KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Anhang

- XV ­eines Papstes und eines deutschen Kaisers liegen, kniet eine grosse Menge nach verschiedenen Ständen gruppiert. Über diese Menge, über Gute und Sünder zugleich, er­geht Gottes Gericht, — wie sich im mittleren Streiffen des „Jüngsten Gerichtes" in Autun ebenfalls die Richtstätte be­findet — und die drei Toten sind die Vollstrecker des Ge­richtes auf Erden, wie dort die skelettierten Teufel im Jen­seits. Dass es sich hier um ein „Gericht" über die ganze Menschheit handelt, beweist das Legendenbild in Pisa, wo die Seelen der von der „Dea la Morte" getöteten Standesvertreter bald von Engeln in den Himmel, bald von Teufeln in die Hölle getragen werden. Auch unter dem dritten, dem untersten Totentanzstreifen des Clusoner Bil­des wurden die „vier letzten Dinge" dargestellt, von denen sehr viel die zur erwähnten Seitentür emporführende Stiege verdeckt, und von denen am unteren Ende dieser Stufen­reihe, bei einer anderen Tür, nunmehr Reste des Purgato­rium-Bildes in einem völlig zerstörten Zustande aufgefun­den wurden. Während im mittleren Streifen, vom Be­schauer aus rechts und im Vordergrunde, die Vertreter der vornehmsten Stände knien und ihre Schätze dem „Kö­nig Tod" als Lösegeld für ihr Leben anbieten, fallen auf der anderen Seite, vom Beschauer aus links, ganz knapp­am grossen Sarkophag, ein Bischof, ein Edelmann, ein Mönch zu Boden. Einen zweiten Mönch trifft der schon abgedrückte Pfeil des links stehenden Toten in die Brust. Hier, auf der am Bild mit A bezeichneten, etwas beschä­digten Stelle lagen. — wie auch an anderen Stellen die­ses Streifens, — die Leichen der schon getöteten Men­schen im wüsten Durcheinander auf der Erde. Im Vorder­grund des Bildes, vom Beschauer aus links, ereilen die Pfeile des einen Toten drei Reiter, die sich soeben auf der Jagd befanden. Der erste Reiter, dessen Falke davon­flug, sinkt von einem Pfeil getroffen am Pferde nach rück­wärts. Die beiden anderen vornehmen Jäger wollen sich noch mit ihren Jagdhunden flüchten. Es sind die drei bö­sen Gesellen Everymans. Im Hintergrunde schliesst den Horizont eine dichtgepflanzte Reihe von menschenhohen Sonnenblumen. In der Originalen Fassung musste hier ein Laubwald stehen. Aber der Erneuerer des Bildes hat hier Sonnenblumen gezeichnet und sogar dort nahm er diese Änderung vor, wo eigentlich schon Menschengestalten knien sollten. Dies beweist jenes Gesicht, das noch unter den Sonnenblumen sichtbar wird. Zwischen dem Mönch, den im Hintergrunde ein Pfeil trifft, und diesem „Laub­wald" kniet, nach dem in der Mitte stehenden Sarkophag gewendet, ein alter Eremit, der in den bittend gehobenen Händen einen Gürtel oder vielleicht eine Stola, ein Ska­pulier hält. Hinter ihm versteckt sich ein ebenfalls mön­chisch charakterisierter Jüngling, den die Todespfeile scheinbar nicht treffen. Diese beiden Gestalten gehören auch noch zur erweiterten Gesamtlegende, sie sind der alte Eremit und der bekehrte Everyman. Diese beiden sehen alles in Vision und sehen dann auch den Zug der Toten und Lebenden im dritten, untersten Streifen, wo je ein Skelett mit einem Standesvertreler aus einem Bein­hause oder dem Torbogen einer Kapelle tritt und in ei­nem dichten, aber regelmässigen Gedränge, in der Hal­tung eines langsamen, feierlichen und traurigen Tanzes von links nach rechts zieht. Dass es sich wirklich um eine totentanzartige Behandlung der Geschehnisse der Gesamt­legende handelt, beweist die Gestalt der „irdischen Schön­heit", ein Weib, das sich im Spiegel beschaut. Es ist eine Gestalt knapp vor dem Tore links und wird von zwei Skeletten begleitet, was das Szenenartige im Rahmen des Totenreigens noch mehr hervorhebt. Vor der „irdischen Schönheit" schreitet ein Mönch des Ordens der Disciplini. Man glaubt, dass. wenn es überhaupt „Totentanz-Volks­spiele" gab. so waren es allererst diese Mönche, welche ein solches Schauspiel selbst mit Vorliebe aufgeführt ha­ben. Ihre herabgezogene Kapuze diente gleich als Toten-, bzw. Todes-Maske. Die übrigen Stände der Toten-Tanz­Reihe gehören dem bürgerlichen Stande an. — Phot, nach Vallardi : Tionfo e Danza della Morte... Milano 1859, Taf. f. - Vgl. Tabelle A IIio —u­Tafel XX. — Der „Ackermann aus Böhmen" und die Totenlegende von Kermaria. Fig. 1. — Der „Kläger" erscheint vor dein „König Tod". — Der „Dialógus Mortis cum Homine ", das