KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Anhang

- Xlll ­bläst. Die Hörner der Auferstehung und des Jüngsten Gerichts ! Zwei Engel, die das Horn des Gerichtes über die Erde ertönen lassen, schliessen auch den mittleren Streifen. Vom Beschauer aus rechts, an der linken Seite Christi, befindet sich die Richtstätte. Eine grosse Waage ist in die Decke eingehängt. Auf die eine Schale dieser Waage haben zwei Teufel (rechts) die Zeichen irdischer Würden gelegt, d. h. die Sünden der zu richtenden Seele und scheir.en diese Waagschale herabziehen zu wollen. Beide Teufel sind nicht nur in geisterhafter Lange dar­gestellt (diese Eigenschaft haben auch die Heiligen des Bildes), sondern ihr auffällig magerer Körper zeigt Spuren der skeletlierenden Darstellungsart. Die Beine sind gerieft, als wenn dadurch angedutet werden sollte, dass sich die Haut über die fleischlosen Knochen in Fallen gelegt hat. Rud. Helm meint (Skelett- und Todesdarstellungen bis zum Auftreten der Totentänze. Strassburg 1928, S. 39), dass die Beurteilung dieser Teufelsgestalten schon die Sache einer Teufelsikonographie sei und dass „der Teu­fel wohl hässlich und mager" gezeichnet wurde, aber dass „niemals der Versuch gemacht wird, über eine be­stimmte Grenze hinauszugehen, oder ihn etwa mit dem Tod zu identifizieren". Die Bilder GTT Bd. I. Taf. III. Fig. 7—8, weiter fast sämtliche Bilder auf der Tafel IV. des ersten Bandes meines Werkes GTT, sowie die An­gaben dpr Todesikonographie desselben Bandes, haben eine grössere Anzahl von Fällen gezeigt, in denen der Teufel mit dem Tod identifiziert und der Tod als eine Teufel oder eine Furie gezeichnet wurde. Wenn wir also sehen, dass von den beiden Teufeln einer besonders ske­lettiert erscheint, dass sich um seine Beine eine Schlange windet (dieselben Schlangen weisen auch an vielen To­desbildern auf den Verwesungszustand des I eichnams­körpers der Todesgestalt hin 1, so kann ruhig festgestellt werden, dass diese Teufelsgestalt von der Darstellungs­weise des Todes wenigstens nicht mehr weit steht Auf die andere Schale der Waage auf der jenseitigen Richt­stätte stellte ein Engel die Seele des Verstorbenen selbst und wahrscheinlich die Symbole seiner guten Taten, wel­che aber nicht zu unterscheiden sind. Neben der Waage, ganz rechts sieht man den Eingang der Hölle. Oben schürt ein mit tierischer Fratze gezeichneter Teufel das Höllenfeuer, aus dem Höllentor beugt sich ein Teufel her­vor, dessen Haupt scheinbar ein Totenschädel ist und er­greift jene abgeurteilten Seelen, welche vor dem Höllen­tor seiner harren. Auf der anderen Seite dieses mittleren Streifens, zur linken Seite des Bildes vom Beschauer aus, vom Heiland rechts, sehen wir die Darslellung des „Himm­lischen Jerusalem". Engel helfen die Seelen in diese Stadl eintreten, übermenschlich gross gezeichnete Heilige neh­men die Seelen der Gerechten in ihre Obhut. Am wich­tigsten für uns ist die Bedeutung des untersten, dritten Streifens mit einem langen Zug eng aneinander geschlos­sener Auferstandener, welche von links nach rechls zie­hen. Auch Helm betont (a. a. 0. S. 40) welche Bedeutung für die Entstehungsgeschichte „der zuerst verbreiteten To­tentänze" jener Umstand hat, dass auf den meisten fran­zösischen Auferstehungsbildern, aber besonders auf dem­jenigen in Autun, die zum Judicium Universale" aufer­standenen Toten auf ihrem Wege zur Richtslätte einen regelmässig nach einer Seite dahinschreitenden Zug bilden, wobei dieser mit ihren gebogenen Beinen, der schweben­den und geisterhaften Haltung ihres Körpers und ihrer Hände einem gespenstigen, leicht hin und her wogenden und nach der Art der Irrlichter wallenden Tanzreigen ähn­lich ist. Dieser dritte Streifen ist zwar schwer zu deuten, doch erlaube ich mir festzustellen, dass es von hier zu den Toten-Tänzen nur eines einzigen Schrittes bedarf, wo die auferstandenen Toten eines Kirchofes die Lebenden, oder besser gesagt Sterbenden, in einem gleichen Zug zum Judicium Paritculare" führen. Nur ein Blick auf den Toten-Tanz-Zug des unteren Streifens zu Clusone (auf der nächsten Tafel), wo sich Tole und Lebende ebenfalls so eng aneinander schliessen und von links nach rechts schreiten, genügt, um den keineswegs zufälligen Zusam­menhang beider Darstellungen einzusehen. Es stehen auch in Autun fast durchwegs zwei Gestalten auf je einem grabsteinartigen Piedestal, auf dem sich unler jedem Paare ein Text befindet, den ich, — wie auch die übrigen