KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

XII. Die realistische Dichlungsart des „allgemeinmenschlichen Totentanzbegriffes"

— 204 — „Hundert und hundertmal beginnt er mit dem Abschreiten des Gottesackers, — Obwohl er schon für hundert Särge genug Platz hätte". .. und doch vermisst er den Gottesacker weiter, bis er endlich selber hineinsinkt Die Gestalten des Weltmarktes im Drama „Die Tragödie des Menschen" von Madách (11. Szene) graben auch ihr eigenes Grab und singen : „Bevégezők ; el nyugalomra, Kiket a reggel új életre költ, A nagy művet kezdjék el újra". „Wir haben es beendet ; auf zur Ruhe, Die vom Morgen neu ins Leben gerufen [werden, Sollen dies grosse Werk wieder beginnen". In einem weiteren Gedichte, „Am Automo­bil des TodesV ist das Menchenleben bei Ady ein rasendes Fahren am Automobil des Todes, auf der „Teufelskutsche", in der das Leben „lau­ter Qual" und hoffnungsloser Kampf ist. Uber die endlosen Leiden kann der Tod nur grinsen. Im Gedichte „Das schwarze Klavier" („Fekete zon­gora") wird das Leben durch ein originelles Bild symbolisiert. Das schwarze Klavier ist das Leben und der Tod spielt auf diesem Klavier seine wilden Melodien. „Vak mestere tépi, cibálja, Ez az Élet melódiája. Ez a fekete zongora". Der blinde Meister reisst die Tasten und rüttelt am knirschenden Gefüge des Instruments. Was er spielt, das ist die Melodie des Lebens. Und das Leben ist das schwarze Klavier. Derartige Bilder, welche an sich genom­men nur eine Szene des alltäglichen Lebens darstellen, in einem höheren Sinne aber von der Gesamtheit des irdischen Lebens zu verste­hen sind, bereiten die letzte Entwicklungsstufe des modernen Totentanzes vor, in welcher sämt­liche Todes- und Toten-Motive in der aus­schliesslichen Realitätsvorstellung des Lebens restlos aufgehen. XII. Die realistische Dichtungsart des „allgemein menschlichen Totentanzbegriffes" 2 Der moderne Totentanz verzichtet in sei­nem Realisierungsdrange langsam auf sämtliche Todes- und Totenmotive. Diese kommen in der jüngsten Totentanz-Dichtungsart des „allgemein menschlichen Totentanzbegriffes" nicht einmal in jenem mässigen Grade zur Geltung, wie dies bei den „einheitlich symbolisierenden Bildern" der vorangehenden Erscheinungsform der Fall war. Auch der Symbolismus, welcher den an sich indifferenten Geschehnissen einen allgemein menschlich deutbaren, einfachen und einheitli­chen Sinn verlieh, geht in den modernsten Toten­tanzwerken stufenweise aus der Mode. Der Dichter oder Verfasser erzählt uns Geschichten, in denen er das Leben selbst schildert, so wie es ist, bitter-tragisch, trüb oder heiter. Diese Geschichten stehen zum Totentanzbegriff nur insofern in Beziehung, dass der Verfasser den lebenstreuen Schilderungen des Alltags den Titel „Totentanz" gibt. Derartige Erzählungen sind aber trotzdem wirkliche Totentänze, wenn sie auch den Tod oder die Toten nicht auftreten lassen und wenn in ihnen auch überhaupt kein Tanz vorkommt. Die tragische Atmosphäre des Erzählten genügt, um in uns eine dem Toten­tanze ähnliche, finstere Stimmung zu erwecken, indem sie unseren Blick für die düsteren Sei­ten des Lebens zu schärfen imstande ist. Schon Holbein liess auf dem 47. Bilde seiner Toten­tanzreihe („Der Sieche") von der in diesem Falle fast unnötigen Häufung und Anwendung der üblichen Totentanzembleme ab. Und auch in den Totentanzreihen von A. Frey, G. Falke und J. Ponten fand sich schon eine schöne Zahl solcher Szenen, in denen die tragische Einrichtung des Erzählten selbst, ohne ein To­tentanzmotiv emblemartig zu verwenden, den Leser zum Totentanzerlebnis verhalf. Eine realistische Darstellung des wahren Lebens in der Dichlungsart des „allgemeinen Totentanzbegriffes" vertritt vor allem der interes­sante Novellenzyklus von Michael Georg Conrad: Totentanz der Liebe. 3 M. G. Conrad richtet diese seine Novellen so ein, dass die handelnden Personen einer Novelle, welche das traurige Los ihrer Freunde miterleben, beweinen oder bekritteln, in einer der nächsten Novellen auch selber von einem ähnlichen tragischen Schicksal ereilt werden. Und jedesmal ist es die Liebe, welche das Unheil anstiftet und die­jenigen, die vorher ihren Kameraden gute Rat­schläge und strenge Strafpredigten austeilen konnten, stehen selber ratlos vor den tragischen Tatsachen ihres eigenen Lebens. Ja, sie sind noch viel übler daran, wenn sie an die Reihe kommen, um der totentanzartigen Unerbittlich­keit der Liebe ihren Tribut zu zahlen 1 Die erste Novelle 4 stellt das Leben einer schönen, aber verdorbenen Frau dar, die ihren reichen Mann nicht lieben kann, da dieser kraftlos und kränklich ist und ihr Sinnesverlan­gen unbefriedigt lässt. Während der kranke Gatte in einem Karlsbader Sana'orium liegt, gewinnt sie die Liebe erst eines französischen 1 A halál automobilján" a. a. 0. S. 29. 2 Tab. B. Ia 5 + 11 ab 7. 3 Münchener Novellen Leipzig. 1885. 4 Marianna. S. 5. if.

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