KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

lung Gualteri Mapes : De nugis curialium di­stinctiones quinque } In der Einleitung beider Ausgaben berich­tet Wright ziemlich eingehend über das Leben und die Werke von Walter Map. Vor allem weist Wright auf jene grosse Volksbewegung in England Ende XII. Jahrhundert und Anfang XIII. Jahrhundert hin, welche eine Menge von lateinischen Gedichten hervorbrachte. Alle diese Gedichte sind meist satirischen Inhalts und ha­ben fast die gleiche Komposition. Daher war man schon seit dem XII. Jahrhundert geneigt, alle diese Lehrgedichte ein und demselben Dich­ter in die Schuhe zu schieben. Die ausführlichsten Berichte über Walter Mapes befinden sich in dem unedierten Spe­culum Ecclesiae von Giraldus Cambrensis, der ein guter Freund Walters war. Von ihm wis­sen wir es, dass Walter Mapes oder Map, der gegen 1140 in Herfordshire (Wales) geboren wurde und ca. 1208—1210 starb, in Paris unter Girardus la Pucelle studiert hatte und 1162 nach England zurückgekehrt ist, ein grosser Günst­ling König Henrichs des II. war, der ihn we­gen seines ausgedehnten Wissens ehrte und ihn für die Zierde seines Hofes hielt, wo er als Hofkleriker angestellt wurde. Er stammt aus einer edlen Familie in Wales, anscheinend aus Gloucestershire oder Herefordshire und fand auch im Hause Thomas Beckets Eingang, be­vor noch dieser Erzbischof von Canterbury wurde (1160). Zum Concilium Lateranense i. J. 1179 wurde er als Abgesandter entsendet und war am Hofe des französischen Königs Louis le Jeune ebenso beliebt, wie beim Papst Alex­ander III. in Rom. Er nimmt auch am Kampfe gegen die Waldenser teil und ist ein Gegner des Geoffrey, des unehelichen Sohnes des eng­lischen Königs, dessen Nachfolger er als Ka­noniker von St. Paul wurde (1176). Während seines Aufenthalts am Hofe des jungen Kö­nichs Heinrich bis zu dessen Tod i. J. 1182 schrieb er angeblich seine Anekdotensammlung „De nugis curialium", —' das einzige Werk, welches mit Sicherheit ihm zugeschrieben wer­den kann, während die meisten erwähnten la­teinischen Gedichte vermutlich von verschiede­nen fahrenden Geistlichen herrühren, die den Namen des hochgestellten Hofmannes nur als einen Decknamen benützten. Im Jahre 1196 wurde Walter Map Archidiakon von Oxford, und als er gegen 1210 starb, war er einer der be­rühmtesten Persönlichkeiten seiner Zeit. Sein Name war also sozusagen eine gute Marke. Trotzdem glaubt man, dass er der Verfasser auch eines Briefes über die Fehler der Frauen „Valerius ad Rufinum de non ducenda Uxore" (kurz Dissuasio Valerii) sei, dessen Inhalt sehr an ein ähnliches Werk des Helinandus erinnert. Und man hält ihn auch bisweilen für den Dich­1 Edited, from the unique manuscript in the Bod­leian Library at Oxford, by Thomas Wright. Printed for the Camden Society, 1850. ter von folgenden Gedichten : Metamorphosis Goliae episcopi, De Maria virgine, De partu virginis, Disputatio inter cor et oculum, Dialó­gus inter aquam et vinum, De mundi miseria und Dialógus inter corpus et animam. Aber, wie wir es schon von den einzelnen Titeln se­hen können und noch später sehen werden, sind dabei auch solche Gedichte, deren Ver­fasserschaft auch in anderer Beziehung un­sicher ist. Während ich später über das Werk „De nugis curialium" noch näher berichten möchte, wiederhole ich hier noch, was Wright über die von ihm veröffentlichten lateinischen Gedichte sagt. Eine beträchtliche Zahl dieser Gedichte wird vor allem einem angeblichen „Golias epis­copus" zugeschrieben. Dies ist freilich nur ein fiktiver Name. Der „pater" oder „magister go­liardorum" ist eine Art „geistlicher Jongleur", ein geistlicher Spassmacher und fahrender Kleri­ker. Wright leitet den Namen aus dem lateinischen „gula", „gulosus" ab. Im Französischen heisst es „goulard", „glouliard" (im XIII. Jahrhundert) und „gouliardois" . Das Substantivum lautet : „gouliardie" . Auf eine Person bezogen : „gouli­arder". Und aus dem Französischen latinisiert heisst das Wort wieder „goliardi" und „goliar­denses" . . . Der Freund des Walter Map macht darüber keine Notiz, ob Walter der Verfasser der Golias-Gedichte gewesen sei. Nach meiner Meinung bedeutet dies noch keineswegs, dass Walter überhaupt keine solche Gedichte ge­schrieben hätte. Nachdem sich diese Gedichte der bestehenden Weltordnung jener Zeit, sowie den weltlichen und geistlichen Machthabern ge­genüber feindlich benehmen, da sie eine Art revolutionäre Haltung annehmen und sich vor allem gegen den Zisterzienserorden richten, dürfte es an sich ganz natürlich und leicht denkbar sein, wenn der Freund den Freund nicht verrät, — weil es ja sogar nach dem Tode Walters augenblicklich eine sehr heikle Sache gewesen wäre, den Hofmann und Hofbeamten, den ho­hen kirchlichen Würdenträger als einen revolu­tionären Satiriker zu entlarven. Auch lebte Wal­ter selbst tatsächlich in einer erbitterten Feind­schaft mit dem Zisterzienserorden, sodass es leicht möglich war, seinen Namen gegen die Zisterzienser als einen Decknamen auszuspielen. Aber es wäre eben deswegen gleichsam möglich, dass auch Walter selbst in lateinischen Gedich­ten, die er einem gewissen Golias unterschob, den Zisterzienserorden anzugreifen versucht ha­ben konnte. Wright weist auf die Tatsache hin, dass es erst in Handschriften des XIV —XV. Jahr­hunderts über die Autorschaft eines gewissen „magistri Gualteri Mahap" oder „Mape" oder „Mahapp" berichtet wird. Diese Tradition, dass Walter der Dichter der Golias-Gedichte sei, ent­stand also erst im XIII. Jahrhundert. Die Ursache dieser Tradition ist die äussere, scheinbare Gleichheit und die ähnliche inhaltliche und for­male Konstruktion dieser Gedichte. Ein englischer Patriot bringt in ihnen seine Indignation, seinen

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