KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

- 175 — Nun sehen wir die Geschichte dieser Texte, wie sie von Köhler dargestellt wird 1 In dem „Neu vermehrten Rath-Büchlein, Mit aller­hand Welt- und geistlichen Fragen, samt deren Beant­wortungen" 1 wird uns der Sinn jener Verse über „das stärkste Ding" erklärt : Zehen Ding in der Welt stark sind, deren eins das andere überwindt, das eilite aber, wie man list, stärker als alle zehen ist. Such nach, reim recht, du wirst es linden, und den rechten Verstand ergründen Der Stein ist stark (darf keines Beweisen), wird doch zerschlagen von dem Eisen. Das Eisen ist stark, doch nimm in Acht, es wird vom Feuer weich gemacht. Das Feuer ist stark, so es brennt an, das Wasser es auslöschen kann. Das Wasser ist stark, merke mich. die Wolken ziehens über sich. Die Wolken sind stark, laufen geschwind, werden zerlheilet von dem Wind. Der Wind bläst stark und viel zerbricht, der Mann ist stärker, acht sein nicht. Der Mann ist stark, aber der Wein überwindet ihn und thut das sein. Der Wein ist stark und machet blind, der Schlaf ist stärker, ihn überwindt. Der Schlaf ist stark, aber der Tod ist stärker als die letzte Noth. Jedoch Gottes Gerechtigkeit mit Stärk den Tod übertrifft weit, dann durch den Propheten spricht Gott : die Gerechtigkeit errettet vom Tod" 2 Wie wir sehen, ist dies ein zweideutiges „Rätsel­spiel" mit den Begriffen. Wenn dann in diesem Texte statt des Mannes die einzelnen Stände auftraten, — nach dem Rezept des soeben besprochenen Ständesprüchleins, — so wurde schon die „Standesreihe" in ein „kosmisches Ge­schehen" hineigestellt, wobei freilich die Reihe der Trium­phe mit dem Tod und mit der Gottheit enden musste. Dieser Text war einst sicherlich ein Liedtext, begleitete einst ohne Zweifel einen Volkstanz im Rahmen eines Kin­der* oder Volksspiels. Die neueste ungarische Liederfor­schung kennt auch im Ungarischen solche Volkstänze und Volksspiele, in denen „das stärkste" von den Tieren, von den Blumen oder von den Ständen und Elementen besun­gen und mit entsprechender Tanzmimik begleitet wird. Sogar heute noch, in der allerjüngsten Gegenwart 1 In derartigen Volksspielen, Ständespielen und ge­tanzten Gesangspielen ist die Wiege der Vadomorigedichte zu suchen 1 Nach Köhler ist übrigens die Vorstellung von der Reihe der je stärkeren Dinge und Elemente — orientali­schen Ursprungs In lobi l.udolfi „Ad suum h sloriam Aelhiop cam Commentar us" :' wird ein äthiopischer Spruch im Urtext und in Originalform mitgeteilt, zugleich aber auch mit einer lateinischen Ubersetzung versehen. Und diese Variante verrät uns, dass diese je nach der grösseren Stärke der Dinge eingerichtete Reihe mit dem Spruch „Mich wundert, dass ich fröhlich bin" zusammenhängt, wenn es heisst, das der Mensch von der Trauer (Moeror) überwunden wird ! Ich bringe die Skizze dieses äthiopi­schen Textes deutsch : „Das Eisen ist stark, aber das Feuer überwindet es ; Das Feuer „ „ aber das Wasser Das Wasser „ „ aber die Sonne „ Die Sonne „ . aber die Wolke „ sie Die Wolke „ „ aber die Erde „ sie 1 „Das Rockenbüchlein heiss sonst ich . . ." erschie­nen in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts o. ü. und J. 8° gedruckt; vgl. Corres, Teulsche Volksbücher, S. 175; Heyse, Bücherschatz, Nr. .907. I*" 1 2 Eine'Anspielung auf die Sprüche Salomonis 10a : Gerechtigkeit errettet vom Tod. 3 Francofurt 1691, S. 559. Die Erde ist stark, aber der Mensch überwindet sie ; Der Mensch ist stark, aber die Trauer (moeror) überwindet [ihn ; Die Trauer ist stark, aber der Wein überwindet sie ; Der Wein ist stark, aber der Schlaf überwindet ihn ; — Aber stärker als alle — ist das Weib 1" Es ist ein Rätselspiel, eine