KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

Christi, — alle grösseren Kirchenschriftsteller und sämtliche asketischen Werke, bis in die neuesten Zeiten hinauf, schöpften aus dem rei­chen Born des grossen Kirchenlehrers von Ci­teaux und Clairvaux. Manche Stellen in seinen Predigten, 1 in den Schriften De gradibus humi­litatis et superbiae (ca. 1125), De conversione ad Clericos (ca. 1140) und De consideratione (ca. 1149—1152; an Papst Eugen III.) gehören zu den schönsten Zeugnissen der Contemptus­mundi-Literatur. Einzelne Züge seines Lebens werden den Klosterleuten stets als ein nach­ahmungswürdiges Beispiel vorgehalten, wie er von seiner Mutter Aleth (gest. 1106) fromm er­zogen, an der Schule von Chätillon wissen­schaftlich herangebildet, dem weltlichen Treiben trotzdem abhold, mit vier Brüdern, samt seinem Vater Tescelin und seinem Onkel Gaudrich, insgesamt mit dreissig Edelleuten aus dem Kreise seiner Freunde und Bekannten, in das vom hl. Abt Stephan Harding geleitete Kloster zu Citeaux eintritt, wie er mit seinem Onkel, dessen, volles Zutrauen er geniesst und der ihn überallhin begleitet, sowie von Freunden und Brüdern begleitet erst auf Taten des Ruhmes, dann wieder zum Besuch irgendeiner deutschen Universität auszieht und unterwegs in eine Kir­che auf Geratewohl einkehrend durch eine Vi­sion, — es erscheint ihm seine Mutter, — also durch eine göttliche Ermahnung, dazu getrieben wird, dem Waffenlärm und dem weltlichen Ruhm zu entsagen, wie er durch prophetische Worte und Wunder seine Freunde und Brüder auf denselben Entschluss bringt, wie er sich im Kloster kasteit, wie er das von Krankheiten heimgesuchte und wegen der Strenge von vie­len verlassene Kloster Citeaux und den Zister­zienserorden einer neuen Blütezeit entgegen­führt, — all dies wird von seinen Zeitgenossen bewundert, nachgeahmt und mit legendenhaften Einzelheiten ausgeschmückt, weitererzählt. Der Zauber seiner Persönlichkeit leiht nicht nur seinen eigenen Taten, sondern auch den Wir­kungsgebieten der durch ihn gegründeten Zi­sterzienserabteien ein ganz besonderes Gepräge. Es ist fast unglaublich, zu welchem Einfluss es dieser kränkliche, von der Aszese körperlich geschwächte, bleiche und hagere Mann auf dem Gebiete der kirchlichen und weltlichen Politik gebracht hat ! Ludwig VII., der junge König von Frankreich, nimmt, dem Einflüsse Bern­hards nachgebend, seine kirchenrechtlich gra­vaminösen Verfügungen zurück, seine Schrift Contra', quaedam capitula errorum Abaelardi (i. J. 1140) zwingt den berühmten und ehrgei­zigen Pariser Theologen, Abälard, zur Korrek­tur seiner in der Trinitätslehre verkündeten Irr­tümer, nachdem dieser nach einer missglückten Romreise vom Abt Peter in Cluny mit Liebe aufgenommen wurde und, sich in einer Apolo­gie verteidigend, aber die Autorität des Lehr­1 Vgl. die Mabillon'sehe Ausgabe. Paris 1667, 1719 und Migne, Patr. lat. CLXXXII-CLXXXV. amtes der Kirche anerkennend, mit Bernhard ebenfalls versöhnt hat. Nach dem Tode des Papstes, Honorius, entscheidet er im Streite des rechtmässig gewählten Innozenz III. gegen den weltlich gesinnten und ehrgeizigen Anaklet, u. zw. der Aufforderung des französichen Kö­nigs folgend. Und wie er es mit seiner gewohn­ten Kühnheit in Liéges dem englischen König ins Gesicht zu sagen gewagt hat, wegen der