KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
Zweiter Abschnitt: Romanische Weltanschauungs-elemente im Totentanz
dem Ptolemäusstern identisch ist ! Die Zwei Tetraeder im Würfel bedeuten also nach der mittelalterlichen Weltanschauung das mystische Ineinanderdringen von Gott und Schöpfung, während in der Mitte der ganzen geometrischen Figur durch die Durchschnittslinien der Tetraederflächen ein Oktaeder entsteht : das Symbol für die materielle Welt zwischen Gott und Mensch 1 In einem Würfel sind also zwei Tetraeder, drei Dimensionen, vier Achsen, sechs Flächen, acht Ecken und zwölf Kanten. Und das ganze ist „ein Würfel"! Es ist der „cubus symphonicus"! So hiess der „musikalische Würfel", da doch die Musiktöne mit denselben Zahlenverhältnissen zum Ausdruck gebracht werden konnten. Der Oxforder „organiolus" 1 und das musikalische Zahlensystem auf dem Kreuzbilde des Evangeliars der Uta 2 stehen uns schon als 1 41 1 ív 1 yj? y / \ I Abb. 26. Die sechs Flächen eines Würfels : ein Kreuz. bekannte Beispiele für diese Weltauffassung des Mittelalters vor Augen ! Die Verhältnisse der Zahlen IV, VI, VIII und XII, veranschaulicht die oben Abb. 10 S. 76 beigefügte Figur, auf welcher wir die sieben Töne der C-Dur-Skala samt der Oktave in einem merkwürdigen System betrachten können, welches schon der Nonne Hrotsvitha wohl bekannt war ! Sie wusste nur die Namen der einzelnen Töne nach dem Solmisationsgesetze noch nicht ! Die Namen ut, re, mi, fa, sol, la, si und ut sind bekanntlich die Anfangssilben der ersten Strophe eines mittelalterlichen Hymnus an den hl. Johannes den Täufer mit dem Anfang „Ut queant laxis resonare fibris, Mira gestorum famuli tuorum . . ." usw. Diese Zeilenanfänge 1 Vgl. GTT Bd. I. S. 176. 2 Vgl. GTT Bd. I. S. 172 und 179. und Einsätze nach der Verszäsur begannen von c nach oben bis c 1 ausgehend immer mit einem I on der Tonleiter höher. Und Guido von Arezzo, 3 der Erfinder der „vierlinigen" Notenschrift, gab den Tönen der C-Dur-Skala die Anfangssilben des erwähnten Hymnus, um dadurch seinen Schülern die Intonation zu erleichtern, nachdem nun „ut" nicht nur „C", sondern eine beliebige Tonhöhe bedeuten und das ganze Solmisationssystem das relative Gehör unterstützen sollte. In einer einzigen Oktave sind also zwei Quinten, — sie wurden schon bei Hrotsvitha als die Symbole für Makrokosmos und Mikrokosmos angesehen. Ihnen gegenüber steht die „Dreiheit" der zwei Quarten und der Sekunde . . . Wenn man dann im Verhältnis 1 : 2 die Oktave erblickte, in 2 : 3 die Quinte, in 3 : 4 die Quarte und später in 4 : 5 die grosse Terz, in 5 : 6 die kleine Terz usw., so hat man eigentlich mit den Grundzahlen des Würfels, des „cubus symphonicus", ein Zauberspiel getrieben, d. h. mit den Zahlen IV, VI, VIII und XII. — Gehört dies alles tatsächlich in den Bereich der mittelalterlichen „Kreuz mystik"? Unbedingt würde diese mystische Welt des „musikalischen Würfels" mit dem Kreuze zusammenhängen, wenn auch der Illustrator des Evangeliars der Uta jenes wundervolle mystische Kreuzbild nie gezeichnet hätte ! Denn : legt man alle Seitenflächen des Würfels in einer Ebene so aneinander, dass jede mit den benachbarten längs einer Kante zusammenhängt, — so entsteht ja ein Kreuz, wie dies auch auf der hier mitgeteilten Figur Abb. 26 leicht zu sehen ist ! 4 Und nun möchte ich nochmals auf jenes prachtvolle Kreuzbild im Evangeliar der Nonnenkönigin Uta zurückkehren, welches ich schon im ersten Bande meiner GTT eingehend behandelt hatte. 5 Ich stelle fest, dass der Maler dieses Bildes vor allem jene griechischen Namen sämtlicher im Mittelalter gebrauchten Musiktöne kannte, aus ihnen zur Zahl XII, und als Symbol für „Universum", ein Monogramm geformt hatte, welches ich schon im ersten Bande meiner GTT an entsprechender Stelle gelöst habe! Aber unser Maler hat gegen 1050 6 auch die Solmisationsgesetze und -Namen des Guido von Arezzo gut gekannt und machte aus der Interpretation der einzelnen Monogramme im Zusammenhange mit den Namen „ut, re, mi, fa, sol" usw. ein weiteres Rätselspiel, — auf welches ich erst seit der Erscheinung des ersten Bandes meiner GTT nachträglich daraufgekommen bin! Nun möge man mir verzeihen, wenn ich diese meine interessante Entdeckung vorlege ! Vor allem möchte ich darauf hinweisen, dass der Text des St. Johannes-Hymnus, aus 3 Aretinus ; geb. ca. 980 und gest. 1050 als Prior des Kamaldulenserkloslers in Avellano. 4 Vgl. Kennsbert, a. a. 0. S. 78 ft. 5 Vgl. dort S. 172 ff. 5 Vgl. GTT Bd. I. S. 169 ffl