KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes
„Und ach, die Robben sind so rar ! Ja bist du Ein Gott, so flehe ich dich an, o mache, Dass wen'ger Menschen und mehr Rob[ben seien I" Schliesslich führt der hässliche Eskimo Adam und Luzifer in seine erbärmliche Hütte, aus der seine Frau, Eva, tritt, um die Gäste zu empfangen. Auch sie, das ideale Weib, verlor ihre Schönheit und wurde zu einer ekelhaften, unreinen Fratze. Sie fällt Adam um den Hals. Er ruft um Hilfe und will aus seiner Zukunft wieder in die Gegenwart zurück. XV. Szene : Der Traum ist zu Ende. Der Schauplatz verwandelt sich in die Palmengegend der dritten Szene. Adam erwacht, tritt schlaftrunken aus seiner Hütte. Alles ist um ihn fröhlich, nur sein Herz ist gebrochen. Noch eine kleine Hoffnung hat er, dass der Mensch durch seine Willensfreiheit die Zukunft anders gestalten kann (Adam = der Menschenwille !). Aber Luzifer weist auf die starren Gesetze der Natur hin, die in allen Lebenserscheinungen regieren. „Wer dann die Zahlen registriert, muss [staunen, Wie konsequent das laun'sche Schicksal ist, Das Heirat, Tod, Verbrechen, Tugend, [Glauben, Wahnsinn und Selbstmord ebenmäs[sig leitet." Das Wort Selbstmord gibt Adam noch einen letzten rettenden Gedanken. Er kann noch Gott und dem Schicksal ins Gesicht lachen. Wenn er sein Leben vernichtet, ist auch die schreckliche Zukunft und auch der Plan Gottes vereitelt. Er schreitet auf eine hohe Klippe, um sich hinunter zu stürzen. Noch ein Augenblick und Luzifer hat sein Ziel erreicht. Hat der Mensch sich ermordet, so ist die ganze Schöpfung zwecklos geworden und Luzifer hat die Wette gegen Gott gewonnen. Deswegen waren ja die Traumbilder so finster und hoffnungslos, damit sich Adam von seiner Verzweiflung durch einen Selbstmord befreie. — Nur mit einem Umstand hat Luzifer, dieser kalt rechnende Geist der Verneinung, nicht gerechnet : mit dem Siege der Mütterlichkeit Evas. Eva kommt aus der Laubhütte und bekennt Adam, dass sie sich Mutter nennen darf. So hat also doch Gott gesiegt ! Umsonst will sich Adam ermorden. Sein Kind wird das Elend der Menschheit weiterpflanzen. Adam sinkt in die Knie : „Hast mich besiegt, o Herr! Lieg' da im [Staube, Kämpf'ohne dich, wie gegen dich vergeblich; Magst mich erheben oder niederschmettern, Mein Herz und meine Seele steht dir offen 1". Luzifer sieht, dass er die Wette verlieren wird. Er wirft Adam vor, dass er seine Grösse, die er von ihm, vom Geist der Verneinung und des Trotzes erhalten hat, vergisst, und dass Eva durch ihre Mutterschaft die Sünde und das Elend in die Welt bringt. Aber Eva verkündet den kommenden Messias, der die Sünde tilgen und die Menschen in Brüderlichkeit Vereinigen wird. Luzifer : „Erhebst dich, Sklave, wider mich? Du Tier, Auf aus dem Staub I" Luzifer stösst mit dem Fusse nach Adam. Es öffnet sich der Himmel, der Herr, verklärt, von Engeln umgeben, erscheint. Der Herr : „Geist, nieder in den Staub ! Vor mir gibt's keine Grösse." Luzifer will dieses „häusliche Schauspiel", das sich hier entwickelt, nicht sehen und entfernt sich, aber der Herr ruft ihn zurück. Auch zu ihm hat er ein Wörtlein zu sprechen. Dann wendet er sich zu Adam und frägt ihn mit väterlicher Güte, was sein Herz bedrückt. Adam forscht aber umsonst nach dem Geheimnis der Zukunft. Gott sagt ihm nicht, was das Los der Menschheit sein wird. Wüsste der Mensch, was seine Zukunft bringt, würde er dann kämpfen, könnte er dann dem rohen Vollgenuss des Augenblicks für sittliche Ideen entsagen ? Wäre aber der Mensch in seinem Kampf zu stolz, so setzt ihm die Vergänglichkeit Schranken. Ohne Unterlass klingt in der Seele des Menschen eine Stimme, die warnend zurückhält oder anregt und erhebt. Dieser Stimme soll der Mensch folgen, sie kommt von Gott. Und wenn der Mann im Getöse des Lebens diese Stimme nicht vernimmt, so soll die reinere Seele des zarten Weibes das göttliche Wort vernehmen und soll zur Seite des Mannes stehen in Glück und Unglück, bald traulich tröstend, bald launig lächelnd sein teilnahmvoller Genius sein. Die weiteren Worte Gottes an Luzifer sind die Darstellung des tragischen Kampfes der teuflischen Verneinung gegen Gott. Umsont hat er die traurigen Traumbilder Adam gezeigt, jedes Zeitalter, jede Richtung hat auch etwas Gutes geschaffen. Das Los des Menschen ist nicht so tragisch, wie es Adam durch Luzifer vernahm. Das irdische Leben bleibt ein Jammertal, aber die Seele wird gerettet. Seinen Fall bekennt Luzifer mit diesen Worten : „Was musste ich auch mit dem Menschen [Grosses Beginnen, der aus Staub und Sonnenstrahl Zusammengeknetet, nur ein Zwerg im Wis[sen Und riesengross im blinden Wahne ist !" Sein Schicksal wird durch Gott bestimmt : „Und Luzifer, du auch ein Kettenglied Im meinem weiten Weltall, wirke weiter! Dein frostig Wissen und dein töricht [Leugnen Sei eben nur die Hefe, die den Geist In Gährung bringt. Und wenn sie auf Mo[mente Den Menschen auch vom rechten Wege [ablenkt,