KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
Anhang
- X Der Reiche und der Arme sind gleichzeitig gestorben. Der Reiche wird in der Hölle vom Teufelsfürsten gepeinigt und bittet umsonst einen kühlenden Tropfen von Abraham, in dessen Schoss Lazarus sitzt. Fig. 17. — Die dritte Vision Everymans von der Nichtigkeit der Wellmacht. — Fol. 23b : Wie in der Münchener Hschr. Cod. Germ. 3974 die Legende von den drei Lebenden und drei Toten, welche in Metz, Subiaco und Pisa vor Everymans Bekehrung stand auf den Schluss der Augsburg-Münchener Legendenform verlegt wurde, so wird auch hier die dritte Vision Everymans von der Nichtigkeit der Weltmacht durch diese Legende der drei Lebenden und toten Könige ersetzt. Sie spielt hier dieselbe Rolle, wie in der Handschrift zu St. Gallen das Ständegedicht. Wie wir es noch auf Grund einer weiter unten (Taf. XVIII.) mitgeteilten Variante dieser Legende feststellen werden, gehört sie zu den ursprünglichsten Everymans-Visionen, da sie eigentlich das Lebensrad mit dem Gisant-Typ-Rad vereinigt und beide gleichzeitig zum Ausdruck bringt. Und das Lebensrad war ja die eigentliche Quelle des Jedermann-Begriffes. Fig. 18. — Ein Gedanrie der Fuldaer Version in der Legendenform von Donaueschingen. — Fol. 29b : Nach dem Bilde der drei Lebenden und drei Toten hat der Kompilator der Zimmern'schen Totentanzhandschrift (fol. 24a —29a) eine grössere Anzahl von Texten in die Trier-Homburger Legendenform eingeschoben, welche aus den verschiedensten Varianten der Gesamtlegende oder Everymanlegende stammen, aber mit dem auf Grund bisheriger Darstellungen klargelegten Zusammenhange der Trier-Homburger Form nichts zu tun haben. In der Handschrift Cod. Nr. Aa. 136 (fol. 108a) der Ständischen Landesbibliothek zu Fulda droht der Tod in einer primitiven, mit Vadomori verbundenen Form der Everyman-, bzw. Gesamtlegende: „Ante fores sto, mox ero presto, peruigil esto . . ." Hier, auf unserem Blatte, sieht es der visionäre Mann der Donaueschingener Legendenform in Vision, wie der Tod an einer Tür anklopft, um einem Menschen sein nahes Ende anzukündigen. Fig. 19. — Everyman dankt für die Visionen. — Fol. 30a : Dieses Blatt beweist, dass auch nach der Auffassung des Kompilators die bisherigen Szenen und Texte zu den Visionen des bekehrten Mannes gehörten. Die Geschenisse der Gesamllegende werden also hier restlos zu Ende geführt. Die übrigen Varianten blieben in der Entwicklung der Geschichte Everymans bei seinen drei Visionen stocken. Hier kniet der Bekehrte vor Gott und, nachdem er aus seinem Visionentraum erwacht ist, dankt er dem Herrn für die fruchtbare Lehre. Zwischen zwei Bergen ist der Tagesweg der Sonne dargestellt, als wenn der Zeichner damit einen Teil des Zeitrades andeuten hätte wollen. Über der Sonnenstrasse erscheint in Wolken Gott selbst und weist mit der Rechten zurück auf die vom Bekehrten betrachteten Visionen. Damit schliesst die Donaueschingener Form der Gesamtlegende. Was weiter folgt, ist nur Wiederholung einer anderen Variation. Fig. 20. — „Visio Heremitae". — Nach dem holbeinartig illustrierten Text des Zimmern'schen Totentanzes wiederholt der Kompilator (fol. 132b) eine andere Version der Gesamtlegende. Es ist die „Visio Heremitae", welche auch die späteren Fassungen des französischen Totentanzes beschloss und nach Holztafelbildern des lateinischen Desrey-Totentanzes aus einer Münchener Hschr. Cod. lat. 14053 im ersten Bande dieses Werkes GTT Tafel VIII, Fig. 13—16 unter jenen Bearbeitungen veröffentlicht wurde, in denen schon die drei Lebenden und Toten der bekannten Legende als Vertreter irgendeiner „arabischen Nichtigkeit" behandelt werden. Everyman liegt am Sterbebette (wie auf der Darstellung des Breviariums von Grimani). Ein Geistlicher bestärk! ihn mit Vergänglichkeitshehren. Seine Lehre wird durch eine im Vordergrund liegende Totengestalt (Gisant-Typ-Element der Metz-SubiacoPisaer Versionen) verbildlicht. Die zwei „frouwen" der Everymanlegende. — hier zwei Engel. — trösten den Sterbenden mit jenem Gedanken, dass der Tod ein allgemeines Los der Menschen sei und dass ohne Ausnahme alles vergänglich is! : die Macht, die Schönheit und auch die Wissenschaft. Diese Lehre