Gedicht mit dem Anfang „Quis es tu, quem video hie stare sub figura?", welches wir als „Everyman-Dialog" kennen ge­lernt haben, gehört zur Familie der Visionen. Auch die Vision des „Magister Polycarpus", welche ich im ersten Bande dieses Werkes (und auch in meiner Doktorendis­sertation 1925) nach der Münchener Handschrift Cod. lat. 16469 dem vollen Umfange nach veröffentlicht hatte (vgl. GTT Bd. 1. S. 229 ff.), ist ein Zweig der Literatur jener Visionen und Dialoge, welche, von der Seite der sog. „Streitgedichte" aus, der Everymanlegende und Ge­samtlegende angeschlossen wurden. Von der S. 221 be­ginnend habe ich es schon im ersten Bande dieses Wer­kes ausreichend gezeigt, wie weit diese „Todes-Dialoge" als Vorläufer der Gesamtlegende betrachtet werden kön­nen. Nun ist knapp vor der Entstehung der ersten Toten­und Todes-Tänze oder vielmehr mit diesen gleichzeitig ein ganz selbständiges Werk entstanden, das in Böhmen, in einer Grenzwarte des deutschen Humanismus und der Renaissancebewegung, im Jahre 14C0 aus deutschen und lateinischen, mittelalterlichen und altertümlich-klassischen Traditionen des XIV. Jahrhunderts emporkeimend, für un­sere Forschungen deswegen so ungemein wichtig erscheint, weil es von einer allgemeinen Verbreitung der Gesamt­legende vor 1400 ein bestimmtes Zeugnis ablegt und sie als schon etwas Bekanntes annimmt Es ist das Zwiege­spräch des „Ackermanns aus Böhmen" mit dem „König Tod". Der Verfasser, Johann von Tepl (geb. 1350 in Schüttwa und gest. ca. 1414), ist selber jener „Ackermann der Schriftgelehrsamkeit", der mit seinem „Pfluge", mit der Feder, nicht nur als Rektor, städtischer Notar oder Stadtschreiber seiner Heimatstadt Saaz und später auch als ölfentlicher Notar von Prag-Neustadt ein sehr frucht­bares und gemeinnütziges Amt verwaltete, sondern auch in diesem Dialoge zwischen dem Kläger Ackermann und dem König Tod, in einem der schönsten Denkmäler deut­scher Prosa, in den Boden der bedeutendsten allgemein menschlichen Probleme tiefe Furchen zieht. Am Tage von Petri Kettenfeier, am 2. August 1400. ist ihm seine erste Frau Margareta im Kindbette gestorben und nach dem Zeugnis der Handschrift Cod. Frib. 163 (fol. 96b. 97a) hat er dieses sein Werk, in welchem er die brennendsten Probleme seiner Trauer darlegt, mit einem Widmungs­schreiben an Peter Rothirsch, Bürger von Prag, noch am 23. August 1400 abgeschickt. Die Ausgabe des Textes von Alois Bernt und Konrad Burdach (Einleitung, Kritischer Text, vollst. Lesartenapparat, Glossar, Kommentar. Berlin 1917: S 1—146) mit ihrem ausführlichen Bericht über die 16 Handschriften und 17 Frühdrucke, sowie über die ver­schiedenen Illustrationen enthebt uns der Plicht. hier dar­über eingehender berichten zu müssen Die hier, aus einem Frühdruck des Ackermann-Textes stammenden Holzschnitte entnahm ich der verdeutschten Ausgabe in der Insel-Bücherei (Nr. 198, von Alois Bernt besorgt). Wenn auch dieser lllustrationstypus sich erst nach jener Ausgabe richtete, welche unter den ersten Druckwerken zwischen 1460 und 1464 die Presse Albrecht Pfisters in Bamberg verhessen (vgl. W. Stammler : Von der Mystik zum Barock. Sluttg. 1927, S. 20). so folgen sie doch einer früheren Handschriftentradition, die sich offenkundlich aus dem Darstellungsmaterial der Gesamtlegende nährte. Auf diesem ersten Bilde steht hier der Ackermann aus Böhmen als „Kläger" vor dem „König" Tod. Der Sarg der toten Frau steht offen, vor ihm steht sein jüngstes Kind. In der rechten Hand führt der Tod eine Haue, in der linken eine Schaufel, so wie er im 16 Kapitel auch ein Wandgemälde in einem Tempel Roms beschreibt, wo der Tod mit verbundenen Augen auf einem Ochsen reitet und ebenfalls Haue und Schaufel in den Händen hält. Dass diese Illustrationen auch im Texte selbst begründet irgendeiner todestriumphartigen Darstellung der Gesamt­legende entquollen, beweisen auch die nächsten Szenen. — Holzschnitt fol. lv aus dem Bamberger Druck der Of­fizin Pfister (vielleicht 1461). Exemplar in Wolfenbüttel. Fig. 2. — Der Tod und die höheren Stände. — Im 6. Kapitel fragt der Tod, was geschehen würde, wenn er von allem Anfang an für jedes Geschenk die Menschen am Leben lassen hätte sollen und sagt : „Aller Welt Kai­sertümer wären heute Unser, alle Könige hätten ihre Kro­nen auf unser Haupt gesetzt, ihre Zepter in Unsere Hand

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