KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

chentüchern bedeckt um das Bett des Mädchens versammelt — und flüchtete sich. So schützen die Toten jene, die für sie beten. Der Ritter von Thum soll i. J. 1371 zwei Priester beauftragt haben, dieses Exempel aufzuzeichnen. 1 Jene Toten, die von Gott mit einem Fluch bestraft wurden und deswegen zu be­stimmter Zeit auf die Erde zurückkehren müs­sen, um ihre Sünden wieder gutzumachen, kön­nen von einem sündenlosen Menschen gerettet werden. Den Fluch kann meistens nur ein rei­nes, unschuldiges Mädchen lösen. Eine arme Salzburgerin wurde von Eisen­berg ins Schortental geschickt, um Futter für das Vieh zu holen. Da traf sie dort ein ihr unbe­kanntes Dorf. Sie ging in das Dorf, um sich ein wenig Wasser und Brot zu erbitten. Vor dem Tor eines Bauernhauses stand ein weiss­bärtiger Greis und lud sie ein, in dieses Haus einkehren zu wollen, in dem soeben eine Hoch­zeit gehalten wird. Das Haus war ganz alter­tümlich und auch die Einrichtung musste sehr alt sein. In seltsamen Krügen wurde das Essen aufgetragen und man sprach hier eine dem Mäd­chen schwer verständliche Sprache. Die Braut trug Nonnenkleider. Der Bräutigam hatte alte Ritterkleider an. Der Greis sprach wohlwollend mit dem jungen Mädchen und als er sich über­zeugt hat, dass es die Sünde, die Lüge nicht kennt und rein, unschuldig ist, sagte er : „Habe Dank mein Kind, bald nun ist uns ewige Freude und Ruhe beschieden." Das Mädchen verstand nichts von dem, was in diesem Hause vorging. Es begann der Hochzeitstanz nach sonderbaren, aber auch manchmal nach bekannten Weisen. Die Tänzer tanzten immer schneller und aus­gelassener. Als die Fröhlichkeit so gegen Mit­ternacht ihren Höhepunkt erreicht hat, trat plötzlich geräuschlose Stille ein und es tönten zwölf geisterhafte Hornstösse durch die fin­stere Nacht. Hierauf verschwand augenblick­lich das ganze Dorf und das Mädchen stand allein auf einer Waldwiese. Das Mädchen eilte erschrocken nach Hause und in ihrem Körbchen fand sich das schöne Barett des Bräutigams vor, dabei einige Gold- und Silbermünzen und ein Pergament mit der folgenden Aufschrift : „Ritter Siegbert von Hainsburg hat Anno 1400 das edle Fräulein von Kunitzberg aus dem Klo­ster verführt und liess sich mit ihr im Dorfe Scor­towe trauen. Nach dem Tod mussten sie 100 Jahre im Fegfeuer leiden und in jedem Schaltjahre, am Tage des Vollmondes, wenn die Sonne im Zeichen des Krebses ist, in dem­selben (seitdem zerstörten) Orte eine Schein­hochzeit halten. Kommt ein frommes Mädchen ins Dorf, so sind sie erlöst." — Dies geschah. 2 — Charakteristisch ist der Tanz der Hochzeits­leute, der mitternachts immer schneller, aus­gelassener und dämonischer wird. Die Toten 1 Richard Muther: Die deutsche Bücherillustration der Gothik und Frührenaissance. 1460—1530. 1—II. Bd. München, Leipzig. 1884. Bd. 1. S. 64—65. 2 Eisel, Voigtl. S. 112. Henne-am Rhyn : Nr. 922. wiederholen hier jene Tat, duch welche sie auf der Erde gesündigt haben, wie nach einer ger­manisch-mythologischen Sage unter den „Wie­senhüpfern" auch der Geist eines Bauern er­schien, der im Leben mit seinem Pflug ein Stück aus dem Acker seines Nachbars gestoh­len hat und seit seinem Tode immer am Acker­felde erscheint, das er jetzt besser aufmessen will, als einst im Leben. Die grösseren Feste werden von den To­ten mit einem nächtlichen Reigen gefeiert. Nach einer christlichen Sage ritt ein Ritter am Weihnachtsabend an einem Kirchhof vorüber. Ein unbekannter Ritter bewachte den Eingang des Kirchhofs und lud ihn ein, am Weihnachts­feste der Toten teilzunehmen. Der Ritter trat in den Kirchhof und sah über jedem Grabe eine gespensterhafte Flamme schweben. Diese Flämmchen wanderten im Kichhof hin und her und begannen einen wunderschönen Reigen. Sie bewegten sich lautlos und doch rhythmisch im Kreise bis zum Anbruch des Morgens. Knapp vor dem Morgengrauen erschien über dem Kirch­hof die hl. Jungfrau mit dem Christuskinde am Arm. 3 Während der Tanz der Engel, des Teu­fels und schliesslich des Todes aus dem Orient stammt, ist der Tanz der Toten ein unter allen indogermanischen Völkern verbreiteter Glaube. Am Beginn des V. Jahrhunderts erzählt Clau­dian,* dass die gallischen Ufer (auch die Bre­tagne) ein Sammelplatz der wandernden Seelen seien : „iliic umbrarum tenui Stridore volantum flebilis auditur questus, simulacra colori pallida, defunctasque vident migrare figurás." Ja, bei den Arabern gab es ein „Kirchofsspiel", dessen Namen, wie wir dies schon erörtert haben, auf den französischen Toten-Tanz übertragen wurde. Die indogermanische Vorstellung vom Tanz der Toten ist auch auf zwei antiken Darstellun­gen erkennbar. Die Geschichte der Tänzerin in Cumae entspricht vollständig jenen germanischen Sagen, in denen die Toten nächtlich erscheinen und ihre irdischen Unterhaltungen fortsetzen. Im „Museum Florentinum" I, tab. 91 wurde von Gori ein Sardonyx veröffentlicht, auf dem ein Skelett vor einem flötenspielenden Hirten tanzt. All dies wurde von mir schon erörtert. Im Dialog Lucians von Samosata „Der Lügenfreund" wird Demokrit von Abdera als das Beispiel eines Mannes angeführt, der von allem Aberglauben und von jeder Gespenster­furcht frei war. Demokrit verbrachte sein Leben Tag und Nacht in einem Grabmal eines Kirch­hofs und schrieb und meditierte. Mutwillige Jünglinge wickelten sich in schwarze Leichen­tücher und erschienen mit grotesken Sprüngen tanzend und durch totenkopfähnliche Larven un­kenntlich gemacht vor jenem Grabe, in dem Demokrit studierte. Demokrit ist aber nicht er­3 Henne-am Rhyn Nr. 920. 4 in Rufinum 1. 123—133.

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