KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
X. Das einheitlich allgemein menschliche Bildals Symbol des Lebens – „Lebens-Tanz"
- 199 — sönlichen Todeserlebnisse vereinigt. Claudio, der reiche Mann, gelangt erst in der Todesstunde zur Gewissheit, dass er noch eigentlich garnicht richtig gelebt hat. Der unbeugsam und unerbittlich auftretende Tod soll ihm die Wissenschaft der Kunst des totalen irdischen Lebens beibringen. In diesem allgemein menschlich symbolisierenden Lebensbilde verwendet auch Hofmannsthal die Motive des einstigen Todes- und Toten-Tanzes. Die tote Mutter Claudios, seine einstige Geliebte und sein gewesener Freund erscheinen hier im Dienste der Lehre des Everyman-Todes. Dem Wesen des Impressionismus entsprechend wird hier das innere Leben des Individuums auch auf dem Niveau der allgemein menschlichen Todesgedanken zum Symbol der Gemeinschaft. Das bisherige Leben Claudios war eigentlich mit einer Art Todeszustand identisch, der Tod bringt ihm das wahre Leben. Diese eigenartige Dichtungsart der Einzelbilderreihe als eines einheitlich symbolisierenden Bildes der „allgemeinen Menschlichkeit" erscheint uns aber nicht nur in diesem deutschen Drama in ihrer vollen Blüte. Wir besitzen auch einen ungarischen Roman der berühmten ungarischen Schriftstellerin Berde Mária mit dem Titel Haláltánc. 1 Und in diesem Roman überrascht uns ausser der höchst kunstvollen Sprache, dem weltanschaulich wertvollen Aufbau, vor allem die Art, wie diese eminente ungarische Dichterin im Leben eines Sanatoriums der Schweiz das „Allgemein-Menschliche" durch ein einheitliches Bild von universeller Bedeutung symbolisieren kann. Die Handlung des Romans spielt im „Schweizer Haus", in einem Sanatorium, das von der Welt gänzlich abgesperrt ist und dessen kranke Bewohner höchstens in den nahen Wald spazieren gehen. Dieses Sanatorium ist wahrhaftig ein Staat im Staate. Die Regentin dieses Staates ist die Inhaberin, Frau Frey, und sein Gesetzgeber der Hausarzt. Die Bewohner dieses Hauses sind unheilbare Kranke, die in kürzester Zeit gewiss sterben müssen. Aber diese zum sicheren Tod verurteilten Menschen leben so lustig und frei, als könnten sie nie sterben. Sie buhlen und sündigen tag-täglich. als wenn sie die Hoffnung hätten, ihre Sünden noch einmal gutmachen zu können. Und währenddessen ihr unvermeidliches Schicksal sie mit Vernichtung droht, verbringen sie die Faschingszeil, den Weihnachts- , und Silvesterabend mit unnützem Schwätzen und mit geschmacklosem Witz. Willenlos werden sie in Verhältnisse getrieben, die ihnen Leiden und Tod bringen. Im Rahmen der Beschreibung des Sanatoriumlebens wird die ideale Liebe des Mr. Foorle (Hugh) und der Miss Hardings (Ginevra), der schönen Irländerin erzählt. Beide sind schweigsame Naturen. Hugh ist schüchtern, furchtsam. Sie ist einfach, bescheiden. Sie nähern sich einander langsam und lernen sich erst spät kennen. Und schon seit langeher kennen sie sich ohne die Gewissheit. voneinander geliebt zu werden. Ein leichtsinniger junger Lebemann. Ziegler. spielt bei einer festlichen Gelegenheit auf seiner Geige der schönen Ginevra öffentlich das bekannte Schubert-Lied „Du bist die Ruh' .. ." (Rückert) vor. Aufgebracht über die Frechheit Zieglers sinkt Hugh in tatenlose Zurückgezogenheit. Vielleicht auch die Verzweiflung über seine hoffnungslose Liebe treibt ihn in die Falle der sittlich sehr niedrig stehenden Gräfin Zerna und knüpft mit ihrer Freundin, mit der allzu sinnlichen Griechin, 1 Ungarisch; Todestanz. Okt. 1924. Budapest. Roman. Madame Mercati, ein verdächtiges Liebesverhältnis an. Eines Abends sitzt er im Zimmer der Griechin. Ziegler bemerkt zufällig am Milchglas des Fensters ihre zwei Schatten. Er ruft Ginevra in den verschneiten Garten hinaus, wovon sie mit voller Gewissheit sehen kann, wie sich Hugh und Madame Mercati küssen. Ginevra, die bisher den Gerüchten von der Untreue Hugh's nicht glauben wollte, hat sich im kalten, nebligen