KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
III. Der Everyman-Todestanz
- 121 Das Patenkind des Todes heisst Faramund. Durch seine wunderbare Kunst heilt er die Mutter eines schönen Mädchens, Marias und erwirbt ihre Liebe. Wie Faust, zieht sich Faramund in sein Studierzimmer zurück und lebt seinen Liebesträumen. Da erscheint ein milder Greis, „der Meister", der Tod. Dieser hat nur ein Ziel, nur ein Glück will er erreichen, wonach er sich schon seit Jahrtausenden sehnt : — er will von einem Menschen geliebt werden. Der Vater Faramunds hat zwar wegen des überaus grossen Kindersegens viel gejammert, aber gerade als der dreizehnte Sohn, Faramund geboren ist, hat er den Tod doch nicht geruien. Aber der Tod hat das Herz dieses dreizehnten Sohnes erobern wollen. Er hat sich als Pate angeboten und als die Not im Hause des Vaters immer grösser wurde, nahm er alle zwölf Kinder und nur den dreizehnten Sohn hat er in seinen Schutz genommen. Diesen liebte er, diesen bewahrte er vor Krankheiten und gab ihm gute Erziehung. Aber umsonst entkleidet sich der Tod aller Schrecken, der Mensch kann sich von seinen kurzsichtigen Vorurteilen nicht befreien, und obwohl Faramund das Geschenk einer geheimnisvollen, wunderbaren Heilkraft vom Tod empfangen hat, kann er sein Grausen, das er gegen das Todesgespenst fühlt, doch nicht bekämpfen. Da der Tod ihm bei jeder Gelegenheit erscheint, besitzt Faramund die Prophetengabe, den Tod eines Menschen voraussagen zu können. Während eines lustigen Zechgelages sagt er einem Kameraden den Tod voraus und dieser fällt im Zweikampf mit einem Landsknecht. Als aber der Tod sich auch seiner Geliebten, Maria, naht und die Jungfrau tot auf ihrem Lager liegt, verflucht Faramund den Tod und stürmt in das Leben hinaus die Einsamkeit seiner Zelle verlassend. Als Wunderarzt wirkt er in einem Kloster. Der Tod erwidert seinen Fluch mit Liebe : „Der Fluch verweht, es stirbt die Klage, / Du rufst mit Reue deinen Feind / Und lächelst, wenn am letzten Tage / Der Feind als Tröster dir erscheint". Er geht seinem Patenkind nach, erscheint ihm als ein Mönch verkleidet und ermahnt ihn, das Kloster zu verlassen. Faramund eilt fröhlich weiter und es erscheint ihm die Gestalt der Fortuna von den Genien umgeben. Sie will ihn mit Reichtum und Freude beschenken, aber nur eine einzige Gabe enthält ihr Füllhorn nicht, den Wunsch Faramunds, den Sieg über den Tod, über den Feind aller Menschen : „Gib mir den Sieg, um den wir beide kämpfen. Die Herrschaft über meinen Feind, den Tod 1" Fortuna segnet und verlässt ihn. Atemlos eilt da Achasverus herbei. Voll Staunen hört Faramund, dass sein höchstes Glück der Tod sei, den er seit Jahrhunderten verfolgt und nicht erreichen kann : „Dem letzten Freunde sieh getrost entgegen. Der liebevoll dich eint der Erde Schoss 1 Nur der versteht des Todes ganzen Segen, Des Leben endlos, ziellos, hoffnungslos 1" Hierauf schliesst sich Faramund einer Schar von fahrenden Studenten an. Junker Vohland, der Hofmarschall, führt ihn an den Hof des erkrankten Kaisers, den er vom Tod rettet und der ihn zum Ritter schlägt. Vohland ist aber der Teufel selbst. Faramund will sich mit ihm gegen den Tod verbinden und verliebt sich in die Kaiserstochter, Beatrix, deren Gemahl er heilen muss. Der verräterische Vohland macht den Herzog auf den Ehebruch seiner Frau aufmerksam und Faramund wird ins Gefängnis geworfen und Beatrix wird vom Gevatter Tod