Priamel, — und wie ich es schon oben betont habe, ist auch das Vadomorigedicht eigentlich eine Priamel, — dem Inhalte nach. Die Reihe der Stände — alle Standesvertreter, der Höchste, wie auch der Niedrigste, — werden vom Tod überwunden, . .. nur ein einziger siegt über alle und auch über den Tod : der wahre Mönch, der mit Christus siegt ! In einem Spruche des Rabbi Jehuda handelt es sich von 14 „starken Dingen" : Feuer, Wasser, Wolken, Wind, Mensch, . . . usw., wobei Nimrod von Abraham verlangt, dass er das Feuer anbete . . . In der indischen Fabel- und Märchensammlung „Pantschatantra" 4 rettet ein heiliger Mann ein Mäuschen, verwandelt es in ein Mädchen und zieht dieses mit Sorg­falt gross. Dann sucht er dem Mädchen einen passenden Bräutigam : Sonne, Gewölk, Wind, Berg und — endlich der „Mauskönig" erscheinen, um sich um das Mädchen zu bewerben. Aber das Mädchen ruft beim „Mauskönig" : „Der Mauskönig ist von meiner Gattung" — und wählt ihn zum Mann, indem es sich wieder in eine Maus ver­wandelt. „Art lässt nicht von Art" — dies ist die Lehre des Märchens. Auch für uns hat dieses Märchen eine interessante Konklusion. Für den Betrachter ist aus einer Reihe der je stärkeren Dinge immer jenes am stärksten, das von „sei­ner Gattung" ist . . . Darum ist dann in anderen Varianten bald der Tod, bald Gott der stärkste 1 In manchen Versionen beginnt die Reihe mit dem Mond, — wie die ..Planetenfahrt der Seele". Denn auch die „hlanetenfahrt" auf der Reise der Seele am „über­irdischen SeelenwegC ist nach den je stärkeren Planetenmächten eingerichtet / ü Im deutschen Mittelalter, im „Ruch der Beispiele der alten Weisen" befindet sich dann eine Fabel vom „Freienden Kater" (Stricker ; Her­rand von Wildonje). Und in diesem Märchen werden Sonne, Nebel. Wind, Steinhaus nacheinander aufgezählt. Das Stein­haus durchwühlt die Maus, diese aber bemeistert die Katze. So ist aber dann dem übermütigen Kater doch wieder nur eine Katze als Ehegemalin bestimmt. In dem indischen Epos „Harivansa" (von Langlois in französischer Prosa übersetzt) preist der weise Narada die Schildkröte. Aber die Schildkröte sagt, der Ganges sei grösser. Der V\ eise preist nun den Ganges, dieser aber hält den Ozean für grösser Nun preist der Weise den Ozean. Aber stärker, als dieser, ist die Erde Nun preist der Weise die Er ie, diese aber preist ihm die Berge Höher als die Berge ist dann Brahma, höher als Brahma sind die Veden ; höher als die Veden sind die Opfer und zu allerhöchst steht Vischnu .. . c Vt ie also die einzelnen Lebensalter mit den verschiedensten Tiersymbolen charak­terisiert wurden, so konnten sie auch gerade nach einer derartigen Reihe der Elemente und Tiere in einer Folge aufgestellt werden, damit die letzte Gestalt als die stärkste erscheinen kann. Köhler erwähnt auch in einer Studie der „Kleineren Schriten" Bd. II. S. 56. Anm. 3 ein scherzhaftes Gedicht über die Stände, in welchem der Herr den Bauern frisst, den Herrn der Ritter, diesen der Wucherer und 4 Ed. Kosegarten, S. 188. 5 Vgl. „Cuhlu und Dimna oder die Fabeln Bidpais"; La Fontaine IX, 7, eine französische Übersetzung des Bidpai 1 6 Vgl. die Geschichte von der Ameise und dem Schnee: Mélusine 1, 356, 425: La petite fourmi qui allait ä Jerusalem. Hier stehen Schnee. Sonne, Wolke. Wind, Berg, Maus, Katze. Ilund, Stock, Feuer, Wasser, Kuh, Mensch und Gott nebeneinander ; vgl. Journal de la soc. finno-ougrien ie 7, 81. Nr. 2 mit dem Bericht über eine folgende Reihe : Eis, Sonne, Wolke, Wind, Felsen, Maus, Katze, Alte. Gott; daselbst Jg. 11, 101 in einer woljakischen E zählung: Sonne, Wolke, Wind, Berg, Maus, Katze, Mensch, Kaiser und Welt.

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