Winterabend, an dem sie mitZiealer Hugh beobachtet hat, erkältet und lag schon mehrere Tage sterbenskrank im Bett, als ihr Foorte — der von der traurigen Entdeckung Ginevras nichts wusste — schöne Blumen auf ihr Zimmer bringen liess. Als Ginevra, im Herzen lief gerührt, erfuhr, wer ihr die Blumen schenkt, verzieh sie ihrem Geliebten. — Es war eine alle Tradition der Direktion des Sanatoriums, über jene Kranken, welche im Hause des Sanatoriums gestorben sind, zu verbreiten, sie hätten plötzlich nachhause fahren müssen. Mit Entzetzen hört Hugh eines Tages, dass Ginevra abgefahren sei. Sie ist also gestorben ! Abends spaziert er zu jener verlassenen Mühle hinaus, wo er mit ihr so vielmal gesessen ist Am getrauten Plätzchen er wacht ihr Geist in seiner Erinnerung. Er tritt in die Mühle und siehe, da findet er einen in eine schwarze Decke gehüllten Sarg I Mit düsterer Ahnung lüftet er das Tuch und erkennt in dem im Sarge liegenden blassen Mädchenleichnam seine Ginevra. Auch zwei Totengräber erscheinen in der Mühle und ersuchen ihn, sie nicht zu verraten. Sie hätten den strengsten Befehl, die Tote unbemerkt in die Kapelle zu überführen ; da sie aber Hugh bemerkt haben, verbargen sie den Sarg in die Mühle. Sie konnten es ja nicht ahnen, dass Hugh gerade zur Mühle eilt. Wankenden Schrittes eilt Hugh wieder ins Sanatorium zurück. Am folgenden Morgen kauft er der Toten Blumen und als er sie in die kleine Kapelle bringen will, wo Ginevra aufgebahrt lag, bemerkt er, dass eine der schönen Rosen fehlt. Erst abends eilt er zur Kapelle und legt die Rosen auf den Sarg. Inzwischen hat Ziegler gelogen, dass er ein Verwandter Ginevras sei und man erlaubte ihm. die ganze Nacht am Sarge der Toten wachen zu dürfen. Als Hugh die Rosen brachte, war auch Ziegler in der Kapelle und machte ihm Vorwürfe, dass er an der Krankheit und am plötzlichen Tod des Mädchens Schuld trage. Hugh erfährt nun, dass ihn Ginevra im Zimmer der Mercati gesehen habe. Ziegler slösst ihn in den Garten hinaus und nachdem er hinter sich das Tor der Kapelle geschlossen hat, spielt er vor der Toten auf seiner Geige die ganze Nacht das Lied „Du bist die Ruh' . ." Dieses Lied passle jetzt wirklich zur unstörbaren Friedensruhe der Totenwelt. Mit dem schrecklichen Bewusstsein seiner Schuld ging Hugh wieder nachhause. Ginevra hat über seine Untreue gewusst und sie hat ihm gewiss nicht verziehen Er schlief ein und schlief auch den ganzen nächsten Tag. so tief gedrückt fühlte er sein Herz und so müde wurde er vom Sturm der Vorwürfe seines Gewissens, vor dessen Beschuldigung er sich in den tiefen Schlaf flüchtete. Er war der Mörder seiner Geliebten I Im Traum erschien ihm Ginevra im Zimmer der Mercati. wo sie diese Rose suchte, die vom Bukett fehlte. Erst am nächsten Abend erwacht Hugh und wird erst jetzt auch dessen gewahr, dass er sogar das Begräbnis Ginevras verschlafen hat Er eilt in die Kapelle, aber die Bahre ist nicht mehr dort, nur ein leichter Weihrauch verbreitet sich im Raum. Verstimmt sucht er Mercati auf und verlangt die Rose zurück. Diese will sich damit entschuldigen, dass sie die Rose verbrannt habe. Nach weiteren Träumen, in denen die Tote Hugh wieder erscheint, um ihre verlorene Rose zu suchen, geht der junge Mann wieder zu Madame Mercati und bestürmt sie mit neuen Bitten. Endlich will sie ihm eine andere, aber ähnliche Rose geben, unter der Bedingung, ihre wollüstigen Wünsche zu erfüllen. Mit tiefster Verachtung und mit Ekel verlässt Hugh dieses sinnliche Weib. Mercati sieht erst jetzt ein, wie gross ihre Sünde, ihr Irrtum sei, und vergiftet sich. Unterdessen hat auch Ziegler Gewissensbisse. Er ist doch die eigentliche Ursache des Todes der Ginevra! Er hat sie ja in den kühlen Garten gelockt! Die meiste Sorge verursacht ihm der Gedanke, dass diese wirkliche Ursache ausser ihm nur Hugh bekannt ist, und dass auch Hugh einmal seine Unschuld einfallen wird. Tatsächlich erfährt Hugh die verzeihenden Worte Ginev-