KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
IV. Das Vadomori
- 185 — 9. Vado mori sapiens, michi nil prudentia prodest. Me reddit fatuum mors fera, vado mori. 10. Vado mori, dives, ad quid mihi copia rerum, Dum mortem nequeat pellere, vado mori. 11. Vado mori, ciútor, collegi farris acervos, Quos ego vili computo, vado mori. 12. Vado mori, pauper, quem pauper Christus amavit, Hunc sequar evitans omnia, vado mori. Wie wir es aus diesem Texte sehen, sprechen hier die einzelnen Stände immer nur von der „Everymantodesgestalt", von der „Mors fera" und die Tätigkeit des Todes, wie er den betreffenden Stand vernichtet, entspricht in jedem Falle der Lebenstätigkeit des Standes, — nur in .einer „umgedeuteten", „kontrafaktierten" Form. Dabei sind es genau 12 Stände ! Und der letzte Stand ist der „pauper", den hier „Christus liebt", wie in der 55-sten Strophe des Walther Map zugeschriebenen, aber von Robert Baston verfassten Ständegedichtes „De diversis ordinibus hominum", 1 und wie er auch in dem Ackermanngespräche als jener Stand gelobt wird, der „mit Christus" den Tod besiegt. Er ist auch in unserem Vadomoritexte „evitans omnia", er ist gefeit gegen alle Tücken des Todes, — steht also über allen Ständen in der „umgedeuteten" Rangfolge ! Zu dieser ersten Fassung rechnet Storck auch das kleinste Vadomorigedicht, welches uns überhaupt überliefert wird und welches wahrscheinlich auch das älteste Zeugnis derartiger Vergänglichkeitsdichtung sein wird. Es befindet sich dieses „embrionale Vadomorigedicht" in der Hschr. Oxford, Bodleian Libr. Ms. Rawl. 485 und stammt aus dem XIII. Jahrhundert, ist also eigentlich älter, als dasjenige in Erfurt. Die Seite fol. 117a dieser Handschrift ist gänzlich leer. Dann folgt .auf der Seite fol. 117b das Vadomorigedicht. Uber dem eigentlichen Vadomoritext lesen wir aber einen Spottvers auf die „Prälaten" in der Form eines medizinischen Rezepts : „In rebus vdis vbi plus solet esse paludis Mingere mos asinis et cunctis esl asininis. Sic in prelatis mos est dare multa beatis, Vel bene nummatis uel eorum sanguine natis". Dann iolgen zwei Verszeilen, welche schon als eine „Einleitung" zum Vadomori gellen könnten : „Lex et natura, christus simul omnia iura Dampnant ingratum, lamentant hunc fore natum". Und nun folgt das Vadomorigedicht : 1. Vado mori, rex sum, quid honor, quid gloria mundi? Est uia mors hominis regia, uado mori. 2. Vado mori miles victor certamine belli Mortem non didici vincere. vado mori. 3. Vado mori logicus, aliis concludere noui Conclusit breuiter mors michi. vado mori. 4. Vado mori monacus mundo moriturus amori. Sic moriatur honor Sic michi vado mori. 5. Vado mori medicus medicamine non redimendus Quiequid agant medici respuo uado mori. 6. Vado mori saviens doctrinam cesso docere, Qui facundus eram non ero vado mori. 1 Anf. „Totum regit saeculum papa polestale . . .". vgl. oben S. 123—125 und K. Burdach, Acketmannkommentar. Vom MA zur REF. III. 2. S. 204. Auf der Seite fol. 118a dieser Handschrift folgt dann ein "Fragmentum tractatus", sive „computus", de epactis et cyclo Paschali, una cum tabula Dionysi . . . Die Reihenfolge der Stände umfasst hier nur sechs Gestalten, also gerade die Hälfte, wie vorher ! Auch in diesen Schwankungen der Zahl der Stände dürfte man an irgendwelche Ursachen denken ! — Hat hier nicht die „mystische Weltanschauung" des Mittelalters mitgewirkt ? Übte hier nicht die „Zahl der Mitspieler oder Mittänzer" eine entsprechende Wirkung aus ? — Diese Fragen wären schwer zu beantworten ! Dankbarsten Herzens gedenke ich des Herrn Bibliothekars S. Gibson und der liebenswürdigen Bibliothekarin Miss E. G. Parker in der Bodleian-Bibliothek zu Oxford, die mir über diesen Vadomoritext die nötigen Auskünfte gaben, der erstere am 7. April 1924 und die letztere am 3. Juni 1939, wobei Miss Parker mir auch eine Negativphotographie verschafft hatte. Mit den gleiche'n dankbaren Gefühlen erwähne ich das entgegenkommende Wohlwollen des Herrn Bibliothekars im British Museum, Julius P. Gilson, dem Direktor des Department of Manuscripts, mit welchem er in einem Briefe vom 9-ten April 1924 mir über die verschiedenen Vadomoritexte in seiner Sammlung die nötigsten Angaben gütigst überwiesen hatte. Das von W. Storck in der ersten Gruppe erwähnte Vadomorigedicht in der Hschr. Brit. Mus. London, Landsdowae, Ms. 397, fol. 9a, saec. XIV. (ich besitze eine Negativphotographie des Textes !) steht unter gemischt lateinischen und französischen Texten und beginnt ebenfalls mit den einleitenden Versen : Cum mortem meditor ereseit michi causa doloris Nam cunctis horis mors venit exxe cito. Pauperis et regis communis lex moriendi Dat causam flendi si bene scripta legis Gustato pomo nullus transit sine morte Heu misera (?) labitur omnis homo. Durch diese scheinbar nachträglich erfundene Einleitung zum Vadomori machte man aus den dramatischen und im Rahmen eines Tanzspiels aller Wahrscheinlichkeit auch aufgeführten und gespielten Monologen ein „Lehrgedicht" das zum Lesen bestimmt war. Nun folgt das Vadomorigedicht in der erwähnten Londoner Hschr. 1. Vado mori papa qui iussu regna subegi Mors michi regna tulit ecome vado mori. 2. Vado mori rex sum, quid honor quid gloria regum ? Est via mors hominis regia, vado mori. 3. Vado mori presul. cleri populique lucerna Qui fueram validus, langueo, vado mori. 4. Vado mori mdes victor certamine belli Mortem non didici vincere, vado mori. 5. Vado mori monachus, mundi moriturus amori Et moriatur amor, hic michi vado mori. 6. Vado mori legista, fui defensor egenis Causidicus causes desero, vado mori. 7. Vado mori logicus, aliis concludere noui Conclusit breuiter mors michi, vado mori. 8. Vado mori med'cus medicamine non redimendus. Quiequid agat medicis pocio, vado mori. 9. Vado mori sapiens, michi nil sapiencia prodest. Me reddit fatuum mors fera, vado mori.