KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Anhang

- III ­stungen der Religion und bringen ihm die letzte Ölung. Rechts im Vordergrund hocken drei weinende Weiber, wahr­scheinlich Verwandte des Sterbenden. Aber nicht nur sie weinen. Auch hinter den Notaren, welche links mit amt­licher Miene an einem Tische sitzen und den letzten Wil­len des Sterbenden aufzeichnen, ist eine weinende Gestalt sichtbar. Ernste, amtliche Gesichter schneiden auch der Kirchendiener rechts am kleinen Tische, sowie vor und in der Tür die Erben, welche schon ihren eventuellen Ge­winn berechnen. Uber dem Rundbildchen sieht man in den Wolken den Kampf der Engel und Teufel um die Seele und unten wird die Sterbensvision Everymans dargestellt : Seine drei untreuen Freunde, die ihn in der Todesnot ver­hessen, werden auf der Jagd in der Nähe eines Kirchhofs­kreuzes von drei Toten überfallen. Die mit Picken und Lanzen bewaffneten Toten haben einen Mann schon vom Pferde geworfen. Der erste Reiter links wird auch sofort vom Pferde stürzen und der dritte rechts will sich mit der Hilfe eines Dieners vor den Angriffen des dritten Toten flüchten. Das Bild ist also ein Beweis dafür, dass die Le­gendenform des Trienter Gebetbuches sogar noch in der Tradition des XV —XVI. Jahrhunderts eine klare, dem Ori­ginal entsprechende, andauernd gleiche Ausdrucksart be­halten hat. — Phot, nach Giulio Coggiola : Das Breviári­um Grimani in der St. Markus-Bibliothek in Venedig. Bd. VII. Tafel 859. - Vgl. Tabelle A. II7—IIio + IIl4-5ab. 6 Fig 2—3. — Die Tolenlegende in St. Jakob an der Birs bei Basel. — Das Kirchlein St. Jakob an der Birs bei Basel wurde noch im XIII. Jh. erbaut und gegen feind­liche Angriffe mit starken Mauern umringt. Nach einem Neubau um 1420 stürzten die Mauern der Kirche i. J. 1444 gelegentlich der in der Nähe gefochtenen St. Jakob­Schlacht ein. Stellenweise blieben die Mauern, besonders unter den Fenstern, nur bis zur Höhe eines Menschen er­halten. Diese Mauerreste wurden dann bei einem Wie­deraufbau ergänzt und aufgezogen und auf diesen unteren und ältesten Teilen der Mauern hat man im letzten Jahr­zehnt des vorigen Jahrhunderts die hier unter Fig. 2—3 mitgeteilten Freskenfragmente entdeckt. Sie waren aber so sehr beschädigt, dass man sie abbrechen musste, nach­dem sie von Franz Baur teils in Aquarell, teils mit Blei­stift möglichst genau skizziert wurden. Diese Kopien be­finden sich in dem Basler Kupferstichkabinett unter Num­mer Mapp. A. 100. Umschlag VI. 1. Der linken Langwand entlang, unter den Fenstern, also auf den ältesten Teilen der erhaltenen Mauern der alten, eingestürzten Kirche, wurde in der schon von Metz aus bekannten Reihenfolge, aber im Sinne der Totenlegende zu Trient die Totenle­gendenform der Gesamtlegende dargestellt. Das unter Fig. 2 mitgeteilte Bild ist die rechte Hälfte der ersten Szene der Gesamtlegende. Drei tote Könige wenden sich hier nach links, wo die drei Lebenden stehen mussten, deren Bild aber gänzlich zugrunde gegangen ist. Auf den Schrift­bändern der Toten standen ihre an die Lebenden gerich­teten Lehren. Die Art der Darstellung vergleiche man mit dem ähnlichen Legendenbilde der Jodokus-Kapelle in Überlingen (vgl. im ersten Bande GTT Taf. VIII. Fig. 6). Das mit Bleistift skizzierte Bild auf Fig. 3 ist die als „Bas­ler-Totenlegende" bekannte Erweiterung der Legende von den drei Lebenden und drei Toten. Die scheinbare Ver­schiedenheit beider Darstellungen, bzw. Szenen auf Fig. 2 und 3 verursacht nur die verschiedene Behandlung der Kopie, aber im Original war das weitere Legendenbild auf Fig. 3 ein Fresko, ähnlich beschaffen, wie die vor­hergehende Gesamtlegendenszene auf Fig. 2. Auf dem un­teren Bilde kniet der bekehrte Everyman noch als ein bärtiger Ritter gekennzeichnet vor dem Kirchhofskreuz, neben welchem auch das mit Schädeln gezierte Beinhaus sichtbar ist. Die am Fusse des Kreuzes kopierte Jahres­zahl 1449 ist sicherlich nicht das Entstehungsjahr, denn sie steht an einer ungewöhnlichen Stelle und scheint eher später auf das Fresko geschrieben oder von einem Be­sucher des XV. Jhs. auf die Mauer gekritzelte worden zu sein (wie das auch mit den Jahreszahlen in Subiaco der der Fall ist 1). Auf dem Bilde waren noch drei Reiter