Auf­schriften des ganzen Reliefs, — leider wegen der allzu kleinen Reproduktion Helms nicht enträtseln kann. Wahr­scheinlich sind sie auch auf dem Original nicht mehr leicht lesbar. Es wäre ganz falsch, mit Helm zu be­haupten, dass die Auferstandenen von dem Engel in der Mitte in eine rechte und eine linke Gruppe geteilt würden, so dass von diesem Engel links (vom Be^ schauer aus) die Seligen, rechts aber (vom Beschauer aus) die Verdammten stünden I Der Engel in der Mitte schiebt jene vor sich hin, welche auf der rechten Seite des Bildes ebenfalls nach rechts schreiten, und ruft jene, die auf der linken Seite des Bildes erst kommen, um den Vorangegangenen zu folgen. Auf der linken Seite des Bil­des. also unter dem Himmlischen Jerusalem, schreiten noch die Auferstandenen erhaben daher, sie werden auch als Würdenträger charakterisiert (wie die zwei Gestalten mit Hirtenstab als Bischöfe gekennzeichnet sind), aber je mehr sie sich der anderen Seile nähern, umso mehr er­scheinen sie in sich gekehrt, furchtsam, geknickt, gebeugt, erschrocken. Auf der linken Seite des Bildes tritt noch ein zweiter Engel auf, der die Gestalt eines Auferstande­nen gegen zwei gnomartig gezeichnete Gestalten zu schüt­zen versucht. Vielleicht ist die Gestalt, welche von rechts ihre Hände emporhebt auch ein hilfesuchender Auferstan­dener. Es ist schwer zu sagen, ob die fratzenhaft und ge­spenstig verzerrt gezeichneten, kleinen Gestalten, welche sich unter die erhaben dahinschreitenden Auferstandenen dieser Seite mengen, ebenfalls Auferstandene oder eher Teufel sind, die die Auferstandenen in ihre Macht locken wollen und von denen sich einzelne Auferstandenen mit Grausen abwenden. Wenn diese kleinen Gestalten keine Auferstandenen sind, sondern Teufel, so stellen sich auf dieser linken Seite des Bildes einigemal ein Auferstande­ner und ein Teufel paarweise auf. Der ganze Zug bewegt sich aber zu einer Stelle des untersten Streifens, wohin auch von der anderen Seite die Auferstandenen streben. Diese Stelle befindet sich knapp unter der Richstätte des mittleren Streifens, woher zwei geisterhafte Hände gerade herabreichen, um einen Auferstandenen zur Richtstätte emporzuheben. Der Weg der Auferstandenen führt also an dieser Stelle hinauf in den mittleren Streifen und wenn der Einzelne hier abgeurteilt wurde, so fällt er entweder rechts in die Hölle oder schreitet — wie die hinter dem Engel bei der Waage sichtbare Gestalt eines Seligen — mit einer Tafel, worauf seine guten Taten geschrieben stehen, hinter der Mandorla Christi auf die andere Seite der Seligen, wo diese in die Stadt des Himmlischen Je­rusalem versetzt werden. Mit Helm will auch ich nicht behaupten, dass der Toten-Tanz-Reigen, so wie er ist, dU rekt aus diesen Darstellungen des Jüngsten Gerichts ent­standen wäre, aber ein Vergleich mit dem unteren Strei­fen der Darstellung in Clusone wird uns sicherlich über­zeugen müssen, dass hinter den Darstellungen des Judi­cium Universale und des ludicium Paritculare der Toten­tänze ein gleicher Grundgedanke, ja sogar eine gleiche Darstellungsmethode waltet. Eine ähnliche Architektur und einen fast gleichen Gedankengang zeigt die Darstellung des Tympanons am Hauptporlal der heute noch siehen­den Kirche der ehemaligen Benediktiner Abtei zu Vézelay (Diöz. Autun) aus dem XII —Xlll. Jh. Aus dieser allgemein verbeiteten Zeitmode ist aber auch schon im XII. Jh. z. B. am Portal der S. Trophime-Kirche zu Arles eine durch stilisierte Vereinsfachung gewonnene regelrechte und ein­gebürgerte Kunstform entstanden, welche auf den Todes­und Totentanz als Kunstform sicherlich nicht ganz ohne Wirkung blieb. - Phot, nach Helm : a. a. 0. Taf. III. Nr. 13. Tafel XIX. — Petrarcas Trionfi und der Toten­tanz von Clusone. Fig. 1. — Trionfo della Morte in Wien. — In der Handschrift der Wiener Nationalbibliothek Nr. 2649, fol. 25a befindet sich die Illustration des Todes-Triumphes Petrarcas von Jacobus Veronensis aus dem Jahre 1459. Die klare Deutbarkeit der Elemente der Gesamtlegende wird zu dieser Zeit schon verwischt und mit den Elemen­ten des Todes-Triumphes vermengt. Der Tod, ein Skelett, das auf einem schwarz überzogenen Wagen steht und in ein schwarzes Tuch gehüllt mit seinem Bogen und Pfeil nach rechts zielt, will soeben einen König töten, welcher samt der neben ihm stehenden Gestalt eine Schüssel Geld dem Tod als Lösegeld für sein Leben anbieten möchte.

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