KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes

die Freude zerstört wurde. Wie es unsere wei­teren Untersuchungen beweisen werden, ver­vollständigt das auf dem Himmel erschienene Kreuz den Todes-Tanz-Charakter der Szene Lu­zifer ist der Verführer ins Sterben und der Tote, der „Wanderer" genannt, ist die Ursache des Todes. In einem deutschen Totentanz, den wir mit Bezug auf die Totentanzmotive des Madäch­Dramas noch untersuchen wollen, tritt der Tod als ein verfluchter „Wanderer" auf und ist zugleich ein Toter. In demselben Totentanz werden wir auch jene Bemerkung finden, dass die Knechte des Todes, Raub, Mord, Krankheit, Sorge heissen. Während in der Miltiades-Szene der Jüng­lings-Tod des klassischen Altertums persönlich auftritt, ist die Todesgestalt der Tankred­Szene der mittelalterliche Skelett-Tod. Adam als Tankred kehrt nach einem mühevollen Kreuzzug nach Konstantinopel zurück (VII. Sze­ne). Die Bürger der Stadt wollen den Kriegern kein Obdach geben, da sie in Tankred, der doch für die Christenheit gekämpft und geblu­tet hat, einen „Ketzer" vermuten. Luzifer zeigt Adam, was die Menschen aus der heiligen Lehre des Christentums machen. Auch der Patriarch kann den Kreuzrittern keine Herberge verschaf­fen, da ihn die Ehre Gottes zu etwas Wichti­gerem ruft : Er muss über die Ketzer richten und ersucht Adam-Tankred, ihm bei der Aus­rottung der Familien der Ketzer Hilfe zu leisten. Die Ketzer, welche in der Dreifaltigkeitslehre nicht die Lehre der Kirche vom Homousion annehmen, sondern das Homoiusion verkünden, wurden vom Patriarchen zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Aber umsonst will Adam die Ketzer überzeugen, dass sie das eine Iota aufgeben mögen und dadurch ihr Leben retten könnten. Diese gehen freudig und hel­denmütig in den Tod und geben ihren Glauben nicht auf. Das hier dargestellte Bild des Mittel­alters ist scharf und tendenziös. Trotzdem hat man dem Dichter unverdient vorgeworfen, dass er hier die Geschichte gefälscht habe. Das Bild und die schneidende Kritik über die Weltan­schauung des Mittelalters ist nicht die Anschau­ung des Dichters. Die Szenerie ist deswegen übertrieben und einseitig, weil sie von Luzifer herrührt. Diese Szene will nicht die Erniedrigung der christlichen Lehre und der Kirche, der gröss­ten Erzieherin der Menschheit, sein. Das Ver­dienst der Kirche in der Reformierung und Gründung der Kultur der Menschheit will der Dichter nicht leugnen. Was die Menge in der Miltiades-Szene aus den herrlichen Idealen macht, dasse'be tut sie auch mit der christli­chen Weltanschauung. Die heiligste Lehre wird von der Menge durch Mord, Raub, durch un­ehrlichen Handel geschändet. Das eine Iota be­deutet bekanntlich einen grossen Unterschied. Nach der katholischen Dreifaltigkeitslehre ha­ben die drei göttlichen Personen ein und die­selbe Substanz (Suom'mog), Nach Arius besitzen die drei Personen nur eine ähnliche Substanz (Sfioiovmoe). In der Tankred-Szene wird die Ge­schichte des Christentums von fast tausend Jah­ren ineinander gedrängt. Diese Szene ist durch die Verbindung der Kämpfe gegen den Arianis­mus (IV. Jahrhundert) mit den Kreuzzügen zum Symbol des Mittelalters geworden. Tankred lernt durch einen Zufall die schöne Isaura ken­nen, die von einigen Kreuzfahrern verfolgt wur­de und die Tankred gegen diese beschützt. Isaura (Eva) muss infolge eines Gelübdes ihres Vaters in einem Nonnenkloster leben. Tankred, der sich in sie verliebt, will sie nachts aus dem Kloster befreien. Er nähert sich dem Klostertor, während Isaura mit ihrer leichtfertigen Zofe in einem Fenster des Klosters steht. Da erhebt sich vor der Pforte des Klosters ein Gerippe aus der Erde und steht drohend vor Adam. In der Luft fliegen Hexen. Eva wirft das Fenster zu. „Hinweg von dieser heil'gen Schwelle !" — sagt das Gerippe, der Tod. „Wer bist du grauenhafte Schreckengestalt?" — fragt Adam „Ich bin der Geist, der stets zugegen sein wird, / So oft du küsst, so oft ihr euch umarmt." Der Tod ist hier also die Personifikation des Zeit­geistes, der Weltanschauung eines Zeitalters, die der Nonne die Liebe verbietet. Diese Todes­gestalt tritt in einem historischen Rahmen auf. Also auch diese Szene der „Tragödie des Men­schen" ist ein „Everyman-Todestanz", in dem der Tod als eine Verkörperung historischer Er­gebnisse erscheint. „Süss 'Saat und sauer Ern­tegut, / Dein Tauber zteuge Schlangenbrut. / Isaura, komme!" singen die Hexen kichernd. Interessant sind die Worte Luzifers. der doch in diesem Drama auch die Rolle des Todes spielt : „Ei, wie famos, in welche angenehme Gesellschaft mich der Zufall da gebracht! Wie lange harr' ich schon auf dieses Glück ! Dies wohlanständ'ge Heer zerlumpter [Hexen, Das doch die einstigen halbnackten [Nymphen An Unverschämtheit weit noch übertrifft. Mein alter Spiessgesell, der grause Tod, Der schroffe Tugend karrikierend, sie Dem Erdensohn zum Ekel werden lässt. Seid mir gegrüsst ! Hätt' ich nur Zeit, — [wie Schade, — Gern' möchte ich die Nacht mit euch ver­[plaudern. (Die Erscheinungen ver­schwinden). Adam muss einsehen, das Isaura unter dem Zwang der Weltanschauung ihrer Zeitgenossen der Liebe entsagen muss. Adam : „Geleit' mich, Luzifer, zu neuem Dasein ! Ich zog zu Feld' für heilige Ideen' Und fand nur Fluch in deren übler Deutung; Zu Gottes Lob' hat Menschen man geopfert, Mein treulich Trachten auszuführen war Der Mensch jedoch zu kümmerlich entartet, Veredeln wollt' ich unsere Genüsse,

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