er­kennbar, welche sich als die feindlich gesinnten, untreuen Freunde Everymans vor den am Bilde nicht mehr vor­handenen Toten flüchten. In der Mitte des Bildes, unter dem unteren Rande des noch vorhandenen Fenstersimses wehrt sich ein Reiter mit der Lanze gegen die Angriffe eines aus dem Grabmale soeben emporgestiegenen und ebenfalls mit Lanze und Beil bewaffneten Totenskeletts. — Die Photographien der Skizzen des aus der Wende des XIV —XV. Jhs. stammenden Gemäldes teile ich nach einer Aufnahme des Basler Kupferstichkabinetts mit und der Herr Pfarrer von St. Jakob. Prof. Dr. Handmann, war mir mit ausserordentlicher Liebenswürdigkeit nicht nur bei der Erforschung der diese Gemäldenreste betreffenden wichtigsten Angaben behilflich, sondern hat mir auch die Photographien derselben zur Verfügung gestellt, wofür ich ihm auch an dieser Stelle meinen innigsten Dank mit den Gefühlen der dankbarsten und wahrsten Freundschaft zum Ausdruck bringe. — Vgl. Tabelle A II7— 10 Vgl. weiter Tai. V. Fig. 2 und XVIII. Fig. 2, die Legendenbilder zu Muttenz und Kolberg. Tafel IV. — Die Todeslegendenform der Gesamt­legende im Kloster Sacro Speco bei Subiaco Fig. 1. — Die erste Szene der Subiacoer Todes-Legende. — Im Benediktinerkloster Sacro Speco bei Subiaco be­findet sich an beiden Seiten der Scnla Santa eine in zwei Szenen entwickelte Darstellung der Todeslegendenform der Gesamtlegende aus der zweiten Hälfte des XIV. Jhs. Beide Fresken mit der Totenlegende und mit der triumphieren­den Todes-Szene hat ein toskanischer Maler mit seinem Schüler in der Art der unter byzantischem Einflüsse ste­henden sienensischen Schule gemalt. — Links von dem Beschauer, der aus der Chiesa inferiore des Klosters die Scale Santa hinabschreitet, wurde in einem Eck die sog. Makarius-Legende dargestellt, welche hier als die erste Szene der Gesamtlegende figuriert. Die drei Jünglinge, bzw. Männer, verirrten sich während einer Jagd im tie­fen Walde. Vor einer kapellenartigen Klause erscheint ein bärtiger Eremit und weist mit der linken Hand auf drei offene Särge, in denen ein und derselbe Totenleich­nam in drei verschiedenen Stadien der Verwesung dar­gestellt wird. Der Eremit sagt nach dem fast unlesbaren Texte : „Wide (I) quid eris Quomodo gaudia queris ; Per nullam sortem, Poteris evadere mortem, Nec modo laeteris, Quia forsan eras morieris". Auch der dreimal abgezeichnete Leichnam spricht, nur dass der Maler den dreimal Abgezeichneten mitunter als drei voneinander verschiedene Totengestalten aufgefasst zu haben scheint : „Quid superbitis miseri ? Quogitate (I) quid estis: quod sum vos erilis, quod non vitare potestis. Hodie michi et eras tibi. Mors nemini parcet, divitem et pauperem capit. Hoc sumus quod eritis, fuimus quando­que quod estis" (vgl. Didron : Annales Archéologiques. XlX. S. 235). Übrigens verhalten sich die Toten ganz pas­siv. Die feindliche Gesinnung erhielten die Toten dieser Szene durch die Vermittlung der Baseler Totenlegende. Das Vorhandensein der Todeslegendenform deutet immer dieser Zug an, dass sich nämlich die Toten der ersten Szene der Gesamtlegende aufrechtstehend oder im Sar­ge liegend passiv benehmen, also ihren Gisant-Typ-Cha­rakter noch in ursprünglicher Reinheit behalten. Von den drei Lebenden spricht der in der Mitte stehende und weiss gekleidete Jüngling mit seinem ebenfalls sehr jungen Freunde. Beiden sitzt ein Falke auf der Hand und beide scheinen sich von dem an die Vergänglichkeit ermahnen­den Bilde der Toten abwenden zu wollen. Der dritte Le­bende, den der Maler von seinen beiden Freunden auch räumlich abgesondert hat, da er schon auf der Mauer­fläche der Langwand steht und kein Jüngling mehr, son­dern ein Mann ist, hört mit lebhaftem Interesse den Er­mahnungen des Eremiten zu und will sich scheinbar be­kehren. Er ist Everyman, dessen Bekehrungsgeschichte, welche uns zum nächsten Legendenbilde hinüberführen sollte, der Maler, als etwas Bekanntes und Selbstverständ­liches, einfach wegliess. Er bleibt nämlich nach dem Be­richt anderer Versionen beim Eremiten, wird aber für diese seine Untreue von seinen bösen Freunden, die sich nicht bekehren, aus Rache verfolgt — Phol. nach Alinari Nr. 26253.

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