berührt und stirbt. Im Gefängnis führt der Meister Tod sein gefangenes Patenkind im Traum in die Grotte, wo die Lebenslichter brennen und befreit ihn von den menschlichen Verirrungen und vom Hasse gegen den Tod. Vohland will ihn umsonst aus dem Gefängnis befreien, er geht nicht mehr, er liebt den Tod. Nachdem der Herzog gestorben ist, wird Faramund freigelassen. Von den menschlichen Leidenschaften befreit sieht er mit verklärtem Blick die Welt und das ziellose Treiben der Menschen und zürnt nicht einmal dann, als er erfährt, dass ein Marktschreier, ein Quacksalber, seinen Namen missbraucht. Faramund kehrt in sein Studierzimmer zurück und als ihn der Tod wieder besucht, sagt er ihm : „Du hast gesiegt. Im Herzensgrunde Ist längst der Hass zur Ruh gebracht. Mein Innres, wie in Jugendtagen, Liegt frei dir wieder aufgeschlagen". Der Tod fühlt, dass er in dieser gesegneten Stunde doch gesiegt hat und schickt den einzigen Menschen, der ihn liebt, Faramund, wieder in die Welt, damit er die Menschen von allen Krankheiten wieder befreien und seinen Wirkungskreis ohne dämonischen Einfluss erfüllen kann. Faramund ergibt sich der Liebe des Todes, indem er ihm zuruft : „Komm, wann du willst 1" Aber der Tod antwortet gütig : „Ich komme, wann die Stunde mein. Du aber fühl's im Herzen tagen : Es reift im Dasein dem allein Ein Leben, der im Herzen rein, Glück, Liebe, Tod vermag zu tragen." Im Drama von Roquette wird die Gestalt des Todes wieder einmal mit der Sage des ewigen Juden, Achasverus, vereinigt. Ausserdem ist aber der Charakter Faramunds und des Todes eine kunstvolle Neuerung des Dichters. Der Tod ist nicht teuflisch, sonst würde er einem Menschen keine so wunderbare Heilkraft schenken, um andere Menschen vom Tod zu befreien. Die Sehnsucht des Todes, von einem Menschen geliebt zu werden, ist die Sehnsucht des Bechstein'schen „Wanderer"-Todes, der durch einen göttlichen Fluch auf die Erde verbannt, die Erde nicht verlassen und sich vom schrecklichen Amt eines Menschenmörders nicht befreien kann. Eine glückliche Neuerung ist der Charakter des Patenkindes, Faramund. Er ist eigentlich eine Übertragung der Faustgestalt auf das Patenkind des Gevatter-Todes. Seine Geschichte ist Reinigung, Befreiung von Leidenschaften und vom Hasse gegen den Tod, der doch dem Menschen freundlich gesinnt und die Pforte des ewigen Lebens ist. Der Tod tritt auch in späteren Totentänzen als ein Wunderarzt auf. So erscheint er im 4. prosaischen Stück des Totentanzes von Gustav Falke 1 als der „Herr Doktor", der „Herr Geheimrat", der die alte Frau gütig und wohlwollend behandelt und sie schliesslich von ihrem lästigen Leben befreit. Auch im Totentanz von A. de Nora (1906) tritt der „Geheimrat Tod" auf. Der Name stammt aus dem Totentanz von Falke, aber der Grundstock der Novelle von Nora erinnert an das Märchen vom „Gevatter Tod". Der Arzt hält den „Geheimrat Norden" für den Tod selber und sieht auch den Tod in einer Vision zu Füssen seines eigenen Bettes. Im Grimm-Märchen vom Gevatter-Tod wird nicht nur ein Arzt vom Tod getötet, sondern auch der T<jd wird von einem Arzt überlistet. Dieses Motiv diente in einigen Karikaturen zum Spott über die Ärzte. Auf einer Karikatur von Thomas Rowlandson (1782) stürmt der Tod durch das Fenster in das Krankenzimmer. Der Arzt, der am Bett des Kranken steht, empfängt ihn mit der Kristierspritze. Der Kranke sitzt am 1 Mynheer der Tod. 1892 ; 4. Das Familienalbum.