KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

II. Formale Versuche vor dem Vadomori als Pro-totypen der Vadomoriform

ginnen und enden, wurden auf Bildern des (llücks- und Lebensrades verwendet ! Die immer wiederkehrende Wendung „Quid inde?" wurde nur einmal, in der Mitte des Lebensrades oder Fortunarades auf die Achse in den Mittelpunkt geschrieben. Die übrigen Teile des Textes füll­ten die einzelnen Speichen des Rades aus. Zäh­len wir die „Quid inde ?"-Fragen in unserem Texte ! Es sind „sieben Fragen", nach denen „der Tod", das „Nihil" folgt! Der „achte Grund­satz" ist dann der „Besitz der Gottheit". . . Am Portal der Marienkirche zu Bonn be­fand sich nach dem Bericht Steinhauers eine ähnliche Inschrift : „Si tibi pulcra domus, si splendida mensa ; Quid inde ? Si species auri, argenti quoque massa ; Quid inde ? Si tibi sponsa decens, si sit generosa ; Quid inde ? Si tibi sint nati, si praedia magna ; Quid inde ? Si fueris pulcher, fortis, diverse ; Quid inde ? Si longus Servorum inserviat ordo ; Quid inde ? Si docens alios in qualibet arte ; Quid inde ? Si faveat mundus, si prospera cuncta; Quid inde ? Si Prior, aut Abbas, si Rex, si Papa ; Quid inde ? Si rota fortunae te tollat ad astra ; Quid inde ? Si felix annos regnes per mille ; Quid inde ? Tarn cito, tarn cito praetereunt haec, ut nihil inde. Sola manet virtus, qua glorificabimur inde. Ergo Deo servi, quia tot tibi provenit inde. Quod fecisse voles, in tempore quo morieris, Hoc facies juvenis, dum corpore sanus haberis." Hier haben wir wieder elf „Quid inde?"­Fragen, und die Zahl XII. bedeutet den „Besitz der Gottheit". .. Im Steinhauer-Vadomori wird übrigens auch ein Gedicht mit dem Titel „De doctrina Mortis "' mitgeteilt, dessen wiederkehrender Aus­druck „Disce mori /" lautet. Und dieses „Disce mori!" steht schon am Anfang eines jeden Hexameters, währenddessen es am Schluss des darauf folgenden Pentameters wiederholt wird 1 Es ist also schon eine ähnliche Versbravour, wie diejenige der Vadomorigedichte ! Der An­fang des Gedichtes : „Disce mori, quicunque legis mea carmina Lector! Quisquis es, Auditor ! tu quoque disce mori..." Zusammen sind es 15 Distichen mit dem Schluss: „Disce mori, mundo, devincere doemona disce : Disce voluptates spernere, disce mori." In den Vadomorigedichten steht der immer wiederkehrende Ausdruck : „Nescio quo, quo­modo, quando ..." Drei Dinge sind es, welche dem Menschen Trauer und Sorge bereiten : er weiss nicht, woher er sei, wann er dahinschei­den müsse und wie dies geschehen soll. In Vers­form lebt dieser Gedanke ebenfalls auch schon 1 Vgl. a. a. 0. fol. A2. vor den ersten Vadomorigedichten allgemein bekannt : „Ich leb und weiss nit wie lang. Ich sterb und weiss nit wann. Ich fahr und weiss nit wohin : Mich wundert, dass ich fröhlich bin." 2 Ähnliches sagt in einer anderen Beziehung Frei­dank : H „Daz ich den tiuvel und den töt muoz vürhten, deist ein gröziu not, unt ir dewederz nie gesach unt vürhte doch ir ungemach. ich muoz ir beider angest hän und enweiz doch, wie sie sint getän". 4 Auch Süsskind von Trimberg erwägt : „swenne ich gedenke, waz ich war aid waz ich bin und waz ich werden muoz, sö ist all min fröude hin". 5 Reinhold Köhler hat über dieses Thema eine sehr lehrreiche und reichhaltige Studie ver­öffentlicht, unter dem Titel „Mich wundert, dass ich fröhlich bin". 0 Köhler zeigt, dass diese Wen­dung zuerst bei Hieronymus in den „ Vitae pa­trum" 1 vorkommt. Hier heisst es: „Dixit abbas Helias : „Ego tres res timeo, vnam quando egressura est anima mea de aliam quando occursus sum deo, [corpore, tercium quando aduersum me proferenda [fuerit sententia". .. Bei Köhler werden beiläufig 33 Parallel­stellen aufgezählt und zitiert. Das ganze Material kann ich freilich hier nicht wiederholen. Aber einige bezeichnende Stellen werden auch uns interessieren. Nach einigen einschlägigen Zitaten teilt Köhler die Aufschrift auf einem gewesenen Gemälde über dem westlichen Eingange der Franziskanerkirche zu Heilbronn mit (S. 242): „Ich lebe und weiss nicht wie lang, Ich sterbe und weiss nicht wann, Ich fahr und weiss nicht wohin : Mich nimmt wunder, dass ich so fröhlich bin. Wenn ich bedenke den Tod und die ewige Pein, So sollt ich nicht so fröhlich sein." Luther hat freilich den Schluss umgekehrt : Mich wundert, dass ich noch traurig bin. Und ein Kinderreim im Elsass, welches 2 Vgl. Fregbe, a. a. 0. S. 156. 3 Bescheidenheit 67. 9. 4 Vgl. Fn-ybe. a. a. 0. S. 185—186: eine Reihe von 15 Todessprüchen Freidanks in Grimms Verdeut­schung, welche alle denselben Gedanken zum Ausdruck bringen, nur in verschiedenen Versionen und Fassungen. 6 Rehm, a. a. 0. S. 48. 6 Germania 6, S. 368—373, aus dem Jahre 1861 ; in den „Kleineren Schriften", hg. von J. Bolte. Bd. III. Berk 1900. S. 421-452; Nr. 49a. 7 Ausg. Ulm. Zainer o. J. Bh 244b; Migne, Patr. lat. LXXIJI, Sp. 86IB.

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