KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ERSTER TEIL. Einführung in den Stand der neuesten Forschungsergeb nisse

die Darstellung der Vergänglichkeitsideen betref­fend für allgemein gültig zu halten geneigt ist. Alexius, der spätere Heilige, steht vor der Erlan­gung seines höchsten Glückes, als ihm im Walde, nach einer Jagd, drei tote Könige erscheinen : Xerxes, Alexander und Cäsar. Der Macht des ersten spotteten die Wasser, das Reich des zweiten vernichtete der Tod und es fand sich nicht einmal ein Homer, der seine Taten ver­herrlicht hätte. Die Macht des dritten reichte ihm nicht aus, das Herz des Brutus zu gewin­nen. Ihre Lehre ist niederschmetternd. Der Grös­senwahn hat keinen Sinn, die Machtbestrebun­gen sind Eitelkeit, denn zuletzt bleibt man doch allein. Nachdem die drei Toten verschwinden, erscheint ein Eremit und befragt Alexius über sei­ne nächsten Pläne. Seine wiederholten Fragen : „Und dann ?" leiten den stürmischen Jüngling zur Erkenntnis der einzigen Realität, der Ver­gänglichkeit. 1 In zwei Fällen ist aber eine direkte Le­gendentradition auch in der ungarischen Lite­ratur aufweisbar. In einem Gesangsbuch, im „Komáromi énekeskönyv" 2 befindet sich auf fol. 33a ein ungarisches Lied (es ist das 22. Stück der Sammlung), das aus dem XVII. Jahr­hundert stammend den bekannten Spruch der Legenden-Toten („Was ihr seid, das waren wir; was wir sind, das werdet ihr") in der Form eines Jammerruf-Monologes variiert. Wie der hl. Ma­carius der Urlegende, stösst auch hier die spre­chende Person im Kirchhof an Menschenkno­chen und sagt weinend : „weh, so werd' auch ich sein !" 3 Nicht die Urlegende, sondern die Todes­legendenform der Gesamtlegende ist der Kern der ebenfalls in dem XVII. Jahrhundert entstan­denen ungarischen „Comico-Tragödie , deren erste, in Nagyvárad erschienene Ausgabe (i. J. 1646) nur teilweise, die zwei nächsten Ausga­ben aber 4 vollständig erhalten blieben. Von einer ziemlich grossen Beliebtheit zeugen : eine hand­schriftliche Kopie aus dem XVII. Jahrhundert und mehrere Volksausgaben. 5 Die Meinungen über dieses vieraktige Stück weichen voneinan­der insofern ab, dass man bisher weder die wirk­liche Entstehungszeit, noch die Beziehungen zu den italienischen Moralitäts-Operntexten fest­stellen konnte ; es ist sogar nicht unmöglich, dass der ungarische Text nicht die Originalfas­sung des Werkes ist. Auf eine lateinische Vor­lage würden die lateinischen Aufschriften und auch lateinisch angegebenen Namen der Perso­nen hinweisen. In diesem Falle wäre das un­garische Stück kaum mehr, als eine in ungari­1 Ahnliches wird vom hl. Philippus Neri erzählt. 2 Egyet. Phil. Kőzi. XX111 1899, S. 424-425. 3 Vgl. Lassberg: Liedersaal. 1846. Bd. 111. S. 573. CCLX. 4 Lőcse 1683; Kolozsvár 1699. 5 Der Text bei Alszeghy Zsolt: Magyar drámai em­lékek a középkortól Bessenyeiig. Budapest 1914. Kisfaludy­Társ. Nemzeti Könyvtára Bd. IX. S. 163—216. Der Titel: Tragoedia / azaz / rész szerént víg, rész szerént szomorú história. 1646. sehe Verhältnisse verlegte Übersetzung. 6 Es sei nebenbei bemerkt, dass das Lazarus-Drama des zweiten Aufzuges nicht unbedeutende wörtliche Übereinstimmungen mit einem deutschenLaza­rus-Drama zeigt, dessen Manuskript die Simler­Sammlung (Zürich) besitzt (aus dem Jahre 1541, Handschrift Nr. 50) und das mit den Buchstaben des Züricher Augustin Friess im Jahre 1540 zuerst veröffentlicht wurde. 7 Der erste Akt der in Versen verfassten ungarischen Moralität ist eine Darstel­lung des Rangstreites zwischen Virtus und Vitium. Die „Gute Tat" steigt vom Himmel herab, um die Menschen zu erobern, obwohl die Wahr­heit, die Mässigkeit und die himmlische Kraft sie von diesem Vorhaben abzuhalten versuchen, da die Erde, sowie die Menschheit, sich gänzlich den Sünden ergeben hat. Die Sünde siegt im Kampfe und ihre Diener vertreiben die Gute Tat. Hierauf folgen die drei Bilder des zweiten, dritten und vierten Aufzuges. Äusserlich stehn diese Bilder mit dem vorangegangenen ersten Akt und miteinander in keiner engeren Verbindung, aber ein Zusammenhang ist doch vorhanden. Die Menschheit wendete sich von der Guten Tat ab und wird vom Tod bestraft. Drei Typen der Menschheit verfolgt der Tod : den Reichen, den Soldaten und den Verwalter. Diese drei Typen sind Vertreter je einer irdischen Eitelkeit und der Tod personifiziert die Nichtigkeit dieser Eitelkei­ten. Der Reichtum, die jugendliche Kraft oder die fleischlichen Begierden, die Lüste (Die Trunken­heit) und endlich die Unbarmherzigkeit, das sind jene drei Nichtigkeiten, die hier, wie in der Ge­samtlegende, der Reihe nach vom Tod zuschan­den gestellt werden. Dabei gehören die Darsteller wahrscheinlich zu ein und derselben Volksgemein­schaft. Der Soldat und der Verwalter sind schein­bar Diener des Reichen, da schon in dem ersten Stück ein unbarmherziger Diener des Reichen auftritt, der den Armen misshandelt und dafür mit einem grausamen Untergang bedroht wird. Dass die Hauptpersonen der drei Todes-Szenen wirklich „die Nichtigkeiten" verkörperlichen, be­weisen die im Stücke vorkommenden lateini­schen Namen. Der Soldat heisst „Pauper sce­Ieratus", den der ungarische Text als einen,, be­rüchtigten armen Schuft" charakterisiert, der mit seinem Freunde, mit der „Trunkenheit" in einer Kneipe zecht. Der unbarmherzige Verwalter, von dem die Bauern so viel zu leiden haben, heisst lateinisch „Crudelitas". Er ist also zu einer sym­bolischen Gestalt geworden. Die erste Todes­Szene im zweiten Akt des Stückes ist eine Ausbildung der Parabel vom Reichen und vom armen Lazarus. Der Arme, den die Diener des Reichen misshandeln, den der Reiche ohne Al­mosen entlässt, während er selber mit seinen 6 Vgl. die Angaben in der Literaturgeschichte von Pintér Jenő, Bd. 111. S. 518-523 ; daselbst auch Biblio­graphie. 7 Vgl. Jakob Bächtold : Schweizerische Schauspiele des XVI. Jahrhunderts. Zürich 1890—91. Bd. I. S. 15—50; besonders Zeile 595—656, S. 39—40 sind mit dem ung. Text auf S. 190 ff. bei Alszeghy zu vergleichen.

Next

/
Thumbnails
Contents