KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

Kaum ist er aber bei seiner Geliebten, muss er, noch bevor der Morgen anbricht, wieder zu den Toten zürückkehren. Er verabschiedet sich : „Hörst Liebchen, du die Hähne krähn ? Ist Zeit, dass die Toten wieder geh'n." Aber Christel will ihn nicht mehr verlassen und begleitet ihn durch den dunklen Wald. Kaum sind sie aber in die Nähe des Kirchhofs gekom­men, verschwinden die blonden Haare vom Haupte des Geliebten, und sein ganzer Körper verwandelt sich in ein Skelett. „Den Mond dort schau schöne Jungfrau du 1" — sagt der Bräutigam und verschwindet in einem Grabe. Christel setzt sich auf das Grab und weint. Sie will den Kirchhof solange nicht verlassen, bis sie nicht stirbt. Da aber wird eine geisterhafte Stimme hörbar : Christel möge das Grab verlassen, da ihre Zähren das Grab mit Blut füllen ; wenn sie aber glücklich und fröh­lich ist, füllt sich das Grab mit Rosen 1 Es ist charakteristisch, dass in den zwei vorangehenden Sagen der tote Bräutigam seine Geliebte ins Grab locken will, während er sie in der letzteren Variation vom Grabe schickt. Interessant, dass die Erscheinungsform des To­des und der Toten auch in diesen Sagen iden­tisch ist. Die Toten reiten, wie der Tod und der Tod erscheint ebenfalls auf einem fahlen Ross, wie die Toten. Auch der Tod klopft an die Tür, wie der Bräutigam der Christel. Die Zeit der Erscheinung der Toten ist Mitternacht, als aber der Hahn kräht oder die Turmuhr ein Uhr schlägt, muss der Tote in sein Grab zurück. Die Toten haben das gespenstige Licht des Mon­des gern. Der Untergang des Mondes mahnt sie zur Rückkehr. Der Mond ist ja das Skelett des Weltalls und daher auch das Symbol des Sterbens. Nach einer altdänischen Sage hat sich der tapfere Age mit der jungen Else verheira­tet Sie lebten glücklich auf einer Insel, bis Age einmal in einem weiten Lande im Kampfe starb. Else hat ihren Gatten umsonst erwartet. Als er nicht mehr zurückkehrte, da trauerte sie und weinte heftig von Tag zu Tag. Der tote Gatte vernahm ihre Trauer, stieg aus seinem Grabe und klopfte — mit dem Sarg am Rücken — an Eisens Tür. Sie umarmte ihren Gatten be­glückt, dieser aber bat Else, nicht mehr zu wei­nen, da ihre Tränen seinen Sarg mit Blut fül­len. Hierauf will Age zurückkehren und Else will ihn begleiten. Plötzlich aber kräht der „rote Hahn" und die Toten müssen in ihre Gräber eilen. Age sagt : „Schaue du zu dem Himmel Und zu den Sternlein auf, Da kannst du schaun, wie sachte Die Nacht wird zieh'n herauf. Das war die Jungfrau Else, Die schaute die Sternlein an, In's Grab versank der Tote, 1 Henne-am Rhyn : Nr. 934. Gar nimmer sie ihn sah, . . , Heim ging die Jungrau Else, Ihr Herz von Sorgen wund, Darnach am Monatstage Lag sie am schwarzen Grund." 2 Der „rote Hahn" dieser Sage ist einer der drei Hähne der „Götterdämmerung". Der Tote die­ser Sage trägt einen Sarg am Rücken, wie die Toten des Toten-Tanzes und der Toten-Sage in Trient. Mit solchen Motiven nähern sich wie­der Toten-Tanz und Totensage. 3 In einer altenglischen Bollade erscheint der Geist des Jünglings, Wilhelm, vor der Zim­mertür Margarethens, seiner Braut. Er pocht und begehrt stöhnend Einlass. Er fordert die Liebe und Treue des Mädchens zurück. Umsonst ruft ihn Margarethe, er möge in das Zimmer treten und sie küssen, er gibt ihr die Erklärung, dass er, ein überirdischer Geist, nicht in ihr Zimmer kommen darf und dass Margarethe von seinem Kuss sterben müsste. Margarethe will ihn in den Kirchhof begleiten und zu seiner Gattin werden, mit ihm im Kirchhof zusammen glücklich ein Ehe­leben führen. Der Geist ermahnt sie umsonst, dass sein Grab in einem Kirchhof jenseits des Meeres stehe, wohin man ihn nicht zu Fluss begleiten kann. Margarethe schürzt ihr Gewand auf und begleitet den Toten durch die kalte Winternacht. Sie frägt ihren Geliebten, ob er Raum für sie habe zu Häupten, zu den Füssen oder an seiner Seite. Weder zu Häupten, noch zu Füssen, noch zu seiner Seite wäre Platz für Margarethe — antwortet dieser — da er in einem Zimmer wohne, welches nur aus sechs Brettern zusammengefügt so klein sei, dass sogar ein Toter in ihm kaum Platz genug hätte Plötzlich kräht aber der „rote Hahn" und der Geist Wil­helms verschwindet mit entsetzlichem Schrei und Jammer. Margarethe sinkt aus Schreck und Trauer tot zu Boden. 4 In einer schottischen Ballade werden beide Geliebten in der Kirche begraben. Aus dem Grabe der Braut entspross eine Rose und aus dem des Bräutigams eine Linde. 5 Die Sage vom toten Bräutigam wurde viel­mals bearbeitet. Ausser einigen Motiven stimmt die Ballade Bürgers (Lenore) vollständig mit den hier besprochenen Sagen überein. Dasselbe Thema wurde von Ernst Barbach : Der arme Vetter (1918) in ein expressionistisches Drama umgestaltet. In einer ungarischen Sage 6 erscheint nicht der tote Bräutigam, sondern die tote Braut und reisst ihren Geliebten mitternachts in den ge­> 2 W. Grimm : Altdän. Heldenlieder. S. 73. 3 Henne-am Rhyn : Nr, 935. 4 Henne-am Rhyn : Nr. 37. Peray : Relicks ol an­cient englisch poetry, vol. 111. p. 112; Herder: Ursinus schottische Balladen S. 95. 6 Henne-am Rhyn : Nr. 938 ; J. Percy : Relicks etc. vol. 111. p. 119. Herder : Stimmen der Völker : Abt. II ; weitere ähnliche Variationen : Henne-am Rhyn : Nr. 939, 940, 941, 942 Bürgers Lenore. 6 Henne-am Rhyn • Nr. 944.

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