KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

- 171 — Zahlen der Lebenalterstuíen anzugeben, der betreffende Tänzer, dem die verkündete Zahl der Jahre zufiel, oder aber auch sämtliche Tän­zer im Chor, antworteten tanzend mit komischen Gebärden, indem sie das Kind, den Jüngling, den Mann oder den Greis, bzw. das Mädchen, die Jungrau, die Frau und die Greisin spottend nahgeahmt hatten. Als man bei der letzten Lebensalterstufe angelangt war, wurde von dem Vortänzer derjenige Mitspieler aus dem Kreise in die Mitte des Kreises zu sich gerissen, auf den die Zahl sieben oder zehn fiel, der also den siebzig- oder achtzig- oder hundertjährigen Greis zu spielen hatte ; wenn es dem Vortänzer nicht gelang, den Spieler des letzten Lebens­alters an sich in die Mitte zu reissen, so begann das Spiel wieder vom Anfang, indem der Vortän­zer wieder nach Geratewohl bei irgendeinem Tän­zer in der Runde die Zählung der Lebensalter anfing ; oder es war vielleicht das Verlassen des Tanzkreises, auf den die Zahl des letzten Le­bensalters fiel, obligat. Dann wurde die Zahl der Tänzer in der Runde immer kleiner, bis dann auch der letzte in die Mitte trat und dem Spiel so ein Ende machte. Es ist sehr leicht möglich, dass die beiden Zahlen, die Siebenzahl und auch die Zehn­zahl der Lebensalter, lange nebeneinander ihr Recht behaupteten. Man denke nur an die bei­den Stellen in dem Alten Testament, Psalm 89l0 und Ecclus (Jes Sir.) 188, welche im Mittelalter den Klosterleuten, wie auch dem Volke gleich­sam bekannt und geläufig sein mussten ! Im 89-sterx Psalm heisst es (Vs. 10): Dies annorum nostrorum in ipsis, septuaginta anni. Si autem in potentatibus octoginta anni ; Die Tage un­seres Lebens währen siebzig Jahre, und sind es ihrer viele, achtzig ; doch was darüber geht, ist Mühsal nur und Schmerz. Es kommt das Siechtum über uns, wir werden weggerafft . . . — so spricht dann weiter der Psalmist im 89. Psalm ! Diesen Gedanken schildern ja auch die Verslein unter den Lebensalterbildern der Per­sonifikationen für die Jahre des Greisenalters : achtzig, neunzig und hundert ! Wenn man an die Siebenzahl der Lebensalter dachte, so war der „Tod" die Zahl siebzig oder achtzig ! Und im Ecclesiasticus (Jes. Sirach) heisst es 188: Numerus dierum hominum ut multum centum anni . . . Wenig sind des Menschen Tage. Hun­dert Jahre sind's, wenn's viel ist . . . Daher ist es leicht möglich, dass diese merkwürdigen Volks­spiele und Volkstänze, in denen man die Be­wegungen und Bräuche der einzelnen Lebens­alter nachgeahmt und verspottet hatte, bald nur „sieben Alter", bald wieder „zehn Lebensalter" auftreten Hessen. Es galt dem Tänzer bald die Unbeholfenheit des Kindes, bald die Ausgelas­senheit des Jünglings, bald den Stolz des Man­nes, oder die Schwerfälligkeit des Greises nach­zuahmen. Die Tanzbewegungen waren dabei immer schwerfälliger, die Verbeugungen immer tiefer, bis dann bei dem Greis der Tanz mit einem „Sichhinwerfen" auf den Tanzboden in der Mitte endete. Die „Mitte" des Tanzkreises wurde daher zum „Grabe", also zum ,,Midgard"(!), zum „Erdkreis", in welchem die einzelnen „Le­bensalter", wie in einem Grabe, verschwinden sollten ! Dabei wurden vielleicht auch die „Sym­boltiere" der Alter nachgeahmt ! Wenn ich mir erlaubt habe, die kleinen Verslein über die „sieben" oder „zehn" Lebensaiterais einen Text des „Lebensalterliedes" aufzufassen, welches man gelegent­lich des „Lebensaltertanzes" sang, so stützte ich mich auf die Angaben von Eduard Hermann, der im 15. Jahrgang der Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 1 einen ähnlichen Volkstanz, bzw. ein