KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

- 54 ­der Szenenreihe von Cumä). Diese Szene am Ufer des Styx hat grossen Einfluss gehabt auf die Ent­stehung der mit der dreifachen Gisant-Typ-Legende verbundenen Everyman-Legende. Im J. 1925 war im Münchner Rosenthal-Antiquarium ein Stich mit dem Monogramm: M.H.L. In. ausgestellt, der als Illustra­tion dieses Dialoges gedacht werden könnte. Charon stösst als Teufel verkleidet seinen von Sünder­seelen stark besetzten Kahn vom Ufer, nach dem alle im Kahn Sitzenden ihre Arme sehnsüchtig ausbrei­ten. Am Ufer, wo sie alle ihre Schätze liegen lassen mussten, legt ein König seine Krone vom Haupt, in­dessen der beflügelte Tod (verwester Leichnam ; dem beflügelten Merkur entsprechend) Ihm seinen breiten Purpurmantel auszieht. Der Text lautet : „Sed Terris Debentur Opes, Quas Linquere Facti Lex immotaJvbet: Fisvm His Mors Tollit Acerba. lllecebrae Hanc, Nec Honor, Nec Soeva [Potentia Placant. Sic Que Pecvnipetas Orci Manet Avla Rapacis." Die Lehre, welche dem Philosophen gegeben wird, erinnert sehr an die Worte des Todes an den Arzt im spanischen Totentanz (Str XLVII). Als sich der Kahn Charons dem anderen Ufer nähert, dringt von der Oberwelt ein laut vernehm­barer Lärm den Reisenden ans Ohr : Das Volk zu Gela jubelt wegen des Todes seines Tyrannen und steinigt seine Familie. In Sicyon wird dem Redner Diophantus während der Leichenrede über Krato's Leichnam heller Beifall geklatscht. Nur um Menippus „klagt" niemand, S3in Leichnam liegt ruhig unter freiem Himmel (wie es Merkur bezeugt). Menippus aber weist ironisch auf die vielen Hunde und Raben, die auf seine Leiche stürmen (Kap. XI. s. später). XII. Alexander, Hannibal, Scipio, Minos.' Die Alexander-Szenen sind für die Entwicklung jener Gisant-Typ-Legende Alexanders des Gros­sen, die wir schon besprochen haben, bedeutungs­voll. Seine Leiche liegt noch in Babylon auf der Bahre und er muss schon bei Charon zu einem Skelett werden. Die drei Feldherren : Alexander, Hannibal und Scipio streiten über ihren Vorrang. Und auf die Worte Scipios urteilt Minos, dass Alexander der erste, Scipio der zweite und Hannibal der dritte in der Grösse des Ranges sei. XIII. Alexander und Diogenes. Diogenes : „Wie Alexander ? Du hast auch sterben müssen, wie wir übrigen alle ?" Diogenes schilt Alexander den Grossen, dass er sich als Am­nions Sohn, als einen unsterblichen Heros ausgab und dabei doch nur eines Sterblichen, Philipps Sohn war und fragt, wem er sein grosses Reich zurück­liess ? Alexander weiss aber das ebenso wenig, wie er. Diogenes lacht, wenn ihm die vielen Schmeichler Alexanders einfallen. Alexander erzählt, dass er jetzt schon den dritten Tag zu Babylon auf der Parade liege und dass der Trabantenhauptmann Ptolemäus seine Leiche nach Ägypten überführen lassen will, um sie dort unter den Göttern zu begraben. Dio­genes hält ihm klar vor, wie eitel er sein Leben verbrachte, dass er sogar im Tod noch von Un­sterblichkeit träumt. Hat ihn denn sein Lehrer, Aristo­teles, nicht eines Besseren belehrt ? Alexander macht aber dem Andenken seines Lehrers, Aristoteles, Vor­würfe, denn er war der heilloseste Schmeichler unter allen. Er erklärte das Gold als eines der grössten Gü­ter, damit er sich nicht schämen muss, noch mehr von Alexander anzunehmen. Diogenes rät dem gros­1 Über den grossen Einfluss dieses Kapitels auf die europäische Literatur vgl. die Anm. 13. bei Wilh. v. Christ, Geschichte d. Griech. Lit. München 1924. S. 725. sen Herrscher, aus dem Wasser