betrachtet dann der Sterbende in Visionen. Fig. 21. — Todes- und Totenelemente in derselben Vision. — Fol. 133a: Es ist jene Form der Gesamtlegende, welche wir in der Version der Trienter Handschrift kennengelernt haben. Das Bild ist eine Darstellung der Vergänglichkeit der irdischen Macht. Der Tod will seinen Pfeil, an dessen Spitze er einen Totenschädel aufgesteckt hat, auf drei Könige losdrücken. Ein Engel weist auf diese Vision, indem er ein Spruchband in der Hand hält. Everyman liegt am Boden und schläft. Den Elementen der Todesvision entsprechend tötet also die drei untreuen Freunde Everymans der Tod, aber die drei Könige vertreten eine der „Nichtigkeiten", welche in der Totenvisionenlegende den drei Totenleichnamen gegenübergestellt wurden. Fig. 22. — Vana potentia mundi. — Fol. 134a; Weiter zur Vision Everymans gehörend erscheint hier ein Toter einem lebenden König. Es ist die Totenvision der Nichtigkeit der Macht. Fig. 23. — Vana pulchritudo mundi. — Fol. 137b : Der Königin, welche hier die „eitle Schönheit" personifiziert, erscheint ein Totenskelett mit einem Stundenglas. (Die Darstellung der Vana Scientia mundi, auf welcher einem lebendigen Gelehrten ein toter Gelehrter gegenübersteht, musste ich leider aus Raummangel wegla-sen ; sie steht auf fol. 139a der Hschr.) - Vgl. Tabelle A II1 9+II 7. Tafel XVI. — Illustrationen der Petrarca-Trionfi. Fig. 1. — Die Petrarca-Trionfi als EIFenbeinrelief. — Triumph des Todes auf einem der sechs Triumphdarstellungen auf den Truhen des Grätzer Domes. In einer Gebirgslandschaft ziehen zwei Büffel den eigenartigen Triumphwagen des Todes, der auf einem mit Tolenschädeln genierten Podium steht und in der Hand eine Sense hält. Der Wagen fährt über eine Menge von Leichen verschiedener Ständevertreter : Papst. Kaiser, König, Geistliche, schöne Mädchen. Nonnen usw. — Zum weiteren Verständnis der Entwicklungsgeschichte der Gesamtlegende der zweiten Hälfte des XlV. Jhs. ist es von besonderer Bedeutung, eine Reihe von Darstellungen der PetrarcaTrionfi zu betrachten. Zwischen 1357—1374 hat Petrarca seine Trionfi geschrieben und ein auch nur flüchtiger Vergleich der Illustrationen dieses Meisterwerkes mit den Varianten der Gesamtlegende in Subiaco und Pisa kann uns schon von der Richtigkeit meiner Beobachtung überzeugen, dass die endgültige Ausbildung der Gesamtlegende unter dem Einfluss der Petrarca-Trionfi verwirklicht wurde. Dieses Triumphmotiv wurde auch auf die Toten der Totenlegendenform übertragen, so dass es nicht nur im Todes-Tanz, sondern auch in den ersten Toten-Tänzen eine wesentliche Rolle spielt. — Vgl. Petrarchesca Roseit. zu Triest. Mortis Ikonogr. Nr. 3 ; Ahnliches aus 1480 s. bei Weber-Holl : Des Todes Bild, S. 90. - Vgl. Tabelle A VI. Fig. 2. — Todestriumph auf einer Uhr. — Am Zifferblatt einer italienischen Uhr des Stiftschatzes in Kremsmünster werden ebenfalls in Elfenbein die Reliefbilder der Petrarca-Trionfi zur Einrahmung des Zifferblattes verwendet (XVI. Jh). Die Zahnräder des Triumphwagens zermalmen die am Boden liegenden, entseelten Leichen. Der Tod holt auf einem Sarge sitzend mit seiner Sense weit aus, um die nächsten Opfer niederzumähen. — Die Photographie dieser und der vorhergehenden Figur besorgte ich nach Th. Frimmel : Beitr. zu einer Ikonographie des Todes. S. 61 und 59. Fig. 3. — Todeslriumph der Schichsalsgöttinnen. — Dass man in dem triumphierenden Skelett- oder Leichnamstod eigentlich den Begriff des im Kreise ablaufenden Lebens suchte, dies kann besonders durch jene Tatsache festgestellt werden, dass man die Gestalt des Leichnamstodes fast zu jeder Zeit mit auffälliger Leichtigkeit durch die drei Parzen ersetzt hat. Auf einem französischen Stich des XVI. Jhs. von Charles Le Vigoureux (Paris) triumphieren statt des Todes die drei Schicksalsgöttinnen über die Keuschheit. Ein .Kupferstich, wie dieser, auf welchem den Parzen bei der Uberführung eines keuschen Weibes teuflisch und leichenhaft gezeichnete Furien behilflich sind, kann uns von der Richtigkeit des im ersten Bande dieses Werkes eigenschlagenen Forschungsweges auf dem Gebiete der Todesikonographie ohne weiteres auch dann überzeugen, wenn derartige ikonographische Gebilde nicht