KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

IV. Das Vadomori

„In senium vergo caput ad decliuia mergo Incuruor tergo. baculi iuuamine pergo Tussico dispergo. sputum mors imminet ergo Si mala non tergo, sum stultior aliti mergo . . ." Nach fol. 70 folgt auf for 71r ein von anderer Hand ge­schriebener Traktat mit der Uberschrift „De miraculis Ro­mae". Dem Vadomori geht hier also unmittelbar eine Darstellung des Alters voran. In dem i. J. 1443 geschriebenen Cod. 5015 der Ba­yer. Staatsbibl. steht fol. 4r —4v ebenfalls ein Vadomori. Voraus geht (fol. lr—3r) ein Prosatraktat über das Thema „Salamon und Markalf". Fol. 3v ist unbeschrieben, am Ende dieser Seite steht aber mit roten Buchstaben: „He­linandus monachus frigidi montis". Nach dem Vadomori­gedicht folgen sechs Verse mit der Überschrift :" Nota bona de memoria mortis". Die Verse lauten auf fol. 5r : „Bis duo sunt quae conlinuo sub pectore prosunt Mors mea mors Christi, baratri nox lux paradisi Disce vacans studio, ac numquam sis moriturus Vivens carens vitio ac sis eras vita cariturus Spernere mundum spernere nullum spernere sese Spernere se sperni quatuor hec bona sunt . . Auf fol. 6v steht die Jahreszahl 1443. Die ersten sechs Blätter sind von einer Hand geschrieben worden. In der Hschr. Clm. 20015, aus dem XVI. Jahrhun­dert in München trägt das Vadomorigedicht (fol. 188v — 189v) die Überschrift: „Hos versus de morte composuit dominus Helynandus, qui fuit multum egregius in omni­bus dictis suis . . ." etc. Unmittelbar voraus (fol. 188r) ge­hen einige Sätze aus „Hieronymus ad Heliodorum episco­pum". Dem Gedicht folgen (fol. 190r) zwei Verse mit der Überschrift : „Docta" „Forma genus mores sapientia res et honores Morte cadent subita sola manent merita". In München befindet sich auch die Hschr. Clm. 14831 (saec. XV.), in welcher sich auf fol. 131r—132v ebenfalls ein Vadomorigedicht befindet. Unmittelbar vor­aus gehen die sieben Verse : „Hoc tibi sit menti carnem superare colenti Qualiter in turpi stabis fetore sepulchri Pallidus obscurus et vermibus esca futurus Ut tibi sit lucrum tacitus memorare sepulchrum. In quo fetebis putrefacere quando iacebis Cur tibi res pulchra blanditur cerne sepulchra Ossa sepultorum tibi sint suffragia morum". Unmitelbar auf das Vadomorigedicht folgt hier der bekannte Text : „Sunt tria que vere faciunt me sepe dolere Est primum durum quod me scio moriturum Est gemitus stando quod morior sed nescio quando Posterius flebo quod nescio quo remanebo. Nec deus est nec homo recens quam cernis ymago Debet deus est et homo praesens quem signat ymago Istum non Christum sed Christum crede peristum". Vor und nach dem Vadomori steht hier also die Darstellung eines Gisant-Typ-Toten und die bei Vadomori­gedichten immer wiederkehrende Betonung der bildlichen Darstellung, einer "imago", würde die Ansicht Stammlers unterstützen, dass diese Vadomorigedichte ursprünglich Begleittexte zu serienhaften Bilderreihen der Stände be­stimmt gewesen wären. Sicherlich hatten sie auch diesen Zweck, diese Bestimmung, neben jener volkstümlicheren, welche ich schon bezeichnet habe. In der Münchener Hschr. Clm. 4423 (geschrieben 1481—1482) steht auf fol. 209r-210r das Vadomorigedicht nach den üblichen einleitenden Versen „In senium vergo" (wie Cl. 7747). Nach dem Vadomori folgen fol. 210r fol­gende Verse : „Rex sum magnificus homo me formidet iniquus Judico sie cuncta quod nec pertranseo puneta Sumque pater clemens ad me veniat mala deflens Culpas depono celestia gaudia dono". Der Kodex Clm. 15181 (saec. XV. fol. 167v-168v) in München bringt das Vadomorigedicht nach einer Ver­sion der Altercatio animae et corporis (fol. 167r—167v; nur ein Fragment) mit der Aufschrift : „Compendium ma­gistri magni Alberti episcopi Lugdunensis de disputatione corporis et anime" (Anf.: „Ecce mundus moritus vieiis sepultus / Ordo rerum vertitus cessat Christi cultus . . ."). Nach dem Vadomori folgt hier fol. 168v unmittelbar eine Prosadarstellung der Sterbeszene des „unvorbereitet sterbenden Menschen" mit dem Anfang : „0 mors quam amara est memoria tua cordi iocundo . . ." Die meisten Vadomoriforscher hatten., frei­lich nicht die Gelegenheit, die ungarische Über­setzung eines lateinischen Vadomorigedichtes in dem sog. „Példák könyve", in dem „Buch der Beispiele", in der Hschr. Cod. chart. 4°. 43. saec. XVI. in der Budapester Universitätsbi­bliothek 1 kennen zu lernen. Der berühmte un­garische Forscher Katona Lajos hat in der Zeitschrift „Irodalomtörténeti Közleményeki. J. 1900 diese ungarische Übersetzung mit einer Vadomoriversion in München Clm. 14831 (saec. XV. fol. 131 r — 133v) verglichen. Ausser sieben Standesmonologen der ungarischen Übersetzung fand Katona Lajos alle übrigen auch in der erwähnten lateinischen Version vor, währendes­sen das 17. 21. und 33. Distichon des Mün­chener lateinischen Textes wieder im ungari­schen Text nicht vorhanden waren. Dann ver­glich Katona die ungarische Übersetzung auch mit einem lateinischen Vadomori in der Hschr. des Budapester Nationalmuseums Cod. lat. med. aevi. 276, fol. 298v. Es ist eigentlich das Vado­mori in der „ungarischen Gesamtlegendenkom­pilation", über welche ich, — sowie auch über die ungarische Vadomoriübersetzung — im Zu­sammenhange mit den handschriftlichen Ge­samtlegendenkompilationen noch sehr eingehend sprechen möchte. Ausser den beiden Wiener Vadomori­handschriften Nat. Bibl. Nr. 1756 (saec. XV. fol. 38a—39a) und Nr. 3848 (saec. XV.) mache ich dann noch auf eine dänische Handschrift in Kopenhagen Bibl. Hafniensis, Gl. kgl. S. 3400. 8°, saec. XV. fol. 109'—111', aufmerksam, wo das Vadomori unter dem Titel „Mors certa" steht (An­fang „Vado mori, res certa, quid nil certior illa / ut uitare queam deuia uado mori"). Wei­ter hatte ich noch die beiden Wiener Hand­schriften Cod. Nr. 4116 (fol. 139a—140a) und Cod. Nr. 4072 (saec. XV. a. 1499; fol. 1 Ra­il 8a; das sog. Rosenheim-Vadomori) in der Hand. Zum Schluss füge ich noch zwei Vado­morieversionen bei, welche ich in Köln fand : a) Köln, Stadtarchiv (Gereonskloster 12). Handschrift GB. 8° 74 (Gr. Martin) XV. Jh. (vor 1459). 1 Cod. Hung. 3; fol. 12 —43b: Liber parabolarum. 2 X. Jg. Budapest 1900, S. 102-118.

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