der Lethe zu trin­ken und alles zu vergessen. XIV. Alexander spricht mit seinem Vater Phi­lippus, der ihm seine Sünden vor Augen hält. Er hätte sich von Ammon wissentlich und töricht betrügen lassen, um dem ungebildeten Volk einen Schrecken einzujagen. Was wird dieses Volk jetzt sagen, wenn es erfährt, dass er, der Gott, starb und wenn es seinen Leichnam auf der Bahre als einen leblo­sen Klotz daliegen sieht ? (Kap. XV. s. später.). XVI. Diogenes wundert sich, dass auch Her­kules, der Gott, unter den Toten sei. Herkules aber erklärt, dass er, den Diogenes da vor sich stehen sieht, nur die Gestalt des Herkules sei, während der wirkliche Herkules bei den Göttern weilt : ist es denn nicht möglich, dass die Seele, die von Gott stammt, in den Himmel zurückkehrt und die Gestalt in die Unterwelt ? Alles, was von seinem Vater Amphitryo war, starb, und alles, was von Jupiter war, ging in den Himmel. Diogenes macht sich lustig darüber, dass die Herrscher der Unterwelt so für Narren ge­halten wurden und ein falscher Herkules statt des wirklichen untergeschoben wurde und dass vielleicht die Mutter von Herkules Zwillinge, zwei gleiche Her­kulesse gebar, den wirklichen und seine Gestalt. Was wäre gewesen, wenn sich Hebe nur in die Gestalt des Herkules verliebt hätte und der wirkliche Herkules in die Unterwelt hätte kommen sollen ? Herkules meint, dass die beiden Herkulesse im Le­ben eine einzige Person waren. Diogenes erwidert, dass er dann eine Art von „Zentaur" war, „ein Mensch und ein Gott in ein Wesen zusammenge­wachsen". Dass der Mensch aus Seele und Körper bestehe, das weiss er, aber diese Meinung von Her­kules, er sei als Gestalt daherunter gekommen, wäh­rend seine Seele bei Gott sei, wäre erst dann rich­tig, wenn diese seine Gestalt ein Körper wäre. Aber sie ist gerade so eine verschwommene Gestalt, wie die anderen („so aber bist du ja nichts weiter, als eine unkörperliche Gestalt !"). Oder hat vielleicht am Ende seine Mutter Trillinge geboren und Herku­les hätte drei Personen : seine Seele = bei Gott, seine Gestalt = in der Unterwelt, und seinen Kör­per hat man auf dem Öta-Berg zu Asche verbrannt. (dreifacher Gisant-Typ !). Die Erwähnung der Zen­taur-Gestalt wirft erklärendes Licht auf die Zentaur­Todesgestalt der Haager Handschrift (Taf. VII. Fig. 6, 9.): Cod. Nr. 78. D. fol. 160v. Trotzdem die Ein­wohner der Unterwelt in anderen Dialogen als Ske­lette gedacht werden, ist die „Gestalt" Herkules' eine verschwommene Geistergestalt, wie sie am drit­ten Bild des Grabmals von Cumä gezeichnet wird, mit unbestimmten Zügen und unerkennbarem, dunk­lem Gesicht. XVII. Menippus und Tantalus. Menip­pus lacht den Tantalus aus, weil er Durst und Hun­ger hat, obwohl er Seele ist und keinen Körper be­sitzt. Obendrein muss er sich ja nicht einmal vor dem Hungertod fürchten. XVIII. Menippus, Merkur. Vergänglichkeit der Schönheit. Menippus bittet Merkur, er möge ihn zu jenen berühmten Schönheiten, Männern und Frauen, führen, über die man auf der Oberwelt so viel spricht. Merkur hat aber keine Zeit dazu und zeigt ihm nur eine kleine Gruppe, wo alle Schönen der Welt bei­sammenstehen : Hyazinth, Narcissus, Nireus, Achil­les, Tiro, Helena, Leda, usw. Menippus sieht aber nur lauter Knochen, an den n nichts zu unterschei­den ist. Trotzdem werden aber diese Knochen bis auf diesen Tag fleissig besungen 1 Menippus ersucht Merkur, er möge ihm wenigste s Helena zeigen Merkur weist auf einen Schädel hin. Das ist also He-

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