KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
sis in einer Sonntagspredigt die Beschreibung des dreifachen Gisant-Typs. (Sermo : Dom. II. Post Epiphaniam. Cap. III. Migne: P. lat. CXCVIII. Sp. 431.): „Scio etenim et certus sum, quia oportebit me hinc exire ; sed nescio tempus, nescio modum, nescio locum. Sed et recedens hinc nescio quo vadam. 0 terribilis et ideo tremenda hora resolutionis meae !" (Cap. XI. Sp. 435. Nr. 217.): „Considero modo in corporibus mortuorum, quid meum erit post mortem :quod profecto dissolutum per mortem, redigetur in pulvere m, eritque post putredinem vermis: post vermem pulvis". Die Tatsache der Darstellung der drei Verwesungszustände wird später noch überzeugender unterstützt. Der Leichnam des einfachen oder dreifachen Gisant-Typs bedeutet jedesmal einen Toten, dessen Verwesung als ein Beispiel der Vergänglichkeit gelten, soll. So sind die Holz- und Silber-Mumien der Ägypter und Römer zu verwerten. Der Tote auf der Mosaikplatte eines Grabes der Via Appia ist keine „Personifikation" des Todes; er weist mit seiner Hand auf die Flammen der Unterwelt, in denen er gepeinigt wird, und ermahnt die Vorübergehenden, ihr künftiges Schicksal in seinem „Beispiel" zu erkennen. Darauf ist auch die griechische Aufschrift zu beziehen : „Erkenne dich selber!" 1 Dasselbe ist auch über den dreifachen Gisant-Typ zu sagen. Auf Fig. 5. Tai. II. liegt die Marmorgestalt des Erzbischofs Chichele (t 1443) auf seinem Grabdenkmal oben als ein kurz vorher gestorbener Erzbischof und darunter als ein halb verwester Totenkörper. Nach dem begleitenden Text soll der vorübergehende Lebende ihn als ein Beispiel betrachten ; denn aus dem wertlosen Fleisch jedes Körpers muss nach dem Tod bald ein von den Würmern zerfetzter Leichnam werden, der wieder zu Asche wird. 3 Da die mittelalterliche Todesgestalt aus dem Gisant-Typ entstand, soll hier auch auf eine andere Art des Gisant-Typs aufmerksam gemacht werden. Im Orient, sowie auch in der griechisch-römischen Kunst bedeutet in gewissen Fällen ein Skelett oder ein Leichnam nicht „den Toten", sondern „den Tod" und symbolisiert „die Vergänglichkeit" oder — wie die weissen und schwarzen Genien der etruskischen Malerei — „die trüben, traurigen Gedanken über Tod und Vergänglichkeit". Das Skelett oder der Leichnam wird auch in diesem Falle meistens noch als ein Toter charakterisiert, er ist aber nicht mehr „ein Beispiel", das zur Ermahnung dient, sondern „die Verwesung". Diesen feinen 1 s. Taf.II. Fig. 3. 2 „Quiquis eris qui transieris rogo memoreris /Tu quod eris mihi consimilis qui post morieris/ Omnibus horribilis, caro vilis, vermis, pulvis;" im Original werden die einzelnen Totenzustände wegen der klassischen Versform umgekehrt aufgezählt : pulvis, vermis, caro vilis. vgl. Weber-Holländer : a. a. 0. S. 84—85 ; über das ähnliche Gisant-Grabmal des Kardinals Lagrange (t 1402) u. a. vgl. Richer l'Art et Médicine. Fig. 318. im Museum zu Avignon befindlich. Gleiche Auffassung zeigt eine Zeichnung des XV. Jhs von Jacopo Bellini im Louvre zu Paris. Unterschied zwischen der Darstellung einzelner Toten und des Totenleichnams als eines Symbols der Todesgestalt haben die rituálén Teufels- und Todes-Tänze der Buddha-Mönche in Tibet bis heute in seiner ursprünglichen Reinheit aufbewahrt. 3 Bei ihnen bedeutet ein Totenschädel oder ein Totenleichnam auch heute „denTod", „die Todesmacht". Dieselbe symbolische Bedeutung haben unter orientalischem Einfluss auch die Totenschädel und Leichname auf manchen antiken Gemmen. 4 Ähnliche Sprüche, wie der des Manilius (ca. 9. n. Chr.) : „Nascentes morimur, finisque ab origine pendet" mussten aus dem GisantTyp-Toten zur Idee des Todes-Symbols führen. Den schematisch gewählten drei Stufen des Verwesungsherganges im dreifachen Gisant-Typ entsprechend hat man schon in frühesten Zeiten im Orient und in der antiken Kunst auch den Ablauf des Menschenlebens in drei schematisch charakterisierten Entwicklungsstadien verbildlichen wollen. Das Leben ist ja — wie Manilius sagt — ein tägliches Dahinsterben. Dem gerade gestorbenen, halbverwesten, bald in ein Skelett verwandelten Totenkörper ähnlich konnte man auch im Leben drei charakteristische Alter finden : das soeben geborne Kind (oder ein Jüngling), der vollständig entwickelte Mann und der Greis, veranschaulichen den gesamten „Verwesungsvorgang" des Menschen, der schon in der Kindheit beginnt und mit dem Skelett endet und dessen ersten Teil wir „Leben" nennen. Die Darstellung der römischen TerrakottaLampe auf Fig. 1. Taf II. überzeugt uns von der Tatsache dieser Auffassung. „Ein Philosoph" hält Vorlesung über Leben und Tod, er vergleicht den Anfang des Lebens mit seinem Ende. 5 „Den Anfang des Lebens" symbolisiert hier ein Wickelkind, „das Ende, den Tod" dagegen ein Totenleichnam. Aus dem Kinde wird ein Mann und der starke Mann verwandelt sich in ein Totenskelett, auf das er mit seiner Hand hinweist. Das ist also der „Kreislauf" des Menschenlebens, der logisch aus dem dreifachen Gisant-Typ abgeleitet werden könnte. Das Vorhandensein eines „Lebensrades" in der antiken Kunst, sowie im Orient, kann nicht nur durch das bei den Antiken vielmals erwähnte „Rad der Fortuna", „Glücksrad" bewiesen werden, das den Kreislauf des Menschenlebens im Aufstieg der immer höheren Stände und im Fall der immer niedrigeren symbolisiert, sondern auch dadurch, dass im 438. Kapitel 'des Malerbuches der von ihrer konservativen Tradition berühmten Athos-Mönche das Motiv des Lebensrades von der ältesten orientalischen Christenheit übermittelt bis heute in seiner ursprünglichen orientalischen Form aufbewahrt und schon frühzeitig in die europäische Kunst verpflanzt wurde. Auf dem Lebensrade der Athos-Mönche steigt der Mensch links als ein Kind, ein 3 s. Taf. III. Fig. 7-8-9. 4 s. Taf. I. Fig. 17-18-19. 3 Weber-Holländer : S. 235.