eigenen Sünden besorgt zu sein, und die Sorge für die rechtmässige Papstwahl ihm zu über­lassen, so wagte er es, den streitlustigen und unbeugsamen Fürsten, Wilhelm von Aquitanien einmal während der Messe, in der Gegenwart des Allerheligsten, von der Partei des Gegen­papstes abzuwenden, u. zw. ihn in einer so frappierenden Weise an seinen nahen Tod und an das nachher sofort eintretende göttliche Ge­richt erinnernd, dass der Fürst an der Stelle in Ohnmacht fiel, dann von Bernhard berührt wie­der zu sich kam, trotz seiner 38 Jahre das weltliche Leben verliess, und sich einem Büs­serleben widmete. Und dazu kamen noch seine Erfolge auf dem Gebiete einer sich über ganz Europa erstreckenden Propaganda für einen Kreuzzug, dazu von seinem einstigen Mitbru­der, Papst Eugen III. auserwählt. Noch kurz vor seinem Tode begibt er sich nach Metz, dem Rufe des dortigen Bischofs folgend, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Für unsere Untersuchungen ist es von einer ganz aus­sergewöhnlichen Wichtigkeit, dass der hl. Bernhard von Clairvaux einer der erfolgreichsten Vorkämpfer gegen die häretischen Bewegungen seiner Zeit war. Besonders sein wissenschaftlich-theologischer Heerzug gegen die Katha­rer und ihre gnostischen Geheimlehren war auf die kom­menden Jahrhunderte von einem nachhaltigen Einfluss. Zusammen mit seinem hochgeschätzten Freunde, Peter (Mauritius) dem Ehrwürdigen, Abt von Cluny (gest. 1156), der sich zwar Abälard gegenüber väterlich und milde be­nahm, diesem im Priorat St. Marcel bei Chalon eine Zu­fluchtsstätte gewährte, aber die häretischen Bewegungen seiner Zeit in scharfen, polemischen Traktaten angriff, trat Bernhard nicht nur gegen die philosophische Trinitäts­lehre des Bischofs Gilbert de la Porree (gest. 1154 in Poi­tiers) auf, sondern verfolgte besonders die neumanichäi­schen Häresien, die Petrobrusianer und Henrizianer. Die Petrobrusianer, eine von Petrus von Bruys (gest. 1124 oder 1137 oder 1147) gegründete Sekte, waren eigentlich die Ursache von revolutionären Bewegungen in Sündfrank­reich und widersetzten sich samt ihrem Redeisführer der Verehrung des Kreuzes und leugneten, dass Gute Werke und Gebete den Verstorbenen nützlich wären. Wie wir es noch sehen werden, stehen die ersten Todes- und To­tenlegenden zu den Kämpfen gegen einen anderen Zweig der Katharer, gegen die Albigenser, in einer engeren Be­ziehung (vgl. die Todeslegende bei Hélinant und die To­tenlegende bei Herbert in den ersten zwei Kapiteln des ersten Teiles weiter unten). Als dann Petrus von Bruys an einem Karfreitag bei St. Gilles vom Volke verbrannt wurde, als er an einem angezündeten Haufen von Kruzi­fixen Fleisch kochen wollte, wurde Heinrich von Lausanne zum Führer dieser revolutionären Bewegung. Auch Hein­rich, der gewesene Benediktiner, vielleicht Cluniazenser, der während der Abwesenheit des Bischofs Hildebert das Volk mit seinen gegen die Unsiltlichkeit, Üppigkeit und gegen das verweltlichte Leben des Klerus gerichteten Busspredigten in Aufruhr brachte, begab sich später als wandernder Bussprediger nach Südfrankreich, nach dem verrufenen Sammelplatz dieser obskuren Sekten des XII. Jahrhunderts. Er wurde Redelsfürer der Petrobrusianer und seine Anhänger nannten sich Henrizianer. Auch sei-

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