHANG 1. Die Geschichte der künstlerischen Gestaltung der Totentanzmotive seit dem XVI. Jahrhundert 1. Geschichte der totentanzartigen Einzelbilderreihen in Holbeins Manier „Wie unzulänglich ist unser Wissen 1 — so spricht der Gelehrte. 0 hätte ich nur grössere Macht ! — so seufzt der Fürst. Gibt es denn noch jemanden, der so lieben könnte? — so ruft der Jüngling aus, der an seine Geliebte denkt. — Nur wer wahrlich liebt, ist mit sich selber zufrieden." — Ein Satz aus den Gedan­kensplittern des bekannten ungarischen Denkers, Baron Joseph Eötvös. — Und ich könnte mich nun der Reihe der „Unzufriedenen" anschlies­sen und im wissenschaftlichen Eifer einer un­stillbaren Forschungslust ausrufen : 0 hätte ich nur zum Schluss meines dreibändigen Werkes alle jene Bilder in einer grossen Sammlung ver­einigen können, die uns über die wahre Be­schaffenheit der Todes- und Totendarstellungen vom XVI. Jahrhundert hinauf bis zur Gegenwart in irgendwelcher Hinsicht und über irgendein Detailproblem einen hinreichenden Aufschluss geben können ! — Aber von einer so genau angelegten Zusammenstellung sämtlicher Er­scheinungsformen, dass daraus ein lückenloses Bilderbuch der neueren Totentanzvorstellungen entstünde, hielt mich die Erwägung fern, dass die unzähligen Blätter eines dichtbelaubten Baumriesen das helle Licht der Sonne verdek­ken und, obwohl die Erkenntnis der Ähnlichkeit oder Verschiedenheit der zu einer Motivgruppe gehörigen Züge auch sicherlich von der Vielheit der auf dasselbe Problem bezogenen Belege zweifelsohne abhängt, so war ich auch gezwun­gen, mich nur mit einem Zusammentragen der typischen Formen zu begnügen, wie ich dies auch im Falle der dichterischen Erscheinungs­formen tat. Wie dies im Rahmen einer Motivgeschichte fast niemals restlos gelingt, so durfte ich mich auch jetzt nicht durch das strenge Einhalten der Regel der historischen, d. h. zeitlichen Rei­henfolge der Darstellungen einengen lassen. Da ich schon im Laufe der Forschung nach litera­rischen Belegen aus dem Werke Holbeins d. J. ausging, so eröffne ich auch die Reihe der Bil­der mit dem Totentanz von Holbein, den ich möglichst vollständig anführe. Dann zeige ich bis zur Tafel LIV einschliesslich, wie sich Hol­beins Manier bis in die Gegenwart entfaltet hat. Die weiteren Bildergruppen gehen eher aus dem Standpunkt der Forschung nach typischer Gleich­heit der Motive aus und es werden uns Belege angeführt, wie das Todesmotiv auf Porträtbil­dern angewendet wurde, wie sich seit dem XVI. Jahrhundert die Gisant-Typ-Darstellung verän­dert hat, welch ein isoliertes Leben die alter­tümlich-klassische Todesdarstellung führt. Alte und neue Todesgeschehnisse werden von den Künstlern verwertet, um das Leben durch ein einheitlich symbolisierendes Bild zu charakteri­sieren, wie dies auch die neueren Dichter getan haben. Von der Tafel LXIII an erscheinen uns diese Motive mit der Natur, mit märchenhaften Zügen, mit Sagen, mit dem mittelalterlichen To­tentanz und mit den altgermanischen Tödes­und Totenmotiven in Verbindung. Der Toten­tanz wird nach diesen neueren Darstellungsver­suchen auch auf dem Gebiete der künstlerischen Darstellung zu einem „Menschheitsdrama". Der Kriegssymbolismus erlebt zur Zeit des Welt­krieges auch im Totentanz eine neue Blütezeit und von der Tafel LXXIil an folgt eine lange Reihe von geistreichen künstlerischen Einfällen, die dem Kriegsmotiv ein modernes Totentanz­bild entlocken können. Todesbilder aus dem Alltag der Gegenwart und reinster Symbolis­mus des neoklassischen Kunstideals leiten uns zur Betrachtung der Todes- und Totenmotive als Bühnendekorationen über (Taf. LXXXIV — LXXXV1I). „Die Kunst gedeiht nur in des Lebens Gunst", — sagt Friedrich von Bodenstedt und nach Richard Wagner ist die Kunst „Freude an sich, am Dasein, an der Allgemeinheit". Dementsprechend sind also in einem übertra­genen Sinne Kunstauffassung und Lebensan­schauung unzertrennbare Zwillingsbrüder. Und es gibt kaum ein zweites Gebiet der Literatur

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