gleichgeartetes Volksspiel, den „ sieben­sprung" besprach Er sammelt zwar nur die Angaben der jüngsten Vergangenheit, welche sich auf diesen Volkstanz beziehen, stellt auch eine sehr wertvolle Bibliographie darüber zusammen, 2 stellt aber fest, dass dieser Tanz ein ausgelassener Bauerntanz war, der sich in die Runde be­wegte, dessen Text besonders den „Edelmann" verspottete, und nicht früher, als im XV. Jahrhundert entstehen konnte, weil das Wort „Edelmann" nach Hermann erst gegen das XV. Jahrhundert gebräuchlich war und das frühere Wort „Edelinc" nicht in das Reimgefüge des kleinen gesungenen Textes gepasst hätte. Die aus der Schweiz, aus Süd-, Mittel-, und Norddeutschland, aus niederländischem und friesi­schem Sprachgebiet, aus Dänemark, Schweden, Frankreich und Belgien gesammelten Angaben und Beschreibungen der örtlichen Tanzformen zeigen, dass es sich um einen sehr weit verbreiteten Tanz handelt, dessen Tanztouren mit „sieben Sprüngen" endeten. Diese „sieben Sprünge" sollten vor allem den Edelmann nachahmen und waren ein rich­tiges Akrobatenstück, das nur von sehr geübten Tänzern, meist von einem Tanzpaar in der Runde oder sogar von einem einzigen Vortänzer in der Mitte des Tanzkreises ausgeführt werden konnte. Denn in den „sieben Sprüngen" machte sich ein allmähliches „Sichhinwerfen" geltend. Der Tänzer musste die ersten zwei Sprünge mit dem ganzen Fuss ausführen, dann bückte er sich bis in die Höhe der Knie, weitere Sprünge konnte er nur mit Hilfe des Ellbo­gens ausführen und den letzten Sprung machte er schon fast vom Boden, bis er sich dann im Laufe der nächsten Sprünge wieder langsam vom Boden erhob. In Eckwers­heim bei Vendenheim im Elsass wird „Der Siebte Sprung" oder „Siwenersprung" mit Polkaschritten und 13 Touren zu folgendem Text getanzt : „Kennst du nit de Siebtesprung ? / Kannst du au nit tanze ?" / Antwort : „Tanze kann i wie a Mann, kräja wie a Gockelhahn" — und hierauf folgen die „sieben Sprünge", indem man laut zählt : „erste, zweite, dritte usw." Und derartige, mit diesem eigenartigen Text begleitete Tänze sind bei Hochzeiten, auf Jagdausflügen (!) und auch auf dem Kirchtag gebräuchlich 1 Und ich glaube, dass in dem Texte des im „Siebensprung" getanzten Liedes (Hermann teilt auch die Melodien mit I) nicht nur der „Mann" verspottet wurde, der „wie ein Gockelhahn" schreit, — ganz wie in den Verslein der „Lebensalterstufen" 1 — sondern man begann die Reihe mit dem Kinde, setzte dann die Verspottung der Lebensalter mit dem Jüngling, dem Manne und dem Greise usw. fort, — und ein jedes Lebens­alter wurde mit einer Tierstimme verhöhnt, welche man bei einem jeden Sprung wiederholt hatte. Und die Zahl der Sprünge richtete sich wahrscheinlich darnach, die wie­vielte Lebensalterstufe gerade apostrophiert wurde. Beim siebenten Lebensalter waren es also „sieben Sprünge" 1 Und an das soeben beschriebene „Lebensalter-Tanzspiel" erinnert auch die Form des Tanzes in Belgien, wenn hier auch nur die Sprünge gezählt werden, ohne einen Text dazu singen. Der Tanz heisst hier „Des sept sauts", wird zur Fastnacht getanzt, — wie dies auch bei der „Danse Macabre" der Fall ist, die ich weiter unten beschreiben werde 1 — Die Tanzform besteht aus 8 Touren zu je 16 Takten mit 1—7 Sprüngen. „Bei massigem Polkatakt gehen die Tanzenden, die eine Ronde bilden, erst 8 Takte nach links, dann 8 Takte nach rechts : beim 17. Takt bückt man sich und ruft : Un saut, deux sauts, trois sauts" usw. Nach der 7. Tour wird auf die ersten 16 Takte ein rasender 1 Berlin 1905, S. 282-311. 2 Vgl. a. a. 0. S. 283-284,

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