KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

- 150 — Welt, die, wie das „wütende Heer", über alle Länder fliegend, in verschiedenen Gestalten des Jammers, der Gefahr, den Menschen erscheinen. Ihr gespensterhaft rauschender Flug wird von Rechstein folgendermassen dargestellt : „Sie rauschen, flattern über Land und Meer; Sie hüllen oft in Blumenduft sich ein ; Sie glühn verlockend oft im Freudenwein;... Wer zählt die bleiche fürchterliche Schaar, Die schon von Anbeginn gehorsam war Dem dunklen König, und ihm dient so gern Wie Mörderbanden ihrem Oberherrn ?" Es soll noch hingefügt werden, dass der „Wilde Jäger" nach einer Sagenvariante einst das Ober­haupt einer Räuberbande war und dass der Tod schon im Mittelalter als ein Jäger dargestellt 1 und „ein stritic jäger" genannt wurde 2 dessen Hunde die Krankheiten sind. 3 Dadurch wurde die Umwandlung des Todes in einen Quälgeist, in einen „Wilden Jäger" schon im Mittelalter bedingt. Im 5. Gedicht des Totentanzes von Frey („Thalfahrt") reitet dieser Quälgeist-Tod auf ei­nem Sarg. Er wohnt oben auf den höchsten Berg­spitzen und stürzt von Zeit zu Zeit in das Tal. um die Menschen zu erwürgen. Es ist interes­sant, was Frey zufällig von der .Todeshand sagt : „Die steife, wachsern gelbe Alplerhand" . Der „germanische Tod" ist auch wirklich ein Alp, ein Quälgeist. Auch im Totentanz von Bier­baum (1901) „Maestro To.d" ist der Tod der Führer des „wütenden Heeres", dessen sagen­haft unsichtbare Geister die Rolle des Orchesters übernehmen. Die Macht ihrer lockenden Musik ist unüberwindbar. Der Tod ist ihr Dirigent. Der germanische Tod wandert nachts, im Mondschein durch die Welt und seine toten und dämoni­schen Begleiter nehmen jeden Menschen in ihren traurigen Leichenzug auf, der ihnen auf der Landstrasse entgegenkommt. Wer das „wüten­de Heer" sieht oder vorüberziehen hört, der muss sterben. Diese Auffassung kommt zur Gel­tung auch im Gedicht von Ady Endre: A halál lovai 4. Auf geisterhaft geräuschlos dahingaloppie­renden und unbeschlagenen Pferden reiten die „traurigen und stummen Schatten-Ritter" im Mondschein. Woher sie kommen, wohin sie gehen, weiss niemand. Sie fliegen blitzschnell durch die schlafende Welt und immer haben sie für einen Lebenden einen freien Sattel. Plölz­lich bleiben sie vor einem Menschen stehen, dieser erblasst und muss ein Todes-Ross be­steigen. Und dann reitet der Tod auf der grell beleuchteten Landstrasse weiter, um neue Fahr­gäste zu suchen. Der Tod ist also der Führer der in seinem Gefolge reitenden Toten, die ihm in seinem mörderischen Amte behilflich sind. Von Gott verflucht und verdammt, kann 1 Grimm : Mythologie. S. 805. 2 Alfreds Metra XXVII. 13; Martina 125, 103. 3 Wartburgkrieg : Minnes. 3, 176 ff. 4 Die Pferde des Todes ; 1909. Válogatott versei. Bu­dapest. 1921, S, 93, der Tod nicht der Bote Gottes, sondern nur der Kamerad, der Bote des Teufels sein. Schon bei Abraham ä St. Clara ist der Teufel der Vater des Todes. Der germanische Tod kämpft gegen den Willen Gottes, er wird durch die Vermitt­lung des Bechstein-Totentanzes mit Mephisto­pheles identisch. Deswegen kann „Die Tragödie des Menschen" von Madách als ein Totentanz betrachtet werden, weil der Geist der Vernei­nung, Lucifer, auch den Begriff des germani­schen Todes personifiziert. Auch der germani­sche Tod verliert seine Wette im Bechstein'schen Totentanz. „Der geprellte Tod" 6 ist ein beliebtes Motiv des modernen Totentanzes. Im 19. Gedicht bei Bechstein sitzt der Tod auf einem Mammutknochenberg und sagt sel­ber, dass er, der mächtige „Wanderer", eigent­lich nur ein Toter sei : „Dann träumt' ihm, dass er längst gestor­[ben wär. Und wandle nur noch als Gespenst umher, Und in den Riesenthieren rund um sich Sah er sein eignes fürchterliches Ich. Da trieb's ihn fort, herauf, herauf zum Licht". Der germanische Tod ist also der Geist eines schon gestorbenen und verdammten Menschen, den — wie einst den „Wilden Jäger" — ein Fluch nötigt, auf der Erde umher zu wandern und die Menschen zu töten. Wie „der Wilde Jäger" und Achasverus, wünscht er endlich zu sterben und ins Grab gelegt zu werden. Aber seine Bitte wird nicht erhört. Er muss sehen, dass alle Wesen im Tod ihre Ruhe finden, während er alles zu überleben gezwungen wird. Es graut ihm vor seinem eigenen Ich, es schau­dert ihn vor seinem verfluchten Todes-Amte und spricht : 6 „Wie alt ich doch schon geworden bin 1 Hab nimmer Rast, hab nimmer Ruh, Und sehe dem ewigen Wechsel zu. Hier war vordem ein Eichenhain .... 0 Zeit, wohin ist der Eichenhain ? Nur jene Berge, die dort ragen Sind noch, wie in der Vorzeit Tagen, . . . Auch ich bin blieben, wie zuvor. 0 Zeit, Du Vater alles Seins I Lass alien's Leben — nimm mir meins ! Gar müde bin ich von manchem Gang, Nähm' doch ein Grab mich in Empfang 1" Er will die Welt verlassen und vergleicht sich im 44. Gedicht des Bechstein-Totentanzes (Der Räuber) mit dem Mond, dessen Leben schon längst erloschen ist, dessen Körper ebenso für einen Leichnam des Weltalls gehalten werden kann, wie der Körper des Todes, und der, wie von einem Zauber, ebenso im Bannkreis der Erde gehalten wird, wie der Tod, der die Erde nicht verlassen kann und aus dem Weltraum wieder zurückkehren muss : „Du armer Mond, Dich hält ein Zauberband 1" 5 Vgl. G. Falke : 5. Stück „Jagd auf Hochwild" und 6. „Der Radfahrer". 6 Bechstein : 25